Was muss ich beim Pferdekauf beachten? Rückgaberecht vorhanden?

Autor: , verfasst am 10.07.2017, 11:12| Jetzt kommentieren

Den Traum vom eigenen Pferd möchten sich viele erfüllen. Wer vielleicht schon viele Jahre lang im Reitverein aktiv ist, eine Reitbeteiligung besitzt oder sich um ein Pflegepferd kümmert, möchte irgendwann gerne ein eigenes Pferd besitzen, mit dem er Ausritte genießen oder vielleicht sogar an Turnieren teilnehmen kann. Der Pferdekauf will aber gut überlegt sein, allein schon aus wirtschaftlichen Gründen. Worauf man achten sollte und welche rechtlichen Aspekte es auch hinsichtlich einer eventuellen Rückgabe gibt, soll im Folgenden erklärt werden.

Vertragsmuster (© the_builder - Fotolia)
Vertragsmuster
(© the_builder - Fotolia)

Kann ich mir ein eigenes Pferd leisten?

Ein Pflegepferd zu besitzen ist schön: Man kann es reiten und striegeln, den Stall ausmisten und sich um es kümmern, wann immer man möchte. Dabei bekommt man jedoch oft gar nicht mit, mit welchen Kosten ein solch edles Tier verbunden ist. Besitzt man ein eigenes Pferd, sieht dies schon ganz anders aus. Denn neben der eigentlichen Anschaffung, kommen nicht zu unterschätzende Unterhaltskosten auf einen Pferdebesitzer zu. Hier sollte man sich selbst ehrlich gegenüber die Frage beantworten, ob man sich ein Pferd tatsächlich leisten kann. Die Kosten für ein Pferd beginnen bei der Ausrüstung, einer eventuellen Stallmiete und dem Futter und hören bei Hufschmied, Sattler, Tierarzt und Zahnarzt noch immer nicht auf. Der Hufschmied ist etwa alle 6 bis 8 Wochen zu bezahlen, der Sattler sollte mindestens einmal jährlich vorbeischauen und die Stallmiete fällt monatlich an.

Tipp: Eine Kostenaufstellung erstellen mit den Ausgaben, deren ungefähre Höhe und den Regelmäßigkeiten der Zahlung. Ist hierfür ausreichend Budget vorhanden, um die Ausgaben regelmäßig stemmen zu können? Und was, wenn das Tier überraschend krank wird oder sich verletzt? Verfügt man über Geldreserven, damit auch unvorhergesehen Ausgaben kein Problem sind?

Das Pferd sollte zu den eigenen Bedürfnissen passen

Ob auf dem Pferdemarkt oder über die Annonce in der Reiterzeitschrift, Angebote für Pferde findet man viele. Doch nur weil einem ein Pferd optisch gefällt, muss es noch lange nicht die richtige Wahl für einen selbst sein. Hier sollte man sich selbst zunächst überlegen, was man von dem eigenen Reitverhalten und damit auch von dem Pferd erwartet. Möchte man einfach nur ein wenig gemütlich durchs Gelände reiten? Strebt man eine Springkarriere an? Möchte man klassische Dressur reiten? Oder ist man ein Fan von anspruchsvollen Wanderritten? Vom Friesen bis zum Isländer lässt sich für jeden Anspruch die passende Pferderasse finden. Daher sollte man wissen, was man will. Letztlich tut man auch dem Pferd einen Gefallen, wenn es seiner Natur entsprechend gefordert wird.

Tipp: Steht man selbst noch recht am Anfang der eigenen Reiterkarriere, sollte man sich vor allem nach einem erfahrenen und gut ausgebildeten Pferd umsehen. Mit einem Jungpferd, das selbst noch einiges zu lernen hat, wird man als Anfänger meist nicht glücklich werden und fühlt sich schnell überfordert.

In jedem Fall sollte man über ausreichend Pferdeerfahrung verfügen, um eine artgerechte Haltung zu ermöglichen und das Tier entsprechend betreuen zu können. Neben dem Kostenfaktor ist daher auch der Zeitaufwand zu berücksichtigen.

Sich intensiv mit all diesen Fragen auseinanderzusetzen soll nicht vor dem Pferdekauf abschrecken, sondern eine realistische Einschätzung der Situation liefern. Weder Mensch noch Tier werden glücklich, wenn das Pferd nach einigen Monaten wieder weiterverkauft werden muss, weil man den Kosten oder dem Aufwand doch nicht gewachsen ist.

