Entschädigung bei einer Urlaubsverspätung

Autor: , verfasst am 19.05.2014, 09:59| Jetzt kommentieren

Viele Deutsche sind gerade wieder voll in der Planung des nächsten Sommerurlaubs. Leider muss man immer wieder damit rechnen, dass der nächste Flug nicht wie geplant abhebt, das Hotel nicht das hält, was es verspricht oder sonstige Komplikationen auftreten. Hier bestehen für Reisende mehr Rechte als mancher glaubt. Nachfolgend sollen Rechte des Reisenden bei verspäteten Koffern, verspäteten Fliegern aufgezeigt werden.

Flügverspätung (© Peter Atkins - Fotolia.com)
Flügverspätung
(© Peter Atkins - Fotolia.com)

Welche Rechte hat eine Person, wenn der Koffer zu spät ankommt?

Dieses Problem ist gerade bei Interkontinentalflügen nicht selten: Für den Zielflughafen muss man das Flugzeug wechseln und die Koffer werden nicht rechtzeitig weitergeleitet. Bei Ankunft steht man ohne Koffer und somit auch ohne Wechselkleidung und Hygieneartikel da. Fraglich ist, ob in dieser Situation ein Schadensersatzanspruch dem Passagier zusteht.

Die Antwort vorweg: Grundsätzlich ja. Muss sich der Reisende aufgrund verspäteter Koffer neu einkleiden, muss zumindest eine angemessene Grundausstattung von der Airline erstattet werden. So entschied kürzlich das Amtsgericht Frankfurt (Az.: 29 C 2518/12). In diesem Fall mussten zwei Reisende aufgrund eines Flughafenstreiks eine Ersatzmaschine nehmen und letztlich zwei beziehungsweise fünf Tage auf ihre Koffer warten. Ersatzanschaffungen in Höhe von gut 850 Euro waren von der Airline zu erstatten. Dies gilt zumindest für Schuhe, Unterwäsche und Oberbekleidung sowie, wenn es sich um einen Badeurlaub handelt, auch für Badekleidung.

Verspätungen von Bahn und Flugzeug – Ersatzansprüche?

Gerade bei Kurztrips fällt eine mehrstündige Verspätung des Reisemittels besonders ins Gewicht. Sowohl bei der Deutschen Bahn als auch von den Airlines bestehen Ansprüche auf Entschädigungszahlungen bei Verspätung.

Nach europäischem Recht sind die Zugunternehmen seit 2009 den Fahrgästen gegenüber verpflichtet, bei mindestens 60-minütiger Verspätung 25 % des Ticketpreises zu erstatten, bei mindestens 120 minütiger Verspätung sind es sogar 50 %. Interessant hierbei: Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (Az.: C-509/11) besteht diese Entschädigungspflicht auch bei höherer Gewalt. Auch für Verspätungen wegen umgestürzter Bäume und anderen Unwetterauswirkungen haben Reisende also einen Anspruch auf Entschädigung. Im Einzelfall werden vom Zugunternehmen sogar Taxikosten bis zu 80 Euro erstattet, wenn der Reisende unbedingt terminlich hierauf ausweichen musste.

Zumindest bislang gilt für alle Airlines in den Mitgliedstaaten der EU die Regelung der zwei bzw. 3 Stunden Verspätung. Ab zwei Stunden Verspätung müssen den Fluggästen Verpflegung und Telekommunikation zur Verfügung gestellt werden. Ab drei Stunden gibt es dann sogar eine Geldentschädigung, die bei 250 Euro anfängt und je nach Dauer der Verspätung auf bis zu 600 Euro hochgehen kann. Zwar weigern sich die Fluglinien oft, die Entschädigung zu zahlen, dies ist im Zweifel aber gerichtlich einklagbar. Zumindest, wenn es sich nicht um eine Verspätung aufgrund von höherer Gewalt handelt. Die EU-Mitgliedstaaten planen jedoch eine Änderung der bisherigen Regelung. In Zukunft sollen erst nach mindestens neun Stunden Verspätung Entschädigungen gezahlt werden müssen. Dieser Ansatz wurde jedoch bislang nicht umgesetzt.

Schlagwörter: Entschädigung Flugverspätung, Entschädigung Bahnverspätung, Urlaubsverspätung, Verspätung Koffer


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