Teppich- und Schmuckkauf in der Türkei

Autor: , verfasst am 30.01.2017, 16:02| Jetzt kommentieren

Aufgrund einer Vielzahl von Anfragen im Zusammenhang mit Teppich- und Schmuckkauf in der Türkei, enstand die Notwendigkeit sich auch mit diesem Thema näher zu beschäftigen. Im Rahmen von sog. "Gratisreisen, Kulturreisen, Bildungsreisen" etc. kaufen oft deutsche Touristen Teppiche, Schmuckstücke etc. deren Erwerb zunächst nichts entgegenzusetzen ist. Denn, der lang ersehnte Wunsch nach einem handgeknüpften „Hereke Seidenteppich" oder einem reizenden „Diamantcollier" soll endlich in Erfüllung gehen.

Problematisch ist jedoch, dass nichtsahnenden und in diesen Geschäften meist unerfahrenen Touristen in einer professionellen Verkaufsveranstaltung erheblich überteuerte Teppiche oder Schmuckstücke angedreht werden und in Deutschland angekommen, sich die Käufer die Frage stellen, wie sie sich von diesem Vertrag wieder loslösen können.

Zumeist im Rahmen von sog. „Gratisreisen", "Kulturreisen", "Leserreisen", "Bildungsreisen" etc. geraten immer wieder, zumeist ältere Touristen, in diese Fallen und schließen Kaufverträge zu überhöhten Preisen ab, die keineswegs den tatsächlichen Wert des Produkts wiederspiegeln. Angebliche Kulturreisen, vor allem in das Gebiet rund um Antalya sowie in die Ägäis (die Stadt Denizli ist bekannt für sog. Teppichknüpfzentren), entpuppen sich später als perfekt organisierte Verkaufsveranstaltungen.

Unter Beteiligung von deutschsprachigen, smarten Verkäufern und Verwendung von deutsch gefassten Verkaufsformularen wird der Zugang zu den Reisenden erheblich erleichtert, so dass es den meisten schwer fällt, diesen „wunderschönen" Teppichen oder Schmuckstücken und den überzeugenden Verkaufstaktiken der „geschickten" Verkäufer zu widerstehen.

In meiner anwaltlichen Praxis wird durchweg von allen berichtet, dass sie nicht einmal genau wissen, wie sie überhaupt diesen Kauf getätigt haben. Die Verbraucher werden buchstäblich in einen "Kaufrausch" versetzt, von dem sie später selbst sehr überrascht sind.

Es ist davon auszugehen, dass bei diesen Verkaufsveranstaltungen, die wir ähnlich wie in Deutschland insbesondere unter dem Begriff „Kaffeefahrten" kennen, wohl alle mitverdienen. Das heißt, dass diese Verkaufsveranstaltungen in der Regel schon bei der Buchung der Reise in Deutschland mitgeplant werden, an den vermutlich sowohl der Reiseveranstalter in Deutschland als auch der Reiseführer vor Ort entsprechende Provisionen kassieren. Wir raten daher den Verbrauchern, auch bei seriös wirkenden oder bekanntlich seriösen Reiseveranstaltern, bei der Buchung solcher Reisen zu Vorsicht.

Aus anwaltlicher Sicht machen wir vermehrt die Erfahrung, dass zumeist ausserhalb der Urlaubssaison oder in der Zwischenzeit auch während den Sommerferien geschädigte deutsche Touristen an uns herantreten, die in der Türkei solche Verträge, sei es Teppich- oder Schmuckkauf, abschließen und sich nun von diesen Verträgen loslösen wollen.

Zu diesem Themenkomplex gibt es in Deutschland diverse gerichtliche Entscheidungen. Auch die Türkei kennt bereits seit dem Jahre 1995 ein Verbraucherschutzgesetz, das ebenso beachtet werden sollte und dem Verbraucher diverse Rechte zur Verfügung stellt, unter anderem auch die Möglichkeit der Rückabwicklung des Vertrags.

Mittlerweile beschäftigen sich auch die türkischen Gerichte mit diesen unseriösen Geschäftspraktiken. Im Februar 2011 wurde von einem türkischen Verbraucherschutzgericht in Istanbul der Teppichkauf eines schweizer Touristen im Rahmen einer solchen Reise aufgrund der falschen Zusicherungen des Verkäufers und dem überzogenen Kaufpreis für unwirksam erklärt und der Kaufvertrag rückabgewickelt. Das heisst, der Käufer hat den gesamten Kaufpreis gegen Rückgabe des Teppichs zurückerhalten. Zu beachten sind daher auch ggf. Gewährleistungsrechte wegen Mängel bzw. Fehlen von zugesicherten Eigenschaften.

Nicht zuletzt kennt auch das türkische Obligationengesetzbuch den Wuchertatbestand, wonach der Vertrag bei einem Mißverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung - was nach unserer Erfahrung immer der Fall ist - nichtig ist.

Nur über einschlägige Erfahrung insbesondere im türkischen Recht und über eventuell notwendiger rechtlicher Hilfe türkischer Kollegen in der Türkei kann der Verbraucher je nach Fallgestaltung aus diesen Verträgen herauskommen bzw. bereits gezahlte Anzahlungen zurückbekommen.

Interessant hierzu auch Artikeln der Zeitschrift "test" (Stiftung Warentest) "Teure Rückkehr" und "Pustekuchen" in der Ausgabe Juni 2008: Zeitschrift-Test-Juni-2008.pdf

Weiter ist darauf hinzuweisen, dass im Mai 2014 das neue türkische Verbraucherschutzgesetz in Kraft getreten ist, nach dem die Rechte der Verbraucher gestärkt wurden.

Schließlich bleibt zu erwähnen, dass in einem von uns durchgeführten Prozess in der Türkei, vor einem Istanbuler Verbraucherschutzgericht, in der Zwischenzeit ein rechtskräftiges Urteil gegen eine Teppichfirma auf Rückzahlung der Anzahlung des Mandanten sowie Rückgabe des Teppichs etc. besteht. Dieses Urteil ist in dieser Form einzigartig und dürfte vielen, geprellten Urlaubern helfen. Bei Interesse an diesem Urteil können sich betroffene Verbraucher und sonstige Interessierte an unsere Kanzlei wenden. Näheres zu diesem Urteil erfahren Sie auf unserer Website unter diesem link: 

Rechtskräftiges Urteil gegen türkische Teppichfirma

Jedem Verbraucher ist daher zu raten, anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sofern eine Rechtsschutzversicherung vorhanden ist, werden die Kosten in der Regel von dieser ohne weiteres getragen. Auch ohne Rechtsschutzversicherung sind die Anwaltskosten überschaubar und für die Mandanten erreichen wir durchweg zufriedenstellende Ergebnisse.

Und nicht zuletzt finden Sie hier eine Liste der uns im Laufe der Jahre als Gegner bekannt gewordenen Teppich- und Schmuckfirmen:

Eine Gegner-Liste der bekannten Schmuck- und Teppichfirmen finden Sie unter diesem Link:

http://www.deutsch-tuerkisches-recht.de/rechtsverkehr/liste-der-bekannten-schmuck-%E2%80%93-und-teppichfirmen.html

Sie können mich zunächst völlig unverbindlich telefonisch kontaktieren. Ich nehme mir - insbesondere in dieser schwierigen Situation - die notwendige Zeit für Sie.

Rechtsanwalt Karaman 

Schlagwörter: teppichkauf, schmuckkauf, türkei, rsd reisen, widerruf, rücktritt, wucher

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