Wer muss eine Erbschaftsteuererklärung abgeben und welche Frist gilt?

Autor: , verfasst am 10.01.2017, 09:49| Jetzt kommentieren

Wer etwas erbt, muss unter Umständen gegenüber dem Finanzamt aktiv werden. In diesem Ratgeber erfahren Sie, inwieweit Sie dieses über die Erbschaft informieren müssen und was dann auf Sie zukommt.

Erbschaftsteuererklärung - Abgabe & Fristen (© PeJo  / fotolia.com)
Erbschaftsteuererklärung - Abgabe & Fristen
(© PeJo / fotolia.com)

Nach dem Tod eines nahestehenden Menschen müssen die Hinterbliebenen nicht nur den damit verbundenen Verlust verkraften. Sie müssen auch viele dringende Angelegenheiten erledigen. Hierzu gehört etwa, dass sie sich häufig um den Totenschein kümmern müssen, einen Bestatter beauftragen sowie etwa Versicherungen über den Tod informieren müssen. Dabei sollte Sie als Erbe auch nicht das Finanzamt vergessen. Das Gleiche gilt übrigens auch für andere Personen, die etwas aus der Erbschaft erhalten haben. Hierzu gehören vor allem Vermächtnisnehmer oder Pflichtteilsberechtigte. Dies ergibt sich aus § 3 des Erbschaftsteuer- und Schenkungssteuergesetzes (ErbStG).

Zwar brauchen Sie eine Erbschaftssteuererklärung nicht von sich aus abzugeben. Vielmehr reicht es aus, wenn Sie als Erbe etc. dies nach einer Aufforderung durch das Finanzamt erledigen. Gleichwohl dürfen Sie die Hände nicht in den Schoß legen. Denn Sie sich unter Umständen dazu verpflichtet, dass Sie das Finanzamt über die angefallene Erbschaft in Kenntnis setzen müssen.

Wichtig ist zunächst einmal, dass Sie das Finanzamt unabhängig von der Höhe der angefallenen Erbschaft informieren müssen.

Normalerweise müssen Sie sich immer an das Finanzamt wenden. Diese Verpflichtung entfällt für Erben dann, wenn ein Testament beim Nachlassgericht eröffnet wurde oder der Verstorbene ein notarielles Testament beziehungsweise einen Erbvertrag gemacht hatte. Denn hier wird das Finanzamt vom Nachlassgericht oder vom Notar über die angefallene Erbschaft informiert.

Allerdings können Sie auch in diesen Fällen zu einer Meldung der Erbschaft an das Finanzamt verpflichtet sein. Dies setzt voraus, dass zu Ihrer Erbschaft auch Grundbesitz, Betriebsvermögen, nicht anzeigepflichtige Anteile an einer Kapitalgesellschaft oder Auslandsvermögen gehören. Demgegenüber besteht keine Meldepflicht, wenn die Erbschaft nur aus Geld oder Wertgegenständen besteht.

Wie muss die Erbschaft dem Finanzamt gemeldet werden?

Sie brauchen hierzu nur eine formlose Erklärung gegenüber dem Finanzamt abzugeben. Ein kurzes Schreiben reicht hierzu aus. Dieses sollte die folgenden Angaben enthalten:

  • Vorname und Familienname, Beruf, Wohnung des Erblassers oder Schenkers und des Erwerbers;
  • Todestag und Sterbeort des Erblassers oder Zeitpunkt der Ausführung der Schenkung;
  • Gegenstand und Wert des Erwerbs;
  • Rechtsgrund des Erwerbs wie gesetzliche Erbfolge, Vermächtnis, Ausstattung;
  • persönliches Verhältnis des Erwerbers zum Erblasser oder zum Schenker wie Verwandtschaft, Schwägerschaft, Dienstverhältnis;
  • frühere Zuwendungen des Erblassers oder Schenkers an den Erwerber nach Art, Wert und Zeitpunkt der einzelnen Zuwendung.

Welche Frist gilt für die Meldung?

Wer als Erbe das Finanzamt informieren muss, muss dies innerhalb von drei Monaten ab Kenntnis über die Erbschaft erledigen.

Was passiert dann?

Jetzt können Sie abwarten, ob das Finanzamt Sie zur Abgabe einer Erbschaftssteuererklärung auffordert. Das ist nicht zwangsläufig der Fall. Vielmehr prüft es, ob Sie vermutlich Erbschaftssteuer entrichten müssen. Dann schickt das Finanzamt Ihnen ein entsprechendes amtliches Formular zu. Bei Erbschaften im normalen Rahmen brauchen Sie sich häufig keine Sorgen wegen der Höhe der Steuer zu machen. Vor allem für Ehegatten, eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner und Kinder des Verstorbenen gibt es hohe Freibeträge. Dieser liegt für Ehegatten sowie bei eingetragenen Lebenspartnern bei 500.000 Euro und bei Kindern bei 400.000 Euro. Anders sieht das allerdings bei Geschwistern aus. Sie müssen sich mit dem Freibetrag für „sonstige Empfänger“ von 20.000 Euro begnügen. Dies folgt aus § 16 des Erbschaftsteuer- und Schenkungssteuergesetzes (ErbStG).

Frist zur Abgabe der Erbschaftssteuererklärung

Die Erbschaftssteuererklärung müssen Sie innerhalb der vom Fiskus bestimmten Frist zurückschicken. Das Finanzamt muss Ihnen wenigstens eine Frist von einem Monat einräumen. Wenn Ihnen diese Frist zu kurz ist, brauchen Sie nicht in Panik zu verfallen. Vielmehr sollten Sie rechtzeitig beim Finanzamt einen Antrag auf Fristverlängerung stellen. Dies ist durch ein formloses Schreiben - und häufig auch in elektronischer Form übers Internet - möglich. Allerdings darf die Frist noch nicht abgelaufen sein. Maßgeblich ist, wann die Erklärung beim Finanzamt ankommt und nicht wann sie von Ihnen abgeschickt worden ist.

(Harald Büring)


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