Wer haftet, wenn der Schlüssel von der Arbeit verloren geht?

Autor: , verfasst am 19.05.2017, 07:43| Jetzt kommentieren

Für Arbeitnehmer, die den Schlüssel von der Arbeit aus Versehen verlieren, kann es teuer werden. Dies gilt aber nicht immer. Wie die rechtliche Situation aussieht, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Arbeitnehmer, die von ihrem Chef den Schlüssel zum Eingang in das Gebäude sowie ins Büro ausgehändigt bekommen, sollten auf ihn gut aufpassen. Denn im Fall eines Verlustes muss er damit rechnen, dass sein Arbeitgeber von ihm Schadensersatz verlangt. Dies wird vor allem dann kostspielig, wenn es sich um einen Generalschlüssel handelt. Allerdings muss der Arbeitnehmer in der Regel nicht für den vollständigen Schaden aufkommen.

Verlust von Gebäudeschlüssel (© Michael Homann - Fotolia.com)
Verlust von Gebäudeschlüssel
(© Michael Homann - Fotolia.com)

Haftung des Arbeitnehmers richtet sich nach dem Grad des Verschuldens

Wie die Situation aussieht richtet sich normalerweise danach, inwieweit dem Arbeitnehmer ein Verschulden vorzuwerfen ist. Dies ergibt sich aus der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes.

Ist dem Arbeitnehmer nur ein leichtes Verschulden vorzuwerfen, braucht er generell keinen Schadensersatz zu zahlen. Der Arbeitgeber muss hier alleine für den Schaden aufkommen.

Bei mittlerer Fahrlässigkeit muss der Arbeitnehmer nur für eine bestimmte Schadensquote aufkommen. Diese beträgt etwa die Hälfte oder ein Drittel des Schadens. Von mittlerer Fahrlässigkeit ist etwa das LAG Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 18.11.2015 - 4 Sa 126/15 in einem Fall ausgegangen, in dem eine Arbeitnehmerin einen Generalschlüssel in einem einfachen Briefumschlag per Einschreiben versendet und ihren Arbeitgeber zurückgesendet hatte. Auf dem Postweg war der Umschlag an der Seite geöffnet worden. Dies ergab sich aus einem Einriss.

Der Vorwurf der Sorgfaltswidrigkeit ergab sich hier unter anderem daraus, dass die Arbeitnehmerin kein wattiertes Kuvert genommen hatte. Am sichersten wäre jedoch die persönliche Übergabe des Umschlags gewesen. Die Arbeitnehmerin musste hier etwa für einen Drittel des Schadens aufkommen in Höhe von etwa 700 Euro.

Handelt der Arbeitnehmer hingegen grob fahrlässig oder sogar vorsätzlich, muss er für den gesamten Schaden aufkommen. Denn hier gilt der Arbeitnehmer nicht als schutzwürdig. Grobe Fahrlässigkeit ist nur dann gegeben, wenn der Arbeitnehmer sehr unvorsichtig gewesen ist. Ihm musste sich geradezu aufdrängen, dass er sich so nicht hätte verhalten dürfen. Ein typisches Beispiel wäre etwa, wenn der Arbeitnehmer den Schlüssel ungesichert etwa auf dem Wohnzimmertisch ablegt, obwohl er Besuch erwartet.

Haftungsprivileg für Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst

Nicht immer haften Arbeitnehmer jedoch so schnell, wenn sie aus Versehen den Schlüssel ihres Arbeitgebers verlieren. Glück hat, wer als Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst arbeitet und dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes unterfällt. Hier tritt eine Haftung nur ein, wenn der Arbeitnehmer grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hat. Dis ergibt sich aus § 3 Abs. 6 und 7 TVöD.

Arbeitsvertrag/Tarifvertrag kann Haftung des Arbeitnehmers beschränken

Aber auch normale Arbeitnehmer können bei Verlust des Schlüssels Glück haben, wenn der jeweilige Tarifvertrag oder auch Arbeitsvertrag eine weniger strenge Haftung für lediglich grobe Fahrlässigkeit vorsieht. Dies sollte daher unbedingt überprüft werden, wenn ein Arbeitgeber Schadensersatz fordert. Der Arbeitgeber muss übrigens im Zweifel beweisen, dass der Arbeitnehmer sorgfaltswidrig gehandelt hat. Dies gilt gerade auch für das Vorliegen von grober Fahrlässigkeit oder sogar Vorsatz.

Fazit:

Arbeitnehmer, die von ihrem Arbeitgeber den Schlüssel anvertraut bekommen haben, sollten sich unbedingt bei ihrer privaten Haftpflichtversicherung erkundigen, ob diese im Schadensfall aufkommt. Her sollten Sie Ihre Haftpflicht um eine schriftliche Bestätigung bitten, dass der Verlust des Schlüssels vom Arbeitgeber im Leistungsumfang enthalten ist. Dies gilt jedenfalls dann, wenn sie nicht im öffentlichen Dienst tätig sind und daher bereits bei mittlerer Fahrlässigkeit anteilig haften. Arbeitgeber sollten ihren Arbeitnehmer ausdrücklich auf das Haftungsrisiko hinweisen oder selbst eine entsprechende Versicherung abschließen, die für den Schaden aufkommt

 

Autor: Harald Büring (Juraforum-Redaktion)


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