Was verdient ein Bischof in Deutschland?

Autor: , verfasst am 29.05.2015, 06:22| 3 Kommentare

Seit dem Skandal um den prunksüchtigen und verschwenderischen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Eltz herrscht der Eindruck, dass Kirchenmänner unendlich viel Geld verdienen. Sie scheinen sich frei aus dem Kircheneigentum bedienen zu können, und leben so in pompösem Luxus, wie es seinerzeit den Päpsten vorbehalten gewesen ist. Doch ist dies wirklich so? Ist ein Job in der katholischen Kirche als Bischof oder in der evangelischen Kirche als Landesbischof gleichbedeutend mit einem luxuriösen Leben? Was verdient ein Bischof in Deutschland?

Bischhof (© ©Bernd Kröger-Fotolia.com)
Bischhof
(© ©Bernd Kröger-Fotolia.com)

Wer zahlt einem Bischof das Gehalt?

Gehälter für Bischöfe und Landesbischöfe werden vom Staat bezahlt – also indirekt vom Steuerzahler. Die Finanzierung erfolgt nicht etwa durch die Kirchensteuer: das benötigte Geld wird aus der Staatskasse genommen, so dass jeder Bürger, unabhängig davon, ob er Mitglied in einer Konfession ist oder nicht, für die Gehälter aufkommt. Der Ursprung dieser Zahlungsmodalitäten stammt bereits aus der Zeit Napoleons: damals wurde der sogenannte Reichsdeputationshauptschluss beschlossen, gemäß welchem deutschen Fürsten links des Rheins eine Entschädigung für Gebietsabtretungen an den französischen Kaiser aus dem Kirchensäckel erhielten. Um wiederum diese Enteignungen zu entschädigen, zahlt der Staat seit dieser Zeit die Gehälter für Kirchendiener. Und nicht nur das: auch die Weihbischöfe, Kanoniker, Domkapitulare, Oberkirchenräte etc. werden von den Bundesländern bezahlt, ebenso das kirchliche Equipment für die Dommessen, wie beispielsweise den Weihrauch. So kommt eine jährliche Summe von nahezu 500 Millionen Euro zusammen, welche seitens des Staates aufgebracht werden muss, um die Kirchendiener zu versorgen. Wenn man bedenkt, dass zugleich alleine die katholische Kirche mehr als die Hälfte dieser Summe als Vermögen angehäuft hat, stellt sich die Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, diese über 200 Jahre alten Regelungen zu novellieren und die Kirchen dazu aufzufordern, für ihre Angestellten selbst zu sorgen.

Ausnahmen bilden nur die Bundesländer Hamburg und Bremen: deren Bischöfe erhalten ihre Gehälter nicht aus der Staatskasse, sondern aus den Einnahmen der Kirschensteuer.

Wie wird das Gehalt eines Bischofs berechnet?

Die Bezahlung eines Bischofs erfolgt gemäß den gesetzlichen Regelungen des Bundesbesoldungsgesetzes. Eine einheitliche Besoldung erfolgt dennoch nicht, da die einzelnen Bundesländer Verträge mit den Diözesen geschlossen haben. So lässt sich also nicht allgemein sagen, wie hoch das Monatsgehalt eines Bischofs ist. Grundsätzlich liegt es aber zwischen 9.000,- € (Besoldungsstufe 7) und 12.000,- € (Besoldungsstufe 10).

Wie viel verdient ein Bischof in Deutschland?

Neben dem hohen Grundgehalt erwarten einen Erzbischof in Deutschland jede Menge anderer Vergünstigungen: Eminenzen (also Landesbischöfe und Kardinäle) wohnen mietfrei. Zusätzlich steht ihnen eine Dienstkarosse mit Chauffeur zur Verfügung.

Nicht ganz so luxuriös haben es die normalen Bischöfe: ihnen wird eine Dienstwohnung zur Verfügung gestellt, für die sie einen Mietzins zu entrichten haben. Dieser wird allerdings recht niedrig gehalten und muss bei der Einkommensteuererklärung als geldwerter Vorteil angegeben werden. Verhungern werden diese Kirchendiener trotzdem nicht: sie müssen weder Abgaben zur Arbeitslosenversicherung noch zur Rentenversicherung leisten; auch bei der Krankenversicherung werden sie wie Beamte behandelt und erhalten 50% Rabatt. Das führt dazu, dass sie von ihrem ohnehin schon nicht gerade geringen Gehalt viel mehr übrig haben, als es bei einem normalen Arbeitnehmer der Fall ist.

Fazit: Ein Luxusdasein, wie es der Bischof zu Limburg leben wollte, ist nicht vorgesehen. Jedoch ist es Bischöfen und anderen Klerikern durchaus möglich, aufgrund ihres hohen Gehalts ein durchaus angenehmes Leben zu führen. Ob dies im Sinne des Steuerzahlers ist, steht hierbei nicht zur Diskussion. Eine Änderung dieser Zustände wäre nur per Gesetz möglich – und ob es irgendjemand wagen würde, einen derart drastischen Eingriff vorzunehmen, ist fraglich. Möglicherweise wird der aktuelle Papst Franziskus, der für seine Bescheidenheit bekannt ist, einen Weg finden, um die überdimensional hohen Gehälter der Kleriker auf ein angemessenes Maß zu reduzieren.

