Was ist Beischlafdiebstahl und welche Strafe droht?

Autor: , verfasst am 11.09.2017, 09:35| Jetzt kommentieren

Diebstahl gehört statistisch zu den am häufigsten begangenen Straftaten in Deutschland. Unter diesem Begriff kann sich jeder etwas vorstellen, sei er Jurist oder Laie. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Beischlafdiebstahl? Ist er ein eigenes Sonderdelikt? Und welche Strafe droht bei einem Beischlafdiebstahl?

Welche Strafe droht bei einem Beischlafdiebstahl?  (© Daniel Bujack - Fotolia.com)
Welche Strafe droht bei einem Beischlafdiebstahl?
(© Daniel Bujack - Fotolia.com)

Der Begriff Beischlafdiebstahl

Hin und wieder ist in der Presse davon zu lesen, dass die Polizei einen Fall des Beischlafdiebstahls aufgeklärt hat. Dieser Begriff bezeichnet Fälle des Diebstahls, die im Zusammenhang mit Geschlechtsverkehr erfolgen, es handelt sich also nicht um ein Sexualdelikt. Vielmehr handelt es sich um Fälle, in denen der (Beischlaf-)Dieb nach dem einvernehmlichen Geschlechtsverkehr eine Sache des anderen, zum Beispiel Geld oder sonstige Wertgegenstände, entwendet. So stahl beispielsweise eine Prostituierte ihren Freiern Geld und Luxusuhren im Wert von mehreren tausend Euro, während die Männer sich im Badezimmer aufhielten. Auch im Übrigen wird der Beischlafdiebstahl vor allem im Prostitutionsmilieu begangen. Entsprechend hoch ist auch die Dunkelziffer bei diesem Delikt, da viele Opfer keine Anzeige erstatten, damit ihr(e) Bordellbesuch(e) nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Die Bezeichnung Beischlafdiebstahl ist kein juristischer Begriff und ist daher nicht im Strafgesetzbuch [StGB] zu finden. Der Begriff stammt aus der Kriminologie und dient der genaueren Abgrenzung von Straftaten, wie etwa der Automatendiebstahl oder der Ladendiebstahl.

Wie wird ein Beischlafdieb bestraft?

Es handelt sich daher nicht um ein Sonderdelikt beziehungsweise einen eigenen Straftatbestand, sondern die Täter werden gemäß der Vorschriften über den Diebstahl bestraft, das heißt grundsätzlich § 242 Absatz 1 StGB. Damit dieser Grundtatbestand objektiv erfüllt ist, müssen die folgenden tatbestandlichen Merkmale vorliegen:

  • Tatobjekt: fremde bewegliche Sache(n), es muss sich also um Sachen handeln, die im Eigentum (Allein-, Mit- oder Gesamthandseigentum) eines anderen stehen und tatsächlich bewegt werden können.
  • Tathandlung: Wegnahme, das heißt der Bruch fremden und die Begründung neuen Gewahrsams. Unter Gewahrsam versteht man wiederum das von einem Herrschaftswillen getragene tatsächliche Herrschaftsverhältnis einer Person über eine Sache, beispielsweise das Eigentum einer Person.

Subjektiv setzt der Tatbestand des § 242 Absatz 1 StGB zusätzlich zum Begehen mit Vorsatz voraus, dass der Täter die Sache „in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen“ (sog. Aneignungs- und Enteignungsabsicht). Das Gesetz sieht für die Begehung eines Diebstahls eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor, der Beischlafdiebstahl wird als kriminologische Variante des Diebstahls entsprechend genauso bestraft.

