Häufige Fragen zur Funktionsweise von Filesharing-Clients bei Abmahnungen wegen Urheberrechtsverletzungen im Internet

Autor: , verfasst am 21.11.2014, 14:15| 1 Kommentar

Der folgende Artikel soll eine kurze Erläuterung der Grundzüge der Funktionsweise gebräuchlicher Filesharing-Software darstellen, um für Betroffene von Abmahnungen und allgemein interessierte Verbraucher einen kurzen Überblick der technischen Seite des Filesharings zu bieten

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In einem Großteil der von uns vertretenen Fälle fällt auf, dass die Betroffenen entweder gar keine oder nur unvollständige Vorstellungen davon haben, was letztlich der technische Hintergrund der Ihnen zu Last gelegten Vorwürfe ist, mit denen Sie unvermittelt konfrontiert werden. Die folgenden Ausführungen verfolgen daher nicht den Anspruch einer besonders tiefgreifenden technischen Aufarbeitung der Materie, sondern ist bewusst laienhaft gehalten, in dem Versuch eine allgemeinverständliche und schnelle Orientierung für von Abmahnungen Betroffene anzubieten.

 

„Wie kommt es, dass mir ein Weiterverteilen urheberrechtlich geschützter Werke zur Last gelegt wird. Ich habe doch allenfalls etwas heruntergeladen?“

Die Besonderheit der Funktionsweise der aktuellen Filesharing-Systeme wie BitTorrent ist, das Synergieeffekte durch alle weltweit aktiven User genutzt werden, um Dateien so möglichst schnell weiter zu verteilen. Dies wird auch oft als „Schwarmeffekt“ bezeichnet. Auch die Bezeichnung „Schneeballsystem“ trifft den Kern der Sache gut.

Eine weitere Besonderheit dabei ist, dass nicht die komplette Datei heruntergeladen wird (was aufgrund immer größerer werdenden Dateien auch gar nicht mehr möglich wäre z.B. bei  Filmen in hoher Qualität bzw. Software), sondern eine angebotene Datei in viele kleine Stücke zerteilt wird („Chuncks“). Mit dem Start des Downloads sammelt der Nutzer diese vielen kleinen Teile weltweit von anderen gerade aktiven Nutzern. Gleichzeitig beginnt die Client-Software das gerade geladene Teilstück „hochzuladen“ und wieder an andere Nutzer des Netzwerkes zu verteilen. Gerade dieser Fakt ist vielen Nutzern nicht bewusst, stellt aber rechtlich gesehen, gerade das „Schlimme“ des mit einer Abmahnung verfolgten Rechtsanspruchs dar, da die weltweite Verteilung den nicht zu überblickenden Schaden für den Rechteinhaber darstellen soll.

Die vielen kleinen Dateifragmente werden – quasi wie ein Puzzle – durch die Client-Software wieder zusammengesetzt. Dazu dient der sog. „Hash“ als eine Art Rahmen, in dem die Einzelteile, an ihrem jeweiligen Platz, zur vollständigen Datei zusammengesetzt werden.

Der mit dem Download verbundene Upload, ist also gerade der springende Punkt im BitTorrent-Prinzip. Deshalb beginnt der Download zunächst langsam. Jedoch durch den Synergieeffekt steigt die Download-Geschwindigkeit mit Fortschreiten des Downloads (je mehr Pakete geladen umso mehr werden verteilt usw.)

 

Kurze Begriffserklärungen:_______________________________________________________

  • BitTorrent:  populärstes Filesharing-Protokoll und gleichnamige Client Software (s.u.)
  • Client:  Software-Tool für die Nutzung von P2P Filesharing-Protokollen
  • Hash-Wert:  Eine Art „Gerüst“ für die komplette Datei. Der Hash Wert lässt zwar an sich noch keinen Rückschluss darauf zu, welche Datei sich dahinter verbirgt, ist jedoch eine Art „Fingerabdruck“, da es mathematisch quasi unmöglich ist, dass zwei Dateien einen identischen Hash-Wert besitzen. Wer jedoch die komplette Datei besitzt, kann über den Hashwert den Rückschluss auf entsprechende Angebote in den Netzwerken ziehen, auch wenn diese eventuell unter verschiedenen Namen gespeichert sind.
  • Torrent: Datei (.torrent) für das BitTorrent Prinzip, die die Informationen enthält (Download und Tracker), die für das Auffinden und Identifizieren der Datei notwendig sind
  • Tracker: Server der die Nutzer untereinander vermittelt
  • Seeder:  Nutzer der die Datei hochlädt
  • Peers:     Nutzer der die Datei herunterlädt

 

"Von einem Upload wusste ich nichts. Wollte ich auch gar nicht. Kann ich dafür überhaupt belangt werden?"

