Wer haftet eigentlich für fehlerhafte Produkte? Ein Überblick über das Produkthaftungsgesetz.

Autor: , verfasst am 03.11.2014, 09:19| Jetzt kommentieren

Nicht selten kommt es zu Schäden oder Verletzungen aufgrund fehlerhafter Produkte. Meist lässt sich dies auf ein Fehlverhalten des Herstellers zurückführen. Hier erhalten Sie einen kurzen Überblick über das Produkthaftungsrecht und welche Möglichkeiten bestehen, den Produzenten auf Schadensersatz in Anspruch zu nehmen.

Haftung (© Wilm Ihlenfeld - Fotolia.com)
Haftung
(© Wilm Ihlenfeld - Fotolia.com)

Ist ein Produkt fehlerhaft und werden dadurch Rechte und Rechtsgüter wie Eigentum, Leib oder Leben eines anderen beeinträchtigt, kann dies zu einem Haftungsfall für den Hersteller des Produktes werden. Für diesen Spezialfall existiert daher seit 1990 das Produkthaftungsgesetz (ProdHaftG), welches dem Geschädigten eine verbesserte Möglichkeit bietet, direkt vom Produkthersteller Schadensersatz zu verlangen.

Fehlerhaftes Produkt

Dabei muss es sich bei dem Produkt um einen Gegenstand handeln, der vom Hersteller in den Verkehr gebracht wurde. Damit man von einem „fehlerhaften“ Produkt sprechen kann, muss dieses bereits im Zeitpunkt des Inverkehrbringens derart beschaffen gewesen sein, dass es nicht das nötige Maß an Sicherheit geboten hat. Dabei kommt es vor allem auf die Art und Weise der vorgesehen Verwendung des Produktes an. Ebenso ist auch Elektrizität vom Produkthaftungsgesetz umfasst, sodass ein fehlerhaftes Produkt auch dann vorliegt, wenn zum Beispiel Strom mit zu hoher Spannung ins Stromnetz eingespeist wird. Dadurch verursachte Schäden sind dann nach Produkthaftungsrecht ersatzfähig.

Wer für die Schäden haftet

Grundsätzlich haftet der Hersteller des fehlerhaften Produktes auch für die dadurch entstandenen Schäden. Da es aber gerade im Zeitalter der Globalisierung schwierig sein kann, diesen ausfindig zu machen, kann der Anspruch ausnahmsweise auch gegen den Importeuer des Produktes oder aber sogar gegen den Lieferanten gerichtet werden. Durch diese Regelung stellt das Gesetz einen effektiven Schutz der Verbraucher dar.

Welche Schäden ersetzt werden

Ersetzt werden die Schäden, die an den Schutzgütern des Gesetzes entstehen. Das sind nach § 1 Abs. 1 ProdHaftG zum einen Leben, Körper und Gesundheit sowie andere Sachen als das fehlerhafte Produkt selbst, wenn diese Sache zum privaten Gebrauch bestimmt ist und dafür auch im Zeitpunkt der Schädigung verwendet wird. Ist daher zum Beispiel ein Auto fehlerhaft in Verkehr gebracht worden und kommt es infolgedessen zu einem Unfall, so haftet der Produzent für die dadurch entstandenen Körperverletzungsschäden der Insassen sowie auch für zerstörtes mitgeführtes Gepäck. Für letzteres gilt jedoch, dass Schäden bis 500 Euro selbst zu tragen sind. Für die Körperschäden hingegen kann neben dem Ersatz der Behandlungskosten und des Verdienstausfalles auch ein angemessenes Schmerzensgeld verlangt werden sowie der Ersatz der Kosten, die für einen erhöhten Bedarf in Folge des Unfalls entstehen. Jedoch gilt für Körperschäden ein Haftungshöchstbetrag  von 85 Millionen Euro.

Das Produkthaftungsgesetz ergänzt so das allgemeine Produkthaftungsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches, das vor allem durch eine jahrzehntelange Rechtsprechung geprägt wurde. Demnach stehen dem Geschädigten oftmals auch noch andere Ansprüche zu, beispielsweise gegen den Verkäufer des fehlerhaften Produktes, wenn diesen ein Verschulden trifft. Daher lohnt es sich im Falle eines Schadens zeitnah Kontakt zu einem spezialisierten Rechtsanwalt aufzunehmen, der die Sachlage kompetent beurteilen kann und alle in Frage kommenden Ansprüche für Sie geltend machen wird.

Schlagwörter: fehlerhafte Produkte


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