Dem Nachbarn unter die Arme greifen – aber bitte mit Vorsicht!

Autor: , verfasst am 10.06.2014, 08:53| Jetzt kommentieren

Ob über das Wochenende die Katze füttern, während einer Reise die Blumen gießen oder regelmäßig die Post aus dem Briefkasten holen. Dies sind unter Nachbarn selbstverständliche Freundschaftsdienste. Auch hilft man sich untereinander manchmal im handwerklichen Bereich. Wie sieht es eigentlich mit der Haftung aus, sollte etwas beim Freundschaftsdienst schief gehen?

Nachbarn (© Fotomek - Fotolia.com)
Nachbarn
(© Fotomek - Fotolia.com)

Haftet der unentgeltliche Helfer für eigene Unachtsamkeiten, die zu einem Schaden führen?

Diese Frage wird besonders relevant, wenn es um Tätigkeiten geht, die ein gewisses Gefahrenpotential mit sich bringen, wie beispielsweise Elektrizität. Zur Klärung dieses Problems ist das Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) aus Koblenz, welches sich mit eben dieser Materie zu beschäftigen hatte (Az.: 5 U 311/12) interessant.

Was war vorgefallen?

In dem Rechtsstreit geht es um den Unfall des Klägers, der einen Stromschlag erlitt nachdem er an das stromführende metallene Gehäuse einer Außenlampe gestoßen war, die  zuvor von einem Nachbarn montiert worden war.

Der hilfsbereite Mann hatte auf Bitten seiner Nachbarin an der Außenfassade ihres Hauses eine Lampe angebracht. Hierbei durchtrennte er versehentlich mit einem Nagel den Schutzleiter der Lampe. Dadurch stand das Gehäuse der Lampe unter Strom, was zunächst jedoch nicht auffiel. Bereits im September 2009 stieß ein Fassadenarbeiter, bei Arbeiten auf einem Metallgerüst an die Lampe und erlitt einen Hirnschaden. Dies führte zu einer vollständigen Behinderung und bedeutet für den Verunfallten eine durchgehende Pflegebedürftigkeit.

Vor Gericht verlangte der Mann sodann Schadensersatz und Schmerzensgeld in Höhe von 600.000 Euro sowie eine lebenslange monatliche Schmerzensgeldrente. Beklagte waren in dem Verfahren zum einen der Hauseigentümer und zum anderen der Monteur der Lampe.

Zu seiner Verteidigung trug der Monteur, welcher nach eigenen Angaben seit 40 Jahren im Elektrohandwerk tätig war, vor, die Lampe ordnungsgemäß angeschlossen und die elektrische Verdrahtung mit einem Messgerät geprüft zu haben. Hierbei sei ihm kein Defekt am Schutzleiter aufgefallen. Insbesondere behauptet er, dass der Nagel müsse bereits früher in die Wand geschlagen worden sein muss.

Widersprüchliche Entscheidungen des LG und des OLG

Das Landgericht hatte die Klage zunächst abgewiesen und war der Ansicht, der beklagte Nachbar habe die Verdrahtung der Lampe sachgemäß vorgenommen. Dies ergab u.a. ein TÜV-Gutachten, welches für einen Strafprozess gegen den Beklagten angefertigt wurde.

Hier kamen die Richter des Oberlandesgerichts Koblenz jedoch zu einem anderen Ergebnis. Laut Urteilsbegründung schuldet der Nachbar dem Verunfallten Schadensersatz wegen Schlechterfüllung. Zwar war die Montage der neuen Lampe eine Gefälligkeit eines hilfsbereiten Nachbarn, dies bedeutet jedoch nicht, dass der Mann nicht für Versäumnisse und Fehler haftet. Den Vortrag, der Nagel müsse bereits in der Wand gesteckt haben, konnte er nach Ansicht der Richter nicht hinreichend belegen. Jedenfalls hätte die alte Lampe bereits mit Strom geladen sein müssen, wenn der Nagel bereits früher den Schutzleiter beschädigt hätte.

Wie dieser fatale Unfall zeigt, kommt es nicht darauf an, ob es sich „nur“ um „eine Gefälligkeit unter Nachbarn“ handelt oder um einen extra beauftragten Fachinstallateur. Geht es um gefährliche Handwerkstätigkeiten, wie solche am Stromnetz, muss der Monteur größte Sorgfalt an den Tag legen, um niemand anderes zu gefährden und sich nicht schadensersatzpflichtig zu machen.

Schlagwörter: Gefälligkeitsverhältnis, Nachbarschaftshilfe, Nachbarn, Freundschaftsdienst, unentgeltliche Helfer


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