Was steht im Führungszeugnis und wie lange?

Autor: , verfasst am 12.06.2015, 07:11| 18 Kommentare

So manche Sünde aus der Jugendzeit gerät schnell und gerne in Vergessenheit. Doch prompt kann einen die düstere Vergangenheit einholen, wenn z.B. der potentielle neue Arbeitgeber ein Führungszeugnis verlangt. So mancher hat dabei schon eine böse Überraschung erlebt. Was ins Führungszeugnis eingetragen wird und wie lange es dort verbleibt.

Führungszeugnis (© B. Wylezich - Fotolia.com)
Führungszeugnis
(© B. Wylezich - Fotolia.com)

Zentrale Regelungen rund um das Führungszeugnis finden sich im Bundeszentralregistergesetz (§§ 30 ff. BZRG)

Führungszeugnis als Teil des Bundeszentralregisters

Zunächst ist klarzustellen, dass das Bundeszentralregistergesetz zwischen dem eigentlichen Register auf der einen Seite und der späteren Auskunft aus diesem Register, etwa in Form des Führungszeugnisses, unterscheidet. Genau genommen wird daher eine etwaige Straftat nicht in das Führungszeugnis eingetragen sondern in das Zentralregister. Das Führungszeugnis gibt lediglich die im Zentralregister befindlichen Eintragungen wieder.

Einträge im Zentralregister stehen nicht auch immer im Führungszeugnis

Was im Zentralregister steht und was im Führungszeugnis steht, ist nicht zwingend dasselbe. Es kann durchaus vorkommen, dass das Führungszeugnis keine Eintragungen aufweist obwohl im Zentralregister selbige vorhanden sind.

Im Gegensatz zum Führungszeugnis werden in das Zentralregister nämlich unter anderem alle strafgerichtlichen Verurteilungen einer Person, völlig unabhängig von der Höhe der Strafe oder der Art des Deliktes, aufgenommen. Wer einmal verurteilt wird, wird zwingend in das Register aufgenommen. Dies gilt gleichermaßen auch für Jugendstrafen.

Dagegen nicht im Führungszeugnis stehen unter anderem:

  • Geldstrafen, von nicht mehr als 90 Tagessätzen (§32 Abs. 2 Nr.5 a BZRG)

  • Freiheitsstrafen von bis zu 3 Monaten (§32 Abs. 2 Nr.5 b BZRG)

  • Jugendendstrafen von bis zu 2 Jahren, soweit zur Bewährung ausgesetzt (§32 Abs. 3 BZRG)

Wer also beispielsweise, wegen einer Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen verurteilt wurde, wird dies auch im Bundeszentralregister wieder finden. Im Führungszeugnis wird sich dagegen grundsätzlich keine Eintragung finden, denn es gilt die Grenze von 90 Tagessätzen bzw. 3 Monaten Freiheitsstrafe. Der Betroffene darf sich somit weiter als “nicht vorbestraft” bezeichnen (§ 53 BZRG), auch wenn er selbstverständlich bei einem etwaigen späteren Verfahren von den Gerichten als vorbestraft angesehen wird. Dies gilt allerdings nur, sofern noch keine andere Strafe im Zentralregister eingetragen ist (§ 32 Abs. 5 BZRG). Wer beispielsweise wenige Monate vorher zu einer Geldstrafe von lediglich 10 Tagessätzen verurteilt wurde und nun wiederum zu 90 Tagessätzen, wird in seinem Führungszeugnis künftig zwei Einträge finden, obwohl beide unabhängig voneinander normalerweise nicht auftauchen würden. Dies gilt im Übrigen auch für Fälle in denen eine Person aufgrund zwei verschiedener Straftaten zu lediglich nur je 20 Tagessätzen verurteilt wurde. Die Grenze von 90 Tagessätzen spielt dann keine Rolle mehr Der Betroffene gilt dann in beiden Konstellationen auch als vorbestraft.

