Dürfen Fußgänger bei Rot neben der Ampel über die Straße gehen?

Autor: , verfasst am 11.07.2016, 09:10| Jetzt kommentieren

Darf ein Fußgänger bei Rot eine Straße überqueren, wenn er sich dabei außerhalb des markierten Überwegs befindet? Das erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Verkehrsrecht - Rote Fussgängerampel (© Boris Zerwann / fotolia.com)
Verkehrsrecht - Rote Fussgängerampel
(© Boris Zerwann / fotolia.com)

Wer als Fußgänger direkt an einer roten Ampel über die Straße geht, der muss auf jeden Fall mit einem Bußgeld rechnen. Denn er begeht einen Rotlichtverstoß nach § 37 der Straßenverkehrsordnung (StVO), was eine Ordnungswidrigkeit nach § 49 Abs. 3 Nr. 2 StVO, § 24 StVG darstellt. Das gilt unabhängig davon, inwieweit die Straße zu diesem Zeitpunkt befahren ist.

Rotlichtverstoß des Fußgängers nach § 37 StVO

Aber wie sieht es aus, wenn ein Fußgänger bei einer roten Ampel einfach einige Meter neben der Markierung über die Straße läuft? Auch hier kommt unter Umständen ein Rotlichtverstoß nach § 37 StVG in Betracht. Auch wenn sich Gerichte hierzu nicht dazu geäußert haben, wird die Auffassung vertreten, dass Fußgänger das Lichtzeichen einer Ampel auch dann beachten müssen, wenn sie die Straße bis zu 5 Meter neben der gestrichelten Linie der sogenannten Fußgängerfurt überqueren (vgl. Lorenz, Der Wirkungsbereich einer roten Ampel, NZV 2015, 575ff.). Fußgänger sollten sich besser daran halten. Denn sie müssen damit rechnen, dass sich Richter womöglich dieser Auffassung anschließen werden.

Verstoß des Fußgängers gegen § 25 Abs. 3 StVO

Allerdings können sich Fußgänger auch dann rechtswidrig verhalten, wenn sie in einem weiteren Abstand als 5 m neben der roten Ampel die Straße überqueren. Es kommt insbesondere ein Verstoß gegen die Vorschrift von § 25 Abs. 3 StVO in Betracht.

Verkehrslage kann Überqueren an einer Ampel durch Fußgänger erfordern

Hiernach dürfen Fußgänger die Straße nur an bestimmten Stellen überqueren, wenn dies die Verkehrslage erfordert. Hierzu gehören neben Fußgängerüberwegen auch das Überqueren der Straße an Ampeln. Dies muss dann allerdings innerhalb der Markierungen - der sogenannten Fußgängerfurt - geschehen.

Wann die Verkehrslage nur ein Überqueren einer Straße direkt an einer Ampel erfordert, hat der Gesetzgeber nicht näher definiert. Es ist aber davon auszugehen, dass bei starkem Verkehrsaufkommen ein Fußgänger normalerweise nicht einfach eine Hauptstraße außerhalb des Ampelübergangs überschreiten darf. Das gilt vor allem dann, wenn sich eine Ampel in der Nähe befindet. So hat etwa der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 27.06.2000 (Az. VI ZR 126/99) festgestellt, dass im zugrundeliegenden Sachverhalt ein Fußgänger etwa im Abstand von 39 bis 43 Metern hinter einer ampelgeregelten Kreuzung eine stark befahrene Straße nicht überqueren durfte. Das Kammergericht Berlin entschied mit Beschluss vom 07.07.2008 (Az. 12 U 138/08), dass jedenfalls bei dichtem Verkehr und einem Verkehrsstau vor einer Ampel für einen Fußgänger die Nutzung eines 43 m entfernten Fußgängerüberwegs zumutbar gewesen ist. Der betreffende Fußgänger war mit einem Radfahrer zusammengestoßen, als er eine Straße mit wartenden Autos vor dem Übergang überquert hatte. Ebenso entschied das Kammergericht Berlin mit Urteil vom 17.11.1977 (Az. 12 U 1224/77) in einem Fall, in dem ein Fußgänger 50 m entfernt von einem Ampelübergang eine belebte Straße in einer Großstadt mit parkenden und haltenden Fahrzeugen überquert und dabei einen Unfall erlitten hatte.

Einzelumstände sind entscheidend

Die Beurteilung, wann die Verkehrslage das Überschreiten nur direkt an einer Ampel erlaubt, hängt also sehr von den Umständen des jeweiligen Einzelfalls ab. An verkehrsreichen Großstadtstraßen sollten Fußgänger von dem Überqueren außerhalb von Fußgängerüberwegen beziehungsweise Ampeln mit Übergängen absehen. Dies gilt vor allem dann, wenn eine Ampel in Reichwerte ist. Inwieweit ein Umweg über eine Ampel zumutbar ist, hängt neben der Dichte des Verkehrs und der Entfernung zur nächsten Ampel auch von der Geschwindigkeit der Fahrzeuge und den Sichtverhältnissen ab. Schließlich kann sich eine Verpflichtung zur Nutzung einer Ampel oder eines Fußgängerüberweges daraus ergeben, dass das Überqueren aus sonstigen Gründen mit besonderen Schwierigkeiten und Gefahren verbunden ist.

Bußgeld wegen unzulässigem Überqueren der Straße

Fußgänger, die gegen § 25 Abs. 3 StVO verstoßen, müssen damit rechnen, dass sie nach § 49 Abs. 1 Nr. 24 a StVG, § 24 StVG eine Ordnungswidrigkeit begehen und ein Bußgeld bezahlen müssen.

Schadensersatz und Schmerzensgeld

Darüber hinaus ist denkbar, dass sie bei einem Verkehrsunfall mit einem anderen Verkehrsteilnehmer wegen eines Mitverschuldens leer ausgehen oder ihr Anspruch auf Schadensersatz oder Schmerzensgeld erheblich gekürzt wird. So war es etwa in einem Fall, über den das Landgericht Köln entschieden hatte. Das Gericht stellte mit Urteil vom 03.03.2015 (Az. 32 O 28/14) fest, dass einem Fußgänger kein Anspruch gegen einen Autofahrer zustand, weil er in Köln eine mehrspurige Straße überquert hatte, ohne die in der Nähe befindliche Ampel zu nutzen. Zur genauen Entfernung machte das Gericht keine Angaben.

Unter Umständen müssen Fußgänger bei einem Unfall Schadensersatz oder Schmerzensgeld zahlen, wenn infolge ihres Fehlverhaltens etwa ein Radfahrer stützt oder ein Autofahrer ausweicht und daraufhin das Fahrzeug einen Totalschaden erleidet.

Fazit:

Fußgänger sollten daher vorsichtig sein und innerhalb einer geschlossenen Ortschaft im Zweifel lieber die nächste Ampel benutzen und diese nur bei Grün überqueren. Dies gilt vor allem bei viel befahrenen Hauptstraßen in Großstädten. Ansonsten gefährden sie schnell Leib und Leben anderer Menschen.

Autor: Harald Büring (Juraforum.de)


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