Steuererklärung: Fahrtkosten bei der Steuer berechnen und absetzen

Autor: , verfasst am 12.10.2017, 11:46| Jetzt kommentieren

Wann können Arbeitnehmer bzw. Privatleute ihre Fahrtkosten von der Steuer absetzen? Das erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Fahrtkosten zur Arbeit können steuerlich geltend gemacht werden. (© Anyaberkut - Fotolia.com)
Fahrtkosten zur Arbeit können steuerlich geltend gemacht werden.
(© Anyaberkut - Fotolia.com)

 

Fahrtkosten zur Arbeitsstelle als Werbungskosten

Arbeitnehmer können normalerweise nicht ihre tatsächlichen Fahrtkosten zu ihrer Arbeitsstelle als Werbungskosten gem. § 9 EStG steuerlich geltend machen. Anders sieht das jedoch hinsichtlich der Pendlerpauschale – offiziell als Entfernungspauschale bezeichnet - aus. Das bedeutet: Arbeitnehmer können eine Pauschale in Höhe von 30 Cent für die Fahrtstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstelle in der Steuererklärung ansetzen.

Die Pendlerpauschale kann dabei ab dem ersten Entfernungskilometer veranschlagt werden. Sie gilt allerdings nicht für eine Fahrt täglich. Dabei ist normalerweise nur die kürzeste Fahrtstrecke berücksichtigungsfähig. Hier müssen Sie unter Umständen gegen Ihren Steuerbescheid Einspruch einlegen und begründen, weshalb die längere Strecke verkehrsgünstiger ist.

 

Pendlerpauschale gilt unabhängig vom Verkehrsmittel

Die Pendlerpauschale gilt übrigens nicht nur für Autofahrer, sondern verkehrsmittelunabhängig. Das bedeutet, dass sie auch von anderen Verkehrsteilnehmern in Anspruch genommen werden kann. Hierzu gehören neben den Nutzern von öffentlichen Verkehrsmitteln auch Radfahrer und Fußgänger.

Arbeitnehmer die mit Bus und Bahn zur Arbeit fahren, können stattdessen auch die Kosten für Ihre Fahrkarten als Werbungskosten ansetzen. Das macht aber nur dann Sinn, wenn diese die Pendlerpauschale übersteigen.

 

Fahrtkosten als Werbungskosten bei Dienstreise

Arbeitnehmer die mit ihrem eigenen privaten Wagen eine Dienstreise unternehmen dürfen wählen, ob sie eine Kilometerpauschale von 30 Cent ansetzen und einen Individuellen Kilometerkostensatz als Werbungskosten ansetzen. Die Kilometerpauschale kann für Hin- und Rückfahrt angesetzt werden. Sie gilt nicht verkehrsmittelunabhängig wie die Pendlerpauschale.

Wer andere motorabhängige Fahrzeuge nutzt wie ein Moped, darf nur eine Kilometerpauschale von 20 Cent ansetzen. Arbeitnehmer die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, können die tatsächlich entstandenen Fahrtkosten absetzen. Dies alles gilt allerdings nur, soweit der Arbeitgeber nicht für die Fahrtkosten aufkommt. Radfahrer und Fußgänger können – anders als bei der Pendlerpauschale – keine Werbungskosten ansetzen.

Kosten die für die Reparatur bzw. Instandhaltung des eigenen Wagens entstehen, können Arbeitnehmer gewöhnlich nicht als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Anders sieht es aus, wenn auf der Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsstelle oder bei einer beruflich veranlassten Fahrt ein Verkehrsunfall passiert. Dann können die Reparaturkosten angesetzt werden. Sofern keine Reparatur vorgesehen ist, können gewöhnlich Wertminderungskosten in der Steuererklärung angesetzt werden.

 

Fahrtkosten bei behinderten Steuerzahlern

Behinderte Arbeitnehmer haben zunächst einmal den Vorteil, dass Sie für die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstelle unter Umständen statt der Pendlerpauschale ihre tatsächlichen Fahrtkosten ansetzen können. Hierzu gehören auch etwa Kosten für Reparaturen. Dies setzt allerdings voraus, dass sie mindestens einen Grad der Minderung von 70 haben. Es reicht auch ein Grad der Behinderung von mindestens 50 aus, wenn in Ihrem Behindertenausweisdas Merkmal „G“oder „aG“eingetragen worden ist.

Darüber hinaus können behinderte Steuerzahler womöglich auch ihre privaten Fahrtkosten neben der Behindertenpauschale als allgemeine außergewöhnliche Belastungen gem. § 33 EStG in der Steuererklärung veranschlagen. Dies setzt voraus, dass sie entweder einen Grad der Behinderung von wenigstens 80 verfügen. Oder sie haben neben einem Grad der Behinderung von mindestens 70 das Merkzeichen„G“ im Behindertenausweis stehen. Bei außergewöhnlich gehbehinderten „aG“, blinden „Bl“ und hilflosen Menschen „H“ reicht bereits ein Grad der Behinderung von 50 aus.

Allerdings gilt das nur in dem Umfang, wie diese Fahrten als angemessen beurteilt werden. Normalerweise müssen diese Fahrten durch die Behinderung bedingt und unvermeidbar sein (typisches Beispiel: Arztbesuch). Dies wird normalerweise bis zu einer in der Steuererklärung angegeben Höhe bis zu 3.000 km vom Finanzamt nicht infrage gestellt. Bei den Merkzeichen„aG“, „Bl“oder „H“ ist der Fiskus etwa großzügiger und hat keine Probleme mit Freizeit-, Erholungs- und Besuchsfahrten. Die Obergrenze liegt gewöhnlich bei 15.000 km.

 

Fazit: Insbesondere behinderte Menschen sollten sich jedoch hinsichtlich der Fahrtkosten in ihrer Steuererklärung im jeweiligen Einzelfall beraten lassen etwa durch einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfe-Verein. Auch Behindertenverbände geben nützliche Tipps. Das gilt vor allem dann, wenn das Finanzamt die geltend gemachten Fahrtkosten nicht im Steuerbescheid anerkennt. Dann kommt zumindest ein Einspruch in Betracht. Vor Erhebung einer Klage beim Finanzgericht sollte man sich wegen des Kostenrisikos beraten lassen.

 

Autor: Harald Büring (Juraforum-Redaktion)


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