Schlagwörter: Verdienst Bischhof, Gehalt Bischhof


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (3)

Karl-Heinz Deschner  (22.12.2016 13:01 Uhr):
Bischöfe als Führungskraft? Sollen diese kirchlichen Autoritäten etwa mit umsatzorientierten Wirtschaftsmanagern verglichen werden? Kirche sollte ursprünglich christliche Ideale und Werte pflegen, vertreten und leben. Wofür brauchen Kirchenherren als Singles - ohne Kinder - monatlich 12.000,- zuzüglich freies Wohnen oftmals in Luxusresidenzen mit Luxusauto incl. Chauffeur? Hier besteht ein Missverhältnis, das gerne unter den Teppich gekehrt wird bzw. verharmlosend schön geredet wird. Will sich seine Durchlaucht - der Herr Bischof - finanziell von einfachen Mitarbeitern abheben oder abgrenzen? Was für eine Verirrung oder Verhöhnung urchristlicher Gesinnung. Eine solche Kirche brauche ich nicht und will ich definitiv nicht.
chg  (07.11.2016 23:15 Uhr):
Manchmal fragt man sich ja schon, wer solche Artikel schreibt. Wurde hier schlecht recherchiert oder werden bewusst Unwahrheiten verbreitet? Richtig im Artikel ist: Im Reichsdeputationshauptschluss wurden Zahlungen an die Kirchen festgesetzt, die in Jahresgehältern bemessen wurden. Rechtsgrundlage für diese Zahlungen sind (bis heute nicht entschädigte) Enteignungen der Kirchen (obwohl das GG die Bundesländer ausdrücklich auffordert, diese Entschädigungen zu zahlen und so die staatsleistungen abzulösen). Aber: Dies gilt jedoch keineswegs für alle Diözesen/Bistümer bzw. Landeskirchen, sondern vorwiegend für die (das kommt in dem Artikel in einem Nebensatz, der ansonsten konsequent ignoriert wird) linksrheinischen. Auch sind diese Zahlungen keine direkten Zahlungen für die Bischöfe, sondern die Personalstellen fiktive Berechnungsgrundlagen für die Zahlungen an die berechtigten Kirchen. Die Bischofsgehälter zahlen selbstverständlich die Kirchen aus ihren Einnahmen, zu denen halt neben den Kirchensteuern auch Einnahmen aus Grundvermögen und sonstigen Rechten (dazu gehören auch die Staatsleistungen) zählen. Dann wird behauptet, die Zahlungen an Bischöfe würden sich nach BesGr B7-B10 BBesO richten. Woher diese Weisheit? Die Kirchen haben eigene Besoldungsordnungen beschlossen, die zwar an Bundes- oder Landesrecht angelehnt wird, jedoch meist gegenüber diesem deutliche Abschläge vorsehen. Und schaut man dann in die Besoldungsordnungen einiger Kirchen, so stellt man fest, dass selbst nach diesen schon reduzierten kirchlichen Besoldungsordnungen eine B7 vielleicht ein Traum aber noch lange keine Realität ist. (Vor allem die Ordnungen der Kirchen und Bistümer auf dem Gebiet der ehemaligen DDR lohnen da das Lesen.) Und noch was: Wusstet ihr schon, dass jeder normale Arbeitnehmer auch 50% "Rabatt" bei der Krankenversicherung bekommt? Nennt sich dort Arbeitgeberanteil. Bei Beamten halt Beihilfe. Oder war der Verfasser selbständige Honorarkraft? Und wenn schon eine Neiddebatte angestoßen wird: Ein Bischof leitet eine Diözese oder Landeskirche, ist also eine Führungskraft über mehrere 1.000 Angestellte. Wenn ich mir ähnliche Stellen in der freien Wirtschaft anschaue: Da würde für dieses Geld keiner einen solchen Posten antreten. Selbst, wenn man den allein vom Arbeitgeber Kirche getragenen Beitrag zur Pensionskasse auf das Bruttogehalt noch aufschlägt verdient der Arbeitnehmer mit ähnlicher Verantwortung in der freien Wirtschaft immer noch deutlich mehr. Ist auch gut so. Kirchendiener müssen nicht reich sein. Aber tun wir doch bitte nicht so, als sollte eine Führungskraft wie ein einfacher Mitarbeiter bezahlt werden.
spinoza1960  (15.10.2016 08:28 Uhr):
Danke für diese sehr sorgfältig recherchierten und detailliert dargestellten aufschlussreichen Informationen, über die das "normale Kirchenmitglied" weder in der Kirchengemeinde, in den Medien oder im staatlich verordneten Religionsunterricht jemals etwas Konkretes erfahren hat. Ein guter Christ fragt ja auch nicht danach. Der heilige Geist kümmert sich ja in ausreichendem Maß um die heilige Mutter Kirche. Schon der Zweifel daran könnte Sünde sein, denn hat nicht unser Herr Jesus Christus diese Kirche genau so gestiftet, wie sie ist?





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