Ist ein Fangnetz für Katzen auf dem Balkon als Mieter erlaubt?

Autor: , verfasst am 11.02.2015, 07:43| 2 Kommentare

Die meisten Katzen haben einen natürlichen Freiheitsdrang und möchten deswegen gerne Freilauf haben. Dies ist in Stadtgebieten nicht immer möglich, insbesondere dann nicht, wenn sich die betreffende Wohnung in einem höhergelegenen Stockwerk befindet. Doch so ganz auf eine Katzenhaltung verzichten möchte man als tierlieber Mensch vielleicht auch nicht. Was also tun? Manch ein Katzenhalter kommt nun auf die Idee, seine Katze auf den Balkon zu lassen, damit sie wenigstens frische Luft schnappen kann. In den meisten Fällen genügt ihr dies aber nicht: sie lauert auf einen Vogel oder versucht, einen vorbeifliegenden Schmetterling zu erhaschen. Schnell kann es dabei passieren, dass die Katze das Gleichgewicht verliert und vom Balkon fällt – schwere Verletzungen sind bei metertiefen Stürzen leider oft nicht zu vermeiden. Um dies zu verhindern, bringen verantwortungsbewusste Tierhalter ein Fangnetz an ihrem Balkon an. Dabei handelt es sich um ein Netz, welches mithilfe von Stangen am eigenen Balkon montiert wird und bis zum drüber Liegenden reicht. Die Katze ist geschützt und kann sich dennoch im Freien befinden. Allerdings stellt sich die Frage, ob das Anbringen von einem Fangnetz für Katzen auf dem Balkon als Mieter erlaubt ist.

Katzennetz (© pixelpicnic - Fotolia)
Katzennetz
(© pixelpicnic - Fotolia)

Grundsätzlich ist es so, dass für jede Veränderung an der Mietsache die Zustimmung seitens des Vermieters notwendig ist. Da das Anbringen eines Katzennetzes eine solche Veränderung darstellt, ist es ratsam, zuerst den Vermieter um Erlaubnis zu fragen, bevor ein solches Sicherungsnetz angebracht wird. Dies gilt insbesondere in jenen Fällen, in denen die Zustimmungspflicht im Mietvertrag ausdrücklich geregelt wird. Wenn ein Mieter seinen Balkon mit einem Netz versieht, ohne dass sein Vermieter dies gestattet hat, so kann er dazu verpflichtet werden, es wieder zu entfernen [AG Neukölln, 12.04.2012, 10 C 456/11]. Begründet wird dies damit, dass das Montieren eines Fangnetzes als ein vertragswidriger Gebrauch der Mietsache angesehen wird, so das Amtsgericht Wiesbaden [AG Wiesbaden, 17.12.1999, 93 C 3460/99-25]. Da der betreffende Mieter weder die erforderliche Erlaubnis eingeholt hatte und zudem noch die Optik des Hauses durch das Schutznetz gestört worden war, musste er das Netz wieder entfernen.

Es ist jedoch zu beachten, dass zwingende Gründe vorliegen müssen, die eine Verweigerung der Zustimmung zu einem Fangnetz begründen würden. Diese sind beispielsweise gegeben, wenn das Netz zu starken optischen Beeinträchtigungen führt, was in der Regel aber nicht der Fall ist, da derartige Netze von außen nahezu unsichtbar sind und sich fast nahtlos an das Gesamtgefüge anpassen. Manchmal bemerken nicht einmal Gartenvögel das Vorhandensein eines solchen Netzes und fliegen versehentlich hinein. Es gibt jedoch Gebäude, in denen ein Katzennetz durchaus die Optik stören würde, beispielsweise hochmoderne, abstrakt gebaute, weiße Appartementhäuser, die eher an Hotels erinnern als an Wohngebäude. Diese sind jedoch sehr selten.

Auch kann eine Zustimmung verweigert werden, wenn beim Anbringen in die Substanz der Mietsache eingegriffen werden müsste. Doch auch dies ist in der Praxis nahezu ausgeschlossen, da die Stangen, welche das Katzennetz halten, meistens nur mit der Balkonbrüstung verschraubt werden und sich somit ganz einfach wieder entfernen lassen. Wenn also weder die Substanz der Mietsache angegriffen wird noch eine optische Verschandelung des Gebäudes entsteht, ist ein Vermieter dazu verpflichtet, seinem Mieter das Anbringen eines Katzennetzes zu gestatten [AG Köln, 03.12.2001, 222 C 227/01].

Bewohner von Wohnungen, die zu einer Eigentümergemeinschaft gehören, müssen beim Anbringen eines Katzennetzes Rücksicht auf die Wünsche der anderen Eigentümer nehmen. Wenn sich diese mehrheitlich durch den Anblick des vernetzten Balkons gestört fühlen, so hat er das Fangnetz wieder zu entfernen [OLG Zweibrücken, 09.03.1988, 3 W 44/98]. Dabei ist es nicht von Bedeutung, ob das betreffende Netz in dunklen Farben gehalten ist oder nicht. Dieselben Bestimmungen gelten für Mieter, die eine Wohnung innerhalb einer Eigentümergemeinschaft angemietet haben: auch sie haben sich dem Mehrheitsbeschluss der Eigentümer zu beugen.

Schlagwörter: Fangnetz Balkon, Katzennetze


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (2)

Katzennetz.info  (07.09.2016 14:06 Uhr):
Finde das ist mal ein sehr guter Artikel, der alle rechtlichen Aspekte enthält und auf das Wesentliche eingeht!
2much  (11.02.2015 14:59 Uhr):
Was ist denn, wenn der Nachbar hässlich ist und das Haus verschandelt? Sorry, aber so was Dämliches ist kaum nachzuvollziehen. Ein Katzennetz stört IMHO weder die Optik noch verschandelt es das Gebäude.





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