Wespennest selbst entfernen: ist das erlaubt oder verboten?

Autor: , verfasst am 08.05.2017, 08:56| Jetzt kommentieren

Das Entfernen eines Wespennestes ist nur unter engen Voraussetzungen erlaubt. Wann dass der Fall ist, erfahren Sie in diesem Ratgeber. Dieser enthält auch einen Tipp für Mieter.

Wespennest (© skatzenberger - Fotolia.com)
Wespennest
(© skatzenberger - Fotolia.com)

Das eigenmächtige Entfernen von einem Wespennest ist nicht nur gefährlich. Sie müssen auch mit einem hohen Bußgeld rechnen. Dies ergibt sich daraus, dass die Beeinträchtigung oder Zerstörung von Lebensstätten wildlebender Tiere normalerweise verboten ist. Anders sieht die Situation nur dann aus, wenn es dafür einen „vernünftigen Grund“ gibt. Dies ergibt sich aus § 39 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG. Wer gegen diese Norm verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen. Dies ergibt sich aus § 69 Abs. 3 Ziff. 9 BNatSchG.

Wespennest: vernünftiger Grund zur Entfernung erforderlich

Da sich aus dem Gesetz nicht näher definiert was unter einem „vernünftigen Grund“ zu verstehen ist und es dazu auch keine einschlägige Rechtsprechung gibt, sollten Sie sich besser mit der zuständigen Behörde in Verbindung setzen. Das ist normalerweise die untere Naturschutzbehörde, die sich beim zuständigen Landkreis bzw. der jeweiligen kreisfreien Stadt befindet. Dort können Sie erfahren, ob bei Ihnen ein vernünftiger Grund vorliegt. Dieser ist dann gegeben, wenn von dem Wespennest eine Gefahr für Menschen ausgeht. Ob eine solche Gefahr besteht, hängt von den Umständen des jeweiligen Einzelfalles ab. Dafür kann beispielsweise sprechen, wenn sich das Nest in der Nähe vom Balkon der Wohnung oder am Hauseigang befindet.

Sofern Sie sich auf einen vernünftigen Grund berufen können, sollten Sie das Wespennest durch eine Schädlingsbekämpfungsfirma entfernen lassen. Dies geschieht normalerweise auf eigene Kosten. Darüber hinaus können Sie sich auch bei der örtlichen Feuerwehr erkundigen. Dies sollte über die normale Rufnummer und nicht die Notfallnummer 112 geschehen. Wer schonender vorgehen möchte, kann sich auch mit einer Umweltschutzorganisation wie dem BUND in Verbindung setzen und eine Umsiedlung des Wespennestes vornehmen lassen.

Genehmigung bei Hummeln, Hornissen und Wildbienen notwendig

Insbesondere bei Hummeln, Hornissen und Wildbienen benötigen Sie zum Umsiedeln des Nestes eine Genehmigung, die durch die untere Naturschutzbehörde erteilt wird. Dies ergibt sich aus § 67 BNatSchG. Darüber hinaus muss die Umsiedlung durch eine besonders ausgebildete Fachkraft erfolgen. Wer hiergegen verstößt, muss mit einem hohen Bußgeld rechnen.

Tipp für Mieter
Als Mieter können Sie sich bei einem Wespennest auch an Ihren Vermieter wenden. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Amtsgerichtes Würzburg vom 19.02.2014 – 13 C 2751/13. In diesem Fall hatten sich etwa 1000 Wespen auf dem Balkon einer Mietwohnung in einem Rollladenkasten eingenistet. Das Gericht begründete das damit, dass von diesem Schwarm eine Gefahr für die Mieter ausging. Hierbei ging es um ein Paar mit einem kleinen Kind. Die Frau litt unter einer Allergie gegen Wespen. Hiergegen sprach hier aufgrund der Eilbedürftigkeit nicht, dass der Mieter ohne Absprache mit dem Vermieter die Feuerwehr mit dem Entfernen des Nestes beauftragt hatte. Ebenso hatte auch das Amtsgericht Meppen mit Urteil vom 11.03.2003 – 8 C 92/03 entschieden. Gleichwohl sollten Sie sich normalerweise erst an Ihren Vermieter wenden und ihm für die Entfernung eine Frist setzen.

Fazit:

Sie brauchen also ein Wespennest nicht einfach hinzunehmen, wenn es sich in Ihrer unmittelbaren Umgebung befindet und sich bedroht fühlen. Dies gilt in besonderem Maße dann, wenn Sie Allergiker sind. Allerdings sollten Sie nicht auf eigene Faust handeln, zumal die Entfernung eines Wespennestes für Laien lebensgefährlich sein kann.


(Harald Büring)

 

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