Bestellerprinzip als Makler leicht erklärt

Autor: , verfasst am 09.01.2017, 09:33| Jetzt kommentieren

War in früheren Tagen immer der Mieter derjenige, der die Maklercourtage zu tragen hatte, gilt seit der Mietrechtsnovellierung 2015 das Bestellerprinzip. Das bedeutet, dass bei einer Wohnungsvermittlung die Maklerprovision von demjenigen gezahlt werden muss, der die Dienstleistung des Maklers bestellt hat. Im Klartext heißt das: der Vermieter kann die Maklercourtage nicht einfach auf den Mieter abwälzen, wenn er derjenige ist, der den Makler beauftragt hat. Diese neue Regelung betrifft allerdings nur die Vermietung von Wohnimmobilien und nicht, wie oft falsch angenommen, die Vermietung und Verpachtung von Gewerbeflächen oder den Verkauf einer Immobilie. Das neue Bestellerprinzip ergänzt den Paragraf 652 BGB dahingehend, dass eine Abwälzung einer Provision vom Vermieter auf den Mieter verhindert werden soll. Dass das neue Bestellerprinzip bei der Vermittlung von Mietverhältnissen verfassungsgemäß ist, bestätigte das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil vom 29.6.2016 – [BVerfG, 29.6.2016 - Az: 1 BvR 1015/15].

Bestellerprinzip als Makler leicht erklärt (© Trueffelpix / Fotolia.com)
Bestellerprinzip als Makler leicht erklärt
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Der Mieter als Besteller

Zwar ist in der Regel der Vermieter der Besteller, der den Makler mit der Suche nach einem neuen Mieter beauftragt. Doch kann auch der Mieter zum sogenannten Besteller werden. Dies ist dann der Fall, wenn er den Makler damit beauftragt, nach einer geeigneten Immobilie zu suchen. Beginnt der Makler aktiv mit der Suche und wird er fündig, dann ist die Maklerprovision vom Mieter, der den Auftrag erteilt hat, zu zahlen. Der Suchauftrag muss schriftlich erfolgen und einen konkreten Hinweis auf eine fällige Provision enthalten. Ist der Mieter der Besteller, darf ein Makler wie bisher gemäß Paragraf 3 I des Wohnungsvermittlungsgesetzes bis zu zwei Nettokaltmieten zzgl. 19 Prozent Umsatzsteuer, also 2,38 Kaltmieten, von Wohnungssuchenden verlangen.

Verstöße gegen das Bestellerprinzip

Vermieter sind in der Regel nicht erfreut, dass die Maklercourtage seit der Mietrechtnovellierung nun zumeist von ihnen zu tragen ist. Auch für Makler hat die Neuregelung drastische Konsequenzen mit sich gebracht. Im Gegenzug sind Mieter nicht selten in einer Zwangslage, da der Wohnungsmarkt gerade in Großstädten stark angespannt ist und dringend benötigter, bezahlbarer Wohnraum nur schwer zu finden ist. Die Folge sind Tricks und unfaire Mittel, um das Bestellerprinzip zu umgehen. Wissen sollte man, dass es strafbar ist, wenn ein Makler versucht, einen Mieter davon zu überzeugen, dass er die Maklerprovision anstelle des Vermieters zu übernehmen hat. Ebenso ist es nicht rechtens bei einem erteilen Suchauftrag eine Provision einzufordern, wenn sich die vermittelte Wohnung bereits im Bestand des Maklers befunden hat. Nur, wenn der Suchauftrag neu und konkret für den erteilten Auftrag durchgeführt wurde, darf der Makler eine Provision einfordern.

Verstößt ein Makler gegen das Bestellerprinzip, dann kann ein Bußgeld bis zu 2.500 € gemäß Paragraf 8 WoVermittG und andere Sanktionen verhängt werden. Ebenfalls muss die Provision entsprechend Paragraf 5 WoVermittG zurückgezahlt werden.


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