Exemplarisch hat das AG Düsseldorf, Urteil vom 03.06.2014 - 57 C 3122/13 jüngst bekräftigt, dass sich ein Nutzer von Filesharing-Clients nicht darauf berufen kann, er habe nicht gewusst, dass neben dem von ihm „nur“ bezwecktem Download für sich selbst, im Hintergrund auch eine Weiterverteilung an andere Nutzer des Netzwerkes erfolgt. Das Gericht ist – wie der überwiegende Teil der Rechtsprechung – der Auffassung, dass derjenige der einen Filesharing-Client nutzt, sich vorher mit der Funktionsweise des Programmes auseinandersetzen muss. Dies verlange auch keine unzumutbaren Mühen, da im Internet ohne große Anstrengung allgemeinverständliche Artikel über Filesharing und die gebräuchliche Software zu finden sind, aus denen herausgeht, dass technisch auch eine Weiterverbreitung erfolgt. Daher besteht rechtlich gesehen eine Obliegenheit des Nutzers sich über die grundlegenden Funktionen von ihm genutzter Software vertraut zu machen. Wer diese geringen Anstrengungen nicht auf sich nimmt, dem fällt zumindest Fahrlässigkeit zur Last. Da zum Teil – zumindest die gebräuchlichsten Seiten für rechtmäßige, kostenfreie Softwaredownloads, auf denen man Client-Software für Filesharing als Freeware herunterladen kann – ohnehin ausdrücklich auf die Gefahren bei der Nutzung hingewiesen wird, kann dies wohl tatsächlich nicht beanstandet werden.

"Ich hab den Film doch nur über eine Streaming-Seite angesehen. Das ist doch erlaubt?"

Ohne in die eigenständige Thematik über die rechtliche Bewertung von Streaming einzusteigen, muss hier zur Vorsicht gemahnt werden. Denn: nicht überall wo Streaming drauf steht, ist auch Streaming drinn!

Tatsächlich steht hinter manchen Angeboten (z.B. Popcorntime, cuevana.tv) tatsächlich eine ganz gewöhnliche Filesharing-Software, um nach dem oben genannten Verfahren, durch den entstehenden Synergieeffekt, dem Nutzer den Film schneller zur Verfügung stellen zu können und so das "Streamingerlebnis" zu ermöglichen. Technisch geschieht dabei jedoch nichts anderes, als bei Nutzung einer illegalen Tauschbörse. Die rechtliche Frage nach der Einordnung von Streaming, die seit der causa "redtube" im kollektiven Gedächtnis geblieben ist, stellt sich daher an dieser Stelle gar nicht. Darauf wird von den Seiten nicht oder zumindest nicht offensichtlich hingewiesen.

Wir machen trotzdem oftmals die Erfahrung in der Beratungssituation, dass Betroffene diese Funktionsweise der Filesharing-Clients „als hinterlistig“ oder „rechtswidrig“ ansehen. Das ist im Einzelfall durchaus nachvollziehbar und verständlich, jedoch in der Verteidigung unter den rechtlichen Realitäten leider nicht zielführend. Beim Thema Filesharing wie auch bei der übrigen Internetnutzung ist anzuraten, sich zumindest oberflächlich zu informieren oder bei Bedarf fachkundige Hilfe zu Rate zu ziehen, um vor unliebsamen Überraschungen geschützt zu sein. Bei all den Freiheiten die das Internet bietet, bestehen im gleichen Ausmaß Gefahren, vor denen sich der Nutzer schon im eigenen Interesse absichern sollte.

In diesem Sinne ist  die Client-Software nicht pauschal als rechtswidriges Werkzeug abzustempeln. Diese Technik wird durchaus auch in rechtlich zulässiger Weise verwendet, wenn einer Weitergabe durch den Rechteinhaber ausdrücklich erwünscht ist. Ein Verbot kommt damit nicht ohne weiteres in Betracht. Auch wenn die teilweise marktschreierische Anpreisung der in der Regel kostenfreien Software an mancher Stelle oftmals äußerst kritisch angesehen werden muss, da dem Nutzer in Teils bedenklicher Art und Weise suggeriert wird, das jeglicher damit vorgenommene Download "kostenfrei", also unbedenklich wäre. Das ist aber nicht der Fall! Es gilt als Faustformel im Zweifel folgender Grundsatz:  Filme, Computerspiele oder Musik, für die man sonst Geld bezahlen muss, wird es im Internet NICHT kostenlos geben!

 

Für von Abmahnungen Betroffene:__________________________________________________

Trotzdem ist eine Verteidigung gegen eine Filesharing-Abmahnung nicht chancenlos. Es kommt immer auf den jeweiligen Einzelfall an. Auch wenn die Rechtsprechung manche Argumente von Betroffenen nicht gelten lässt bietet sich in der Regel ausreichen Raum die eigenen Interessen zu berücksichtigen und die Auswirkungen einer Abmahnung abzumildern. Nicht immer sind die pauschalen Vorwürfe der abmahnenden Kanzleien gerechtfertigt. Qualifizierter anwaltlicher Rat ist daher empfehlenswert. Für mehr Informationen besuchen Sie auch unsere Homepage.

Gerne stehen Ihnen bei auftretenden Fragen nach einer erhaltenen Abmahnung im Rahmen unserer kostenfreien Ersteinschätzung zur Verfügung. Darüber hinaus können wir Ihre außergerichtliche Vertretung bei der Abwehr bzw. Eingrenzung der Folgen einer Abmahnung zu fairen und transparenten Pauschalen zur Verfügung.

Sie erreichen uns

  • per Telefon089 552 75 50 13  
  • per Telefax: 089 552 75 50 29
  • oder einfach per E-Mail: (abmahnung@llh-law.de).

Gerne können Sie auch unser Kontaktformular (auf http://www.llh-law.de/) nutzen. Unsere Anwälte analysieren Ihre Abmahnung und nehmen mit Ihnen unverzüglich Kontakt auf.

Wir bedanken uns für Ihr Interesse.

Ihr Team der Abmahnung-Nothilfe der LLH Rechtsanwälte GbR

 

Schlagwörter: Urheberrechtsverletzung, Abmahnung, Filesharing

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