Eigenhändiges Testament – ein Leitfaden

Autor: , verfasst am 08.12.2014, 08:23| Jetzt kommentieren

Das eigenhändige Testament erfordert die Erfüllung einiger Voraussetzungen um wirksam errichtet zu werden.

Testament (© bilderbox - Fotolia.com)
Testament
(© bilderbox - Fotolia.com)

Es gibt zwei Formen des ordentlichen Testamtens: das öffentliche Testament, welches von einem Notar öffentlich beurkundet wird  und das eigenhändige oder auch privatschriftliche Testament. Dabei macht das eigenhändige Testament noch immer den Gros der Testamente in Deutschland aus. Dies liegt vor allem daran, dass es vermeintlich einfach zu errichten ist. Jedoch gibt es eine Reihe von Anforderungen an das privatschriftliche Testament. Die gesetzlichen Normen finden sich dazu im § 2247 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB).

Eigenhändigkeit

Das privatschriftliche Testament muss eigenhändig errichtet werden. Eigenhändig bedeute dabei tatsächlich handschriftlich. Auch wenn es Computer heute übersichtlicher und einfacher machen Texte zu verfassen, muss das privatschriftliche Testament in seiner Gesamtheit handschriftlich verfasst werden. Es reicht also auch nicht, nur wesentliche Teile des Testaments handschriftliche abzufassen. Eigenhändigkeit setzt auch voraus, dass der Testierende selbst die schreibende Hand führt. Dies schließt freilich all jene von der Errichtung eines eigenhändigen Testaments aus, die aufgrund Analphabetismus oder einer körperlichen oder geistigen Behinderung nicht zum Schreiben in der Lage sind.

Unerheblich ist dabei, worauf und womit das Testament geschrieben wird. So sind auch solche Testamente gültig, die beispielsweise mit Kohle auf ein Stück Papier oder eine Serviette oder andere unübliche Weise geschrieben werden.

Unterschrift

Das Testament muss vom Testierenden unterschrieben sein. Die Unterschrift muss unter dem Testament erfolgen. Verfügungen, die hinter der Unterschrift im Testament stehen, lassen nicht erkennen, ob und von wem diese erst nachträglich eingefügt worden sind und sind daher nicht zu beachten.

Die Unterschrift besteht aufgrund der Soll-Vorschrift im § 2247 Abs. 3 S. 1 BGB im besten Falle aus Vor- und Nachnamen, damit unzweifelhaft zu erkennen ist, wer der Verfasser des Testaments ist. Allerdings genügt nach § 2247 Abs. 3 S. 2 BGB auch eine andere Unterschrift, solange sich aus der Unterschrift in Verbindung mit den Gesamtumständen eindeutig ergibt, wer der Verfasser des Testaments ist.

Ort und Datum

Nach § 2247 Abs. 2 BGB soll das Testament das vollständige Datum und den Ort erkennen lassen. Gerade dem Datum ist dabei von erheblicher Bedeutung, da anhand dessen beim Vorliegen mehrerer Testamente beurteilt werden kann, welches das jüngste und damit gültige Testament ist. Fehlen diese Angaben und ergeben sich daraus Zweifel an der Gültigkeit des Testaments, so ist gem. § 2247 Abs. 5 BGB das Testament dennoch als gültig zu erachten, wenn sich die nötigen Feststellungen hinsichtlich Zeit und Ort der Testamentserrichtung anderweitig treffen lassen.

Es bedarf bei einem eigenhändigen Testament keiner Zeugen.

Testierfähigkeit und Gemeinschaftliche Testamente

Testierfähig ist jede volljährige Person die dazu in der Lage ist, Geschriebenes zu lesen (§ 2247 Abs. 4 BGB). Ein Testament kann auch gemeinschaftlich von Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern errichtet werden. Nach § 2267 BGB ist dafür erforderlich, dass wenigstens einer unter den oben beschriebenen Voraussetzungen das Testament schreibt und beide es sodann darunter unterschreiben und dabei angeben wann und wo sie jeweils das Testament unterschrieben haben.

Vorteile und Nachteile

Ein eigenhändiges Testament ist einfach und ohne große Kosten zu errichten. Allerdings scheitern eigenhändige Testamente oftmals an unbestimmten oder unzulässigen Formulierungen und Verfügungen in dem Testament. Gerade zweideutige Aussage führen dazu, dass das Testament nicht vollstreckt werden kann. Daher bietet es sich immer an, den Rat eines rechtskundigen Menschen – bestenfalls eines Anwalts – zu nehmen, um solchen Problemen vorzubeugen. So kann man sich bei der Errichtung eines eigenhändigen Testaments beraten lassen ohne gleich die Kosten einer notariellen Beurkundung auf sich nehmen zu müssen.

Schlagwörter: eigenhändiges Testament Voraussetzungen Errichtung gemeinschaftliches


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