Zählt Unterhalt als Einkommen?

Autor: , verfasst am 26.05.2015, 06:55| 1 Kommentar

Kommt es zur Trennung eines Ehepaares, so kann es durchaus sein dass einer der Expartner einen Anspruch auf Unterhalt erwirkt, und zwar sowohl Trennungsunterhalt, der beim Einreichen der Scheidung fällig wuird, als auch Ehegattenunterhalt. Dasselbe gilt, wenn Kinder aus dieser gescheiterten Ehe hervorgehen: sie haben einen Unterhaltsanspruch (Kindesunterhalt) gegenüber ihren Eltern. Wie hoch der monatliche Unterhalt individuell ist, richtet sich nach dem Einkommen des/der Unterhaltspflichtigen.

Unterhalt als Einkommen? (© DOC RABE Media - Fotolia)
Unterhalt als Einkommen?
(© DOC RABE Media - Fotolia)

Doch wie ist es in jenen Fällen, in denen der Unterhaltsberechtigte anderweitige Leistungen in Anspruch nehmen möchte, für die sein Einkommen maßgelblich ist, beispielsweise Bafög: zählt dann der Unterhalt als Einkommen?

Was zählt als Einkommen?

Um das Einkommen einer Person zu berechnen, müssen gemäß dem Einkommensteuergesetz verschiedene Kriterien hinzugezogen werden. Zunächst einmal gehören zu diesem sämtliche Bruttoeinkünfte, wobei Einmalzahlungen wie beispielsweise Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld auf das Jahr umzulegen sind.

Vergütungen für Überstunden sind ebenfalls anzurechnen, dasselbe gilt für Reisekosten und Spesen. Dabei darf der Unterhaltsverpflichtete jedoch jene Kosten abziehen, welche ihm tatsächlich auf Reisen entstanden sind. Sollte der Arbeitgeber dem Unterhaltpflichtigen Sachleistungen gewähren, wie beispielsweise einen Dienstwagen, so werden jene Kosten, die sich der Arbeitnehmer dadurch erspart, ebenfalls als Einkommen angesehen.

Wenn ein Unterhaltspflichtiger im Eigenheim wohnt und sich dadurch die Miete spart, wird ihm dieser Betrag ebenfalls als ein fiktives Einkommen angerechnet. Erlangt er zudem noch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung, werden diese auch zu seinem Einkommen hinzugerechnet. Des Weiteren werden das Krankengeld sowie das Arbeitslosengeld I als Einkommen angesehen.

Auch das Elterngeld wird als Einkommen angesehen. Dabei wird jedoch im ersten Bezugsjahr gemäß § 11 BEEG ein Betrag von 300,- € abgezogen, welcher nicht einkommensrelevant ist; danach von 150,- €. Falls das Wohngeld nicht der Deckung erhöhter Wohnkosten dient, beispielsweise bei Krankheit oder Behinderung, wird es ebenfalls als Einkommen angesehen.

Leistungen der Pflegeversicherung, Versorgungsrenten, Blindengeld, sowie Pflegezulagen sind Einkommen. Dabei wird der Betrag abgezogen, der tatsächlich für Mehraufwendungen ausgegeben wurde.

Werden BAföG-Leistungen empfangen, so zählen diese ebenfalls zum Einkommen dazu.

All diese Leistungen werden also zusammengezählt und ergeben somit das Einkommen einer Person.

Zählt Unterhalt als Einkommen?

Anhand der oben erwähnten Kriterien, die der Berechnung von Einkommen dienen, lässt sich sehr leicht erkennen, dass Unterhalt nicht als Einkommen angesehen wird. Dies ist beispielsweise für Studenten relevant: erhalten sie Unterhalt von einem Elternteil und haben einen Nebenjob, kann es sehr schnell passieren, dass sie über den jährlichen Steuerfreibetrag für Studenten hinaus kommen. Dasselbe ist der Fall, wenn sie BAföG beantragen und zudem noch seitens der Eltern unterhaltsberechtigt sind. Demzufolge zählt Unterhalt nicht als Einkommen, ebenso wenig wie Kindergeld und Hartz IV-Leistungen.

Achtung: Wenn ein Student keinen Unterhalt seitens der Eltern erhält, sondern BAföG bezieht, geht somit dessen Unterhaltsanspruch gegen seine Eltern auf den Staat über. Diese Leistungen werden als Einkommen angesehen, und zwar auch dann, wenn das BAföG in Form eines Darlehens ausbezahlt wird.

Fazit: Das Einkommensteuergesetz nennt verschiedene Kriterien, gemäß welchen ein Einkommen berechnet wird. Unterhalt gehört nicht dazu.

Schlagwörter: Kindesunterhalt, Trennungsunterhalt, Einkommen


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

LudwigMF  (05.10.2016 09:56 Uhr):
ist Einkommen gleich Einkommen? Das ist hier die Frage. Unter der Überschrift "Unterhalt als Einkommen" vom 26.5.15 kommen sie zu dem Schluss, dass Unterhalt nicht zum Einkommen zählt. Bei der Frage der Grundsicherung von schwerstbehinderten Kindern (nach Scheidung) wird von der Grundsicherung allerdings der Unterhalt sehr wohl angezogen. Damit bleibt von der Grundsicherung kaum was übrig. Unterschiedliche Behandlung des Begriffes Unterhalt? Darüber hinaus: Bei intakter Ehe wird das Einkommen des Mannes nicht berücksichtigt. Schlechterstellung der geschiedenen Ehefrau? die das schwerstbehinderte Kind versorgt? mfg





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