Vorteile eines Testaments: Warum sollte man ein Testament machen?

Autor: , verfasst am 18.05.2016, 09:15| 1 Kommentar

Ein Testament ist mit einigen wichtigen Vorzügen verbunden. Welche das im Einzelnen sind und weshalb ein Testament selbst in „einfachen“ Fällen sinnvoll ist, erfahren Sie in dem folgenden Ratgeber.

Vorteile eines Testaments (© bilderbox - fotolia.com)
Vorteile eines Testaments
(© bilderbox - fotolia.com)

Viele glauben, dass das Errichten eines Testamentes überflüssig ist. Doch das kann sich schnell als trügerischer Irrtum erweisen. Zwar hat der Gesetzgeber für diesen Fall Vorsorge getroffen in Gestalt der gesetzlichen Erfolge. Doch diese ist längst nicht immer so wie erwartet.

Ehegatte wird nicht automatisch Alleinerbe

Beispielsweise ist es ohne Testament nicht selbstverständlich, dass der Ehegatte das gesamte Vermögen erbt. Dieser muss sich dann normalerweise damit abfinden, dass er sich mit anderen mehr oder weniger engen Verwandten das Erbe teilen muss. Das gilt auch für Ehepaare ohne Kinder. Hier erben normalerweise gleichzeitig die Eltern des verstorbenen Ehegatten. Soweit diese bereits verstorben sind, erben über den Ehegatten hinaus die Geschwister des Verstorbenen. Nur wenn keine Erben der ersten und zweiten Ordnung vorhanden sind, wird der Ehegatte nach der gesetzlichen Erbfolge Alleinerbe.

Soweit ein Ehegatte keine Stellung als Alleinerbe hat, hat das für ihn eine weitere negative Folge. Er befindet sich mit den jeweiligen Verwandten in einer Erbengemeinschaft. Das bedeutet, dass eine Entscheidung über die im Nachlass befindlichen Gegenstände einstimmig erfolgen muss. Das führt auch bei der Aufteilung zu Problemen. Denn das Gesetz sieht im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge nur eine bestimmte Quote vor. So etwa führt häufig zum Streit unter Erben. Dies gilt besonders dann, wenn das Vermögen schwer aufzuteilen ist, wie etwa bei Grundstücken.

Testament bei „wilder Ehe“

Besonders wichtig ist ein Testament, wenn man in einer nichtehelichen Beziehung zusammenlebt. Denn ansonsten geht der der Partner im Falle des Todes leer aus. Hierüber sollten sich vor allem Paare Gedanken machen, die längerfristig ohne Trauschein - oder bei gleichgeschlechtlichen Paaren nicht in Form einer eingetragenen Lebenspartnerschaft – zusammenleben.

Testierfreiheit

Darüber hinaus sollte ein Testament dann abgeschlossen werden, wenn die nach der gesetzlichen Erbfolge vorgesehenen Personen nicht erben sollen. Dies macht etwa dann Sinn, wenn einem andere Personen aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis näherstehen. Der Jurist spricht hier von der Testierfreiheit des Erblassers.

Pflichtteil

Hier kann es höchstens passieren, dass der enterbten Person der sogenannte Pflichtteil zusteht. Ein Pflichtteil kann generell nur dem Abkömmling des Erblassers, den Eltern oder dem eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartner des Erblassers zustehen.

Hierbei handelt es sich jedoch nur um einen schuldrechtlichen Anspruch finanzieller Art, den der von der Erbschaft ausgeschlossene gegenüber dem Erben geltend machen kann. Der Pflichtteilsberechtigte kann daher nicht etwa die Übereignung eines Grundstückes verlangen. Er muss auch finanzielle Abstriche hinnehmen, weil ihm nur die Hälfte des Wertes von seinem gesetzlichen Erbteil zusteht. Der Pflichtteil kann nur allerdings normalerweise nicht entzogen werden. Hierzu bedarf es handfester Gründe, die in §§ 2303 bis 2305 BGB aufgeführt worden sind. Dies kommt etwa bei der Begehung von schweren Straftaten gegen den Erblasser in Betracht. Ein unrühmlicher Lebenswandel reicht allerdings nicht aus.

Testament hilft Kosten sparen

Die Errichtung eines Testamentes ist aber auch dann zu empfehlen, wenn die nach dem Gesetz vorgesehene Erbfolge dem Willen des Erblassers entspricht. Denn hierdurch wird Streit unter den Verwandten in der Regel vermieden, weil spätestens nach der Eröffnung jeder weiß, wo er dran ist. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die Erben dadurch häufig viel Geld sparen. Denn viele Institutionen wie etwa die Bank des Erblassers verlangen sonst, dass die Erben zur Legitimation einen Erbschein verlangen. Die Beantragung eines Erbscheins ist jedoch gewöhnlich eine teure und aufwendige Angelegenheit. Das gilt besonders dann, wenn viel vererbt wird. Dass Erben zumindest bei einem Erbvertrag oder einem notariellen Testament ihrer Bank oder Sparkasse keinen Erbschein vorlegen müssen, hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 08.10.2013 (Az. XI ZR 401/12) klargestellt und eine anderslautende AGB-Klausel für nichtig erklärt.

