Ab wann ist eine Doktorarbeit rechtlich als Plagiat einzustufen?

Autor: , verfasst am 25.03.2014, 15:15| Jetzt kommentieren

Nach der Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg wurde es zum Hobby einiger mehr oder weniger wissenschaftlich erfolgreicher Personen insbesondere Dissertationen von Politikern auf ihre „Plagiatsintensität“ überprüft. Nach und nach stolperten teils hochrangige Politiker im Zuge ihrer jeweils eigenen Affäre über darüber, dass einige Passagen ihrer Dissertation wohlmöglich plagiiert seien. Wann liegt also ein Plagiat vor?

Selber schreiben ist so schwer, drum hol`ich mir ein Plagiat her. (© forkART-Fotolia.com (Symbolfoto))
Selber schreiben ist so schwer, drum hol`ich mir ein Plagiat her.
(© forkART-Fotolia.com (Symbolfoto))

Allen voran die Internetplattform „VroniPlag Wiki“ hat sich zur Aufgabe genommen mit Hilfe einer ganzen Crowd von Personen die Doktorarbeiten diversen Personen zu überprüfen. Interessant sind natürlich da am ehesten Dissertationen berühmter Politiker.

Nun mag dieses Ansinnen einen edlen Hintergedanken hervorrufen, dennoch kann die Suche nach Plagiaten übertrieben werden. Die Auslegung der Grenzen wird immer enger und irgendwie findet sich in jeder Passage jeder Dissertation ein nicht richtig zitierter, sondern als eigener ausgegebener, Gedanke.

In diesen Fällen ist das übliche Procedere folgendes: Ähnlich dem Prüfungsausschuss, welcher den meisten aus Studienzeiten ein Begriff sein sollte, tagt ein spezieller Ausschuss meistens auf Hinweise Dritter oder medialer Berichterstattung, welche dann über die Aberkennung des akademischen Grades entscheidet. Gegen diese Entscheidung kann der Betroffene dann vor dem Verwaltungsgericht nach erfolglosen Widerspruch auf Feststellung klagen.

Wann liegt hier aber rechtlich ein Plagiat vor?

Auch wenn Plagiate oft gegen Gesetze verstoßen (Urheberrecht anderer, Patentrecht oder Geschmacksmusterrecht), kann ein Plagiat auch ohne Verstoß gegen ein Gesetz vorliegen. Es gibt mehrere Definitionen, welche sie jeweils in durch die Enge ihrer Auslegung unterscheiden. Während in einigen Rechtsgebieten ein Plagiat einfach durch Gesetz nachgewiesen werden kann, weil das Rechtsgut eines anderen als sein eigenes geschützt ist, verhält es sich in der Wissenschaft etwas schwammiger.

Grundsätzlich wird sich auch hier an die Auslegungen aus dem Urheberrechtsgesetz angelehnt, wonach sich aus § 51 UrhG (durch Auslegung) ergibt, dass der „Urheber etwas geschaffen haben muss, das mehr Eigenes enthält als eine Leistung, wie sich von jedem anderen mit vergleichbarer Ausbildung geschaffen werden kann“.

An diese Gesamtbetrachtungslehre sind die Ausschüsse der Hochschulen und Universitäten nicht gebunden. Vielmehr kann auch nach jeweiliger Auslegung der Gesetze und Definitionen schon ein Plagiat vorliegen, wenn mehrere Aussagen anderer nicht vernünftig zitiert oder gar einfach ganze Textteile kopiert aus anderen Werken wurden.

Es gibt kaum eine Rechtsfrage, wo der juristische Running-Gag „Kommt drauf an!“ mehr stimmt als bei der Frage, ob ein Plagiat vorliegt.

Unterbrechung des wissenschaftlichen Prozesses

Sieger gibt es gerade in den öffentlichen Schlachten, um das Vorliegen eines Plagiats bei einer Dissertation, die 30 Jahre zurückliegt keine. Auch war es damals unglaublich schwierig ohne Internet und andere Mittel seine eigene Dissertation zu 100% darauf zu überprüfen, dass man keine fremden Gedanken unrechtmäßig verwendet oder falsch zitiert hat.

Natürlich sollen die Werke geschützt werden, allerdings sind es selten die Urheber der Originale, welche gegen den Plagiator vorgehen oder die Hochschule auf das mögliche Vorliegen den entscheidenden Hinweis liefern. Vielmehr sind es unbeteiligte Dritte, die der Wissenschaft mit ihrer Suche keinen Dienst erweisen: Auch eine Dissertation aus der „Grauzone“ kann zu wissenschaftlichen Erkenntnissen führen und eine zunehmende Genauigkeit darf nicht einer Verlangsamung der Wissenschaft führen.

Quelle: JuraForum.de

Schlagwörter: Doktorarbeit Plagiat, Plagiat, Urheberrecht, Urheberrechtsverletzung, Falsches Zitieren


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