Roller entdrosseln: Ist das Tuning strafbar oder legal?

Autor: , verfasst am 22.06.2017, 09:22| Jetzt kommentieren

„Endlich 16!“ denken sich sicherlich viele Jugendliche, denn mit Sweet 16 eröffnen sich neue Möglichkeiten, wie zum Beispiel Bier und Wein trinken oder Roller, Moped und / oder Mofa fahren. Letzteres wird jedoch schnell zur Enttäuschung, denn den Jugendlichen stehen nur solche Führerscheinklassen zur Verfügung, die keinen großen Geschwindigkeitsrausch ermöglichen. Damit das „The Fast and the Furious“-Feeling dennoch erlebt werden kann, neigen einige dazu, ihren fahrbaren Untersatz im Stile von „Pimp my ride“ zu „frisieren“ (sog. Scootertuning). Doch ist ein solches Tuning von Rollern und Co überhaupt legal oder doch strafbar?
 

Roller entdrosseln: Ist das Tuning strafbar oder legal? (© Klaus Rademaker - Fotolia.com)
Roller entdrosseln: Ist das Tuning strafbar oder legal?
(© Klaus Rademaker - Fotolia.com)

Die Entdrosselung von kleineren, einspurigen Krafträdern wie Roller, Moped und Mofa ist grundsätzlich erlaubt, schließlich stehen diese Fahrzeuge in aller Regel im eigenen Eigentum. Allerdings bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass das getunte Kraftrad auch ohne weiteres gefahren werden darf:

  • Scootertuning bedarf einer Betriebserlaubnis vom TÜV
    Bevor das entdrosselte Kfz betrieben werden darf, muss eine Betriebserlaubnis vom TÜV eingeholt werden. Diese gibt es erst nach einer Vollabnahme, die unter anderem kostspielige Einzelabnahmen, Abgasuntersuchungen und Festigkeitsprüfungen (Rahmen, Fahrwerk) beinhaltet.
     
  • Scootertuning bedarf einer entsprechende Fahrerlaubnis
    Durch die Entdrosselung des Kfz sind durchaus Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h möglich. Der Jugendliche kann allerdings lediglich einen Führerschein der Klasse AM oder A1 machen:
    • Führerscheinklasse AM
      Diese Klasse umfasst die Erlaubnis, mit zwei- oder dreirädrigen Kfz zu fahren, die eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h aufweisen und / oder maximal 50 Kubikzentimeter Hubraum besitzen. Hierzu zählen insbesondere Kleinkrafträder wie Mofa, Moped und Motorroller, die eine durchschnittliche Leistung von 4 PS (3 kW) aufweisen.
       
    • Führerscheinklasse A1
      Diese höherwertige Führerscheinklasse schließt Fahrzeuge der Klasse AM mit ein und umfasst ferner Krafträder mit einem Hubraum von maximal 125 Kubikzentimeter. Die Motorleistung der Kfz ist dabei auf 11 Kilowatt beschränkt.
       

Im Übrigen gilt es zu beachten, dass der Jugendliche zwar bereits mit 15 ½ Jahren die Möglichkeit hat, einen solchen Führerschein zu erwerben. Dieser wird allerdings erst mit Vollendung des 15. Lebensjahres, also mit 16 Jahren, ausgehändigt.
 

Mögliche rechtliche Konsequenzen bei fehlender Betriebserlaubnis

Im öffentlichen Straßenverkehr darf ein entdrosselter Roller ohne Allgemeine Betriebserlaubnis, Einzelbetriebserlaubnis oder Betriebserlaubnis für Fahrzeugteile nicht betrieben werden.

Die Allgemeine Betriebserlaubnis erlischt gemäß § 19 StVZO [Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung] automatisch, sobald am Kfz in irgendeiner Weise etwas getunt wird. Das Fahren ohne oder mit erloschener Betriebserlaubnis ist gemäß § 69a StVZO eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldbuße und Punkten in Flensburg geahndet wird.

Ferner wird eine Vorführung des Fahrzeugs beim TÜV nach Rückbau der Tuningmaßnahme nötig sein, wenn das Kfz nicht stillgelegt wird.

Darüber hinaus beeinflusst eine solche illegale Entdrosselung im Versicherungsfall auch die Schadensregulierung. So ist bei der Kfz-Haftpflichtversicherung nicht nur ein Regress von bis zu 5.000 Euro vorgesehen, sondern die Kaskoversicherung kann wegen einer Obliegenheitsverletzung die Zahlung ganz verweigern.

 

Mögliche rechtliche Konsequenzen bei fehlender Fahrerlaubnis

Nach § 21 StVG [Straßenverkehrsgesetz] wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wer ohne Fahrerlaubnis ein Kfz steuert. Wird also das Kfz insoweit getunt, dass sich Motorleistung, Hubraum und Höchstgeschwindigkeit ändern, genügen die Führerscheinklassen AM und A1 nicht mehr. Jugendliche (bis 18 Jahren) und unter Umständen auch Heranwachsende (18 bis 21 Jahren) müssen bei Anwendung von Jugendstrafrecht hingegen in aller Regel mit Arbeitsstunden sowie einer Teilnahme am Verkehrsunterricht rechnen.

Darüber hinaus wird das Fahren ohne Fahrerlaubnis mit 2 bis 3 Punkten in Flensburg geahndet.

Schließlich kann es außerdem zu einem Fahrverbot oder bei der Führerscheinklasse AM sogar zu einem Fahrerlaubnisentzug kommen, letzteres in aller Regel mit einer Sperre von mindestens sechs Monaten bis die Erteilung einer neuen Fahrerlaubnis möglich ist.

Bei Wiederholungstätern ist außerdem auch der Einzug des Fahrzeugs zu befürchten.

 


Scootertuning ist also grundsätzlich legal, die Änderungen müssen beim TÜV allerdings angemeldet werden. Das Kfz darf nämlich erst in Betrieb genommen werden, wenn eine entsprechende Betriebserlaubnis vom TÜV vorliegt. Daneben ist zu beachten, dass durch das Tuning das Fahren der getunte Roller nicht weiter von der bestehenden Führerscheinklasse erfasst ist. Wer dann trotzdem seinen Roller, sein Moped oder Mofa fährt, macht sich wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis strafbar.
 

Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Roller, Mofa, Moped, Scooter, Kfz, entdrosseln, Entdrosselung, tunen, Tuning, frisieren, legal, verboten, strafbar, Betriebserlaubnis, TÜV, Fahrerlaubnis, Führerscheinklasse, Flensburg, Fahrerlaubnisentzug, Fahrverbot


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