Unterstützung vom Profi

Gerade, wer zum ersten Mal selbst ein Pferd kaufen möchte, sollte sich, wenn möglich, professionelle Unterstützung holen. Vielleicht findet sich im Reitverein ein erfahrener Pferdekäufer oder -verkäufer, der bei der Kaufentscheidung behilflich sein kann. Auch den Reitlehrer kann man um seine Meinung fragen. Sehr wichtig ist es auch, sich vorab über den Gesundheitszustand des Tieres zu informieren. Gibt es eventuell Vorerkrankungen? Leidet das Pferd vielleicht an chronischen Krankheiten? Auch als großer Pferdeliebhaber ist es für medizinische Laien nur schwer möglich, alle Aspekte bei der Kaufentscheidung zu berücksichtigen. Um hier auf Nummer sicher zu gehen, sollte daher ein zuverlässiger Tierarzt hinzugezogen werden, der eine Überprüfung des allgemeinen Gesundheitszustands des Tiers vornimmt, von der Messung der Temperatur bis zum Abhören von Lunge und Herz.

Tipp: Es ist Sache zwischen Käufer und Verkäufer sich darüber zu einigen, wer die Kosten für die Ankaufsuntersuchung trägt. Auch eine Kostenteilung ist möglich. Ebenso wie die Variante, dass der Käufer zahlt, wenn das Tier gesund ist und der Verkäufer, wenn sich gesundheitliche Mängel herausstellen.

Wo sollte man das Pferd kaufen?

Kaufinteressenten bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, vom Privatverkäufer über den Züchter bis zum Pferdehändler. Dabei gilt: Das eine ist nicht schlechter als das andere. Wichtig ist es, Termine vor Ort auszumachen und persönlich vorstellig zu werden. Vor schwarzen Schafen ist niemand gefeit, daher gilt es, sich ein ausführliches Bild über das Pferd und auch über den Anbieter zu machen.

Tipp: Handelt es sich um einen professionellen Händler oder Züchter, sollte das Internet bemüht werden, um mehr über den Anbieter in Erfahrung zu bringen. Gibt es Feedback von anderen Käufern? Fühlten diese sich gut beraten? Gab es Probleme während oder nach dem Kauf?

Vom Pferdekauf per Handschlag ist abzuraten

Gerade im Norden Deutschlands werden Pferde gerne per Handschlag verkauft. Wer privat ein Pferd kaufen will, sollte jedoch auf einen schriftlichen Kaufvertrag bestehen. Andernfalls kann es im Gewährleistungsfall schwere Beweisprobleme nach sich ziehen. Sich einfach einen Vertragsvordruck aus dem Netz zu holen ist jedoch wenig ratsam. Oft besitzen solche vorgefertigten Verträge unwirksame Klauseln.

Tipp: Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, muss der Kaufvertrag rechtlich geprüft werden. Passende Anlaufstellen sind Rechtsanwälte und Verbraucherschutzverbände.

Der Käufer sollte auf eine Ankaufsuntersuchung des Tieres bestehen. Die Untersuchungsergebnisse werden mit in den Kaufvertrag aufgenommen. Sollte sich später herausstellen, dass hier Fehler vorlagen, kann die Schadensersatzansprüche gegen den Verkäufer oder den Tierarzt nach sich ziehen.

Wie sieht es mit der Gewährleistung aus?

Kauft man ein Pferd von einer Privatperson, kann der Verkäufer die Haftung für Mängel durchaus ausschließen. Als Käufer sollte man hier besondere Vorsicht walten lassen. Sicherer ist man da schon beim Kauf von einem gewerblichen Händler. Dieser haftet für ein „gebrauchtes“ Pferd immerhin ein Jahr lang. Sollte man sich für den Kauf eines Fohlens entscheiden, beträgt die Gewährleistungsfrist sogar 2 Jahre, da die Rechtsprechung des BGH es als „neue Sache“ ansieht.

Hat man das Pferd übernommen und es stellen sich im Nachhinein Mängel heraus, kommt die Frage der Beweislast auf. Bei gesundheitlichen Mängeln ist es immer wichtig, hier eine Ankaufsuntersuchung vorlegen zu können. In anderen Fällen kommen die allgemeinen Beweisregelungen zum Tragen. Das heißt, in der Beweispflicht ist derjenige, der einen Anspruch durchsetzen will. Will also der Käufer Schadensersatz oder die Rückzahlung des Kaufpreises, obliegt es ihm, seinen Anspruch auch zu beweisen.

Wichtig: Kauft man als Privatkäufer von einem gewerblichen Händler, gilt dies als Verbrauchsgüterkauf. Es tritt eine Beweislastumkehr ein. Tritt er Mangel innerhalb von 6 Monaten nach Übernahme des Pferdes auf, wird vermutet, dass der Mangel bereits von Anfang an, also auch schon bei der Übernahme, vorgelegen hat. Es ist dann Sache des Verkäufers zu beweisen, dass dem nicht so ist und der Mangel erst später, beispielsweise durch ein Fehlverhalten des Käufers, eingetreten ist.

Stellt man als Käufer einen Mangel fest, muss der Verkäufer hierüber informiert werden. Er muss die Möglichkeit haben, den Mangel zu beseitigen. Etwa, indem er eine Tierarztbehandlung bezahlt. Tut er dies nicht, kann der Käufer das Tier zurückgeben bzw. eine Minderung des Kaufpreises erzielen, wenn er das Pferd behält.


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