Auch juristische Personen können als Erbe eingesetzt werden

Gerade Singles ohne nahe Angehörigen sollten bedenken, dass nicht nur natürliche Personen erben können. Vielmehr können auch juristische Personen als Erbe eingesetzt werden können. Hierunter fallen unter anderem auch eingetragene Vereine. Bei vielen Organisationen die Aufgaben im sozialen oder ökologischen Bereich wahrnehmen, handelt es sich aus rechtlicher Sicht um eingetragene Vereine.

Tiere als Erben?

Tiere können allerdings nicht als Erbe eingesetzt werden, auch wenn das viele Tierfreunde bedauern. Stattdessen ist es vielleicht sinnvoll, etwa einen Tierschutzverein als Erben einzusetzen.

Fazit:

Von daher ist die Anfertigung eines Testamentes für Erblasser sinnvoll. Dabei sollte jedoch gerade beim eigenhändigen Testament darauf geachtet werden, dass es wirksam ist. Wichtig ist vor allem, dass dieses vom Erblasser vollständig mit der Hand geschrieben und unterschrieben werden muss. Allein eine eigenhändige Unterschrift reicht nicht aus. In dem Testament sollte angegeben werden, wann es verfasst worden ist. Dies ist wichtig, wenn plötzlich mehrere Testamente vorhanden sind. Denn das gilt nur das zuletzt abgefasste Testament. Eigenhändige Testamente sollten am besten vom Erblasser selbst beim zuständigen Nachlassgericht in amtliche Verwahrung gegeben werden, damit sie auch aufgefunden werden. Bei der Abgabe wird allerdings nicht geprüft, ob das Testament auch wirksam ist. Wer auf Nummer sichergehen will, sollte sich von einem Notar oder einem Fachanwalt für Erbrecht zumindest beraten lassen.

Autor: Harald Büring (Juraforum.de)

Schlagwörter: Testament, Vorteile


Nachrichten zum Thema
  • BildTU Berlin: Vorteile der Standardisierung (05.10.2012, 15:10)
    Vorteile der Standardisierung TU-Wissenschaftler beim IEC-IEEE Challenge geehrtAm 5. Oktober 2012 vergaben die „International Electrotechnical Commission“ (IEC) und das „Institute of Electrical and Electronics Engineers“ (IEEE) insgesamt drei...
  • BildFotokopie eines Testaments kann ausreichend sein (21.09.2012, 10:43)
    Im Einzelfall kann auch eine Fotokopie des Testaments ausreichend sein, zeigt eine Entscheidung des OLG Naumburg. GRP Rainer Rechtsanwälte Steuerberater, Köln, Berlin, Bonn, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München, Stuttgart www.grprainer.com...
  • BildDie Vorteile der Tagesschule (22.04.2010, 09:00)
    Eine erziehungswissenschaftliche Untersuchung der Auswirkung von Tagesschulen auf PrimarschulkinderDer Besuch einer Tagesschule wirkt sich auf Primarschulkinder bereits nach zwei Schuljahren positiv aus. Sie weisen bessere Sprachkompetenzen, ein...
  • BildNeue Rückenschule bringt Vorteile (23.03.2010, 11:00)
    Dr. Karin Meng hat ein innovatives Schulungsprogramm für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen evaluiert: Es erwies sich als vorteilhaft. Für ihre Studie bekam die Wissenschaftlerin nun den Förderpreis 2009 der Karlsruher-Sanatorium-AG...
  • BildBedeutung des Alten Testaments für den Glauben (09.01.2007, 12:00)
    Gastvortrag am Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft am 11. JanuarÜber die Bedeutung des Alten Testaments für den christlichen Glauben wird seit vielen Jahren eine engagierte Diskussion in der Theologie geführt. Sie versucht, den Eigenwert des ersten...
  • Bild"Die Vorteile der Herren Studiosi" (02.12.2005, 17:00)
    Was macht den Standort Jena zum "Leuchtturm" (nicht nur) im Osten Deutschlands? Ganz sicher dazu gehört das Netzwerk aus Wirtschaft und Wissenschaft der Region. Ein weiterer Teil dieses funktionierenden Clusters sind die etwa 25.000 Studierenden...

Kommentar schreiben

7 - V,ier =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Herkad  (21.05.2016 18:51 Uhr):
Naja ganz schön dumm geschrieben ein typischer "Bild" Artikel. Denn er stellt u.A. offen in den Raum das ohne Testament wäre ein Ehegatte mglw. nicht Alleinerbe. In Hinblick auf den Sinn des Artikels innerhalb jedes Abschnittes einzeln Eigenschaften und dessen Vorteile herrauszuarbeiten, bestehen dennoch mit Testament mgl. Pflichtteilsansprüche. Dieses wird jedoch später unter "höchstens" erwähnt. Weiter unten "Die Beantragung eines Erbscheins ist ..eine teure Angelegenheit". Hier wird ebenfalls der Vorteil eines Testaments herrausgearbeitet. Aber die nötige notarielle Beurkundung eines Testaments ist ebenfalls eine teure Angelegenheit "besonders bei hohem Vermögen". Die Kosten setzen sich anders zusammen, aber dennoch fehlt diesem Punkt der Wahrheitsgehalt. Toller Blödsinn vielen Dank





Weitere Erbrecht-Ratgeber


Anwalt für Erbrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.