Wie lange Eintragungen vorhanden bleiben

Ebenfalls zwischen Zentralregister und Führungszeugnis zu unterscheiden ist bei den Fristen, nach deren Ablauf Eintragungen getilgt, also entfernt werden müssen. Regelungen dazu finden sich in § 34 BZRG (Löschungsfristen Führungszeugnis) und in § 46 BZRG (Tilgungsfristen Register). Die Fristen des §34 BZRG sind regelmäßig kürzer als jene des §46 BZRG, was zur Folge hat, dass Einträge im Zeugnis nach Ablauf der Frist zwar nicht mehr gelistet werden, weiterhin aber im Register geführt werden, bis dortige einschlägige Frist abgelaufen ist. Nach § 34 BZRG gelten folgende Löschungsfristen:

Löschung nach 3 Jahren:

• Verurteilungen wegen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von nicht mehr als 3 Monaten

• Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr bei Strafaussetzung zur Bewährung (wenn die Bewährung nicht widerrufen und keine weiteren Eintragungen vorhanden sind)

• Jugendstrafen bis zu einem Jahr

• Jugendstrafen bis 2 Jahren, soweit zur Bewährung

Löschung nach 5 Jahren:

• bei allen übrigen Fällen, also Freiheitsstrafen über 1 Jahr oder Jugendstrafe über 2 Jahre ohne Bewährung außer es gilt die 10 Jahresfrist Löschung nach 10 Jahren:

• Freiheitsstrafen oder Jugendstrafe von mehr als einem Jahr bei Verurteilungen wegen §§ 174 bis 180 oder 182 StGB (Sexualstraftaten)

Beginn der Löschungsfrist ist gemäß § 36 BZRG regelmäßig der Tag des ersten Urteils.

Sowohl Verurteilungen zu lebenslangen Freiheitsstrafen als auch die Anordnung der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung oder in einem psychiatrischen Krankenhaus unterliegen keinen Löschungsfristen und bleiben grundsätzlich immer im Führungszeugnis sowie Zentralregister verzeichnet.

Die Tilgungsfrist für Einträge im Zentralregister beträgt 5, 10, 15 oder 20 Jahre, je nach Höhe der Strafe (§ 46 BZRG). Die 20-jährige Frist gilt ausschließlich bei Verurteilungen wegen eines Sexualdeliktes zu einer Jugend- oder Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr. Wird nun beispielsweise der Betroffene wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 120 Tagessätzen Geldstrafe verurteilt wurde, wird diese Straftat für 10 Jahre im Zentralregister eingetragen und verbleibt 3 Jahre im Führungszeugnis. Der Betroffene gilt dann bis zur Löschung aus dem Führungszeugnis als offiziell vorbestraft.

Schlagwörter: Führungszeugnis, Eintragungsdauer, Zentralregister


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (18)