Bis zu zehn Jahre Gefängnis in besonders schweren Fällen

Je nach den konkreten Umständen des Einzelfalles kann auch § 243 StGB anwendbar sein, also wenn der Beischlafdieb etwa seine Geschlechtspartner gewerbsmäßig bestiehlt (vgl. § 243 Absatz 1 Satz 2 Nr. 3 StGB), das heißt sich durch wiederholte Diebstähle eine fortlaufende Einnahmequelle schafft (vgl. BGH Urteil vom 11.10.1994 – 1 StR 522/94). § 243 StGB ist keine Qualifikation, also kein eigener Tatbestand, sondern lediglich eine Strafzumessungsregel. Diese können in bestimmten geschriebenen, aber auch ungeschriebenen schweren Fällen einer Straftat, zu einer höheren Strafe führen. Im Falle gewerbsmäßig betriebener Beischlafdiebstähle droht dem Täter im Gegensatz zum einfachen Beischlafdiebstahl nach § 242 Absatz 1 StGB in jedem Fall eine Gefängnisstrafe, die gemäß § 243 Absatz 1 Satz 1 StGB je nach der konkreten Schwere der Tat mindestens drei Monate und höchstens beachtliche zehn Jahre betragen kann.

Daneben können die Täter auch mit Mittätern oder Gehilfen agieren, die dann entsprechend nach § 25 Absatz 2 StGB (Mittäter) beziehungsweise § 27 StGB (Gehilfen) bestraft werden.
 

Fazit:
Der Beischlafdiebstahl ist kein eigener Straftatbestand, sondern vielmehr eine bestimmte Variante des Diebstahls. Die Bezeichnung dient dabei vor allem der genaueren Differenzierung und Abgrenzung des konkreten Diebstahls, ist aber kein juristischer Fachbegriff. Daher wird der Beischlafdiebstahl nach den Vorschriften über „normalen“ Diebstahl bestraft, also vor allem nach §§ 242, 243 StGB.
Schlagwörter: Beischlafdiebstahl, Geschlechtsverkehr, Sexualdelikt, Diebstahl, § 242 StGB, § 243 StGB, gewerbsmäßig, Freiheitsstrafe, Geldstrafe


Nachrichten zum Thema
  • BildKeine Strafe, kein Verbrechen ohne Gesetz (11.11.2011, 11:10)
    Rechtswissenschaftler der Universität Jena laden zum Feuerbach-Tag am 18. November einDie Rechtswissenschaftliche Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena ehrt einen der Großen ihres Faches und sich selbst: Am Freitag (18. November) wird...
  • BildMilde Strafe für Fahrraddieb wegen Youtube-Video (23.06.2011, 10:05)
    Erfurt/Berlin (DAV). Wer ein Fahrrad stiehlt, muss mit seiner Bestrafung rechnen. Eine mildere Strafe kann sich derjenige erhoffen, dessen Tat auf YouTube angeprangert wurde. Über eine entsprechende Entscheidung des Amtsgerichts Erfurt vom 30....
  • BildSelbstanzeige bei Steuerhinterziehung – Strafe trotz Selbstanzeige (15.02.2010, 16:24)
    Nur Steuererklärung auf Heller und Pfennig schützt vor strafrechtlicher Verfolgung Frankfurt, 15. Februar 2010 – Derzeit können sich Steuerberater und Rechtsanwälte kaum vor Anfragen retten, was denn im Fall von Steuerhinterziehung mit einer...
  • BildDrohende Strafe bremst egoistisches Handeln (03.10.2007, 19:00)
    Wenn Strafe droht, unterdrückt der Mensch egoistische Impulse. Zu diesem Schluss kommen die Forschungsgruppen von Manfred Spitzer und Ernst Fehr der Universitäten Ulm und Zürich in einer Studie, die am 4. Oktober 2007 in "Neuron" (Volume 55, issue...
  • BildMit Reputation geht es fast ohne Strafe (07.12.2006, 11:00)
    Wer sich auf Kosten der Gesellschaft bereichert, wird durch den Entzug sozialer Unterstützung diszipliniert und nur in Härtefällen direkt bestraftWissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Limnologie in Plön und der Universität Erfurt haben...
  • BildKeine Strafe für alkoholisierten Fahrlehrer (16.03.2006, 09:02)
    Dresden (DAV). Ist ein Fahrlehrer bei einer Fahrschulfahrt betrunken, so wird er nur bestraft, wenn der Fahrschüler das Auto nicht selbstständig steuern kann. Dies geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Dresden vom 19. Dezember 2005 (AZ.: 3...

Kommentar schreiben

72 + Vi e r =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)





Weitere Strafrecht-Ratgeber


Anwalt für Strafrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.