Mila  (27.07.2017 21:57 Uhr):
Ich würde gerne wissen ob mein Eintrag noch im Führungszeugnis sichtbar ist! Verurteilung 6 Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung Urteil (2. Urteil)rechtskräftig seit 20.06.2013,bewährungszeitraum 3 Jahre! gegen das erste Urteil habe ich Berufung eingelegt!
Olli  (16.05.2017 05:03 Uhr):
Ich wurde 2005 rechtskräftig zu einer 8 Jährigen Freiheitsstrafe wegen 211,22 in Tatmehrheit 250,223 verurteilt. Die Taten waren 2003 dazwischen war ich in U-Haft. 2009 würde ich auf 2/3 Strafe entlassen. 211,22 ist klar das es nicht gelöscht wird aber die tatmehrheit wäre ja abgegolten da ja auch die Bewährung ohne Probleme verlief.
Rasit  (06.05.2017 06:23 Uhr):
Ich bin 2016 Auto gefahren und hab es dann auch geschrottet. Jedoch habe ich noch keinen Führerschein und wurde erwischt. Wie lange steht das im Führungszeugnis.
Ralf  (28.02.2017 07:10 Uhr):
Habe frage wie geht es den eintrag zu löschen im führungszeugnis meine frizt von 5 jahre ist zu ende jetzt möchte ich es löschen.lg ralf
Novize  (21.02.2017 11:24 Uhr):
Hallo, Ich habe eine kleine Frage ich habe 2015 eine Anzeige bekommen wegen Mariuhana besitzt. daher wollte ich fragen wie lange das im Führungszeugnis steht oder ob es überhaupt rein geschrieben wird ? Vielen Dank für die Antworten.
Nico  (11.02.2017 23:41 Uhr):
Hallo Ich hatte 2008 ein Geldstrafe 50 Tag und 2012 60 Tag ich habe 2013 deutsche Pass beantrag das wegen habe ich nicht gekriegt.. haben gesagt du muss warten bis Februar 2017 dann ich habe noch ein straffe bekommen für Jobcenter 2016 . 30 Tag ich . Das muss ich noch 5 Jahre warten ob ich deutsche Pass beantragen oder nicht ?? Alle mein strafe war Jobcenter.
Fatos  (07.10.2016 18:25 Uhr):
Hallo, bin 2005 wegen drogen misbrauch zu 2 jahre verurteilt, strafe wurde auf drei jahre bewährung ausgesetzt, meine frage wurde dies bereits gelöscht oder wann wird aus zentralregister gelöscht Danke
Maik2002  (01.10.2016 00:08 Uhr):
Wurde 2005 zu 6 Jahren verurteilt wegen Schweren Diebstahl ,Diebstahl , Betrug und Hausfriedensbruch , nach 4 Jahren hatte ich Bewährung bekommen. Wie lange ist das im Polizeilichen Führungszeugnis? Hatte mir letztes Jahr eins beantragt , habe darauf hingewiesen das ich das einfache brauch.Mir wurde aber gesagt das bei mir nur das Erweiterte Führungszeugnis geht , stimmt das ?
Hein  (12.07.2016 18:02 Uhr):
Hallo zusammen ich hab mal eine frage ich habe 2001 35 tagessätze a 20 dm bekommen 2005 habe ich 90 tagessätze u 30 euro erhalten 2009 40 tagessätze a 50 euro alles beglichen und nichts mehr vorgefallen sind meine straftaten aus dem normalen führungszeugnis draussen ??? Würde gern einen arbeitgeberwechsel anstreben aber der benötigt ein leeres führungszeugnis .Danke im voraus
Chrismc  (09.07.2016 17:38 Uhr):
Wie lange bleibt ein Raubueberfall im Fuehrungszeugnis und Zentralregister?
Mike  (21.06.2016 18:47 Uhr):
Ich habe 2 x 2 Jahre bewehrung also 4 Jahre Bewährung (2009 bis 2012)ohne Gefängnis 182StGB Urteil ist 8 Jahre her..oder muss ich 10+4 =14 Jahre insgesamt warten? Wann kann ich die Eintragung Tilgen/löschen lassen? Danke im Voraus ...!
Michi123  (04.06.2016 13:59 Uhr):
Muss ich eine Löschung nach 3 Jahren aus dem erweiterten Führungszeugnis selber beantragen oder geht das von selbst
Mr. Brownie  (01.06.2016 07:05 Uhr):
Wie lange bleibt der Eintrag in beiden Zeugnissen bzw Registern in folgenden Fall: 2 Jahre auf Bewährung und vier Jahre Bewährungsfrist. War Verurteilung 2010. also schon 6 Jahre her.... Danke für eine Antwort!!!
Pamela Fahl  (25.04.2016 17:35 Uhr):
Ich wurde 2012 zu einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten auf 3 Jahre Bewährung verurteilt. Wegen schwerer Körperverletzung und Sachbeschädigung. Zudem musste ich 500€ Schmerzensgeld und 500€ Schadenswiedergutmachung zahlen. Zweiteres habe ich nicht gezahlt und bin dafür 4 Monate in Haft gegangen und auf 2/3 wieder raus. Wieder 3 Jahre Bewährung. Wie lange steht das nun im polizeilichen Führungszeugnis?
Sonja Dresling 77  (15.03.2016 10:06 Uhr):
Ich bin am 24.7.2013 auf dem weg zur Arbeit im Bus ohne Fahrschein angetroffen worden ,und bin dafür mit recht zu einer Bewährung von 2 Jahren verurteilt worden oder ersatzweise 2 Monate Freiheitsstrafe .Meine Frage lautet nun ob man die eine Strafe löschen kann noch vor Ablauf der 3 Jahres Frist das Urteil wurde rechtskräftig am 25.12.2013.die löschung bzw vorzeitige Entfernung des Eintrags würde mich davor bewahren meine Anstellung zu verlieren.
Daniel  (29.02.2016 15:33 Uhr):
Ich habe seid 2014 eine Geldstrafe im führungstßzeugniss stehen gibt s eine möglich keit für Arbeitgeber ein Führungszeugnis ohne Eintragungen zu erhalten oder sollte der personlabogen wahrheitsgemäß ausgefülltwerden
Rose-Man  (02.11.2015 15:45 Uhr):
Ein guter Beitrag, allerdings fehlt der Hinweis, dass sich nach § 34 Abs. 3 BZRG die Löschungsfristen, verkürzt gesagt, um die Dauer der Freiheitsstrafe, des Strafarrestes oder der Jugendstrafe, verlängert.
Nejad  (17.06.2015 00:03 Uhr):
Wielange ist die Löschung eine Freiheitsstrafen vom 2 jahre und 9 Monate wegen Gewerbsmäßiges Handeln mit BtM. Die geschichte ist aus Jahre 1998 bis 2001.





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