Was ist sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz?

Autor: , verfasst am 10.03.2015, 07:04| Jetzt kommentieren

Als „sexuelle Belästigung“ wird jedes sexuell belegte Verhalten bezeichnet, welches von dem Betroffenen nicht erwünscht ist oder durch das er sich sogar beleidigt fühlt. Obwohl es auch männliche Opfer dieser Art der Belästigung gibt, ist ein Großteil davon Frauen.

sexuelle Belästigung (© grafikplusfoto - Fotolia.com)
sexuelle Belästigung
(© grafikplusfoto - Fotolia.com)

Immer wieder kommt es vor, dass sich weibliche Arbeitnehmer im wahrsten Sinne des Wortes unwohl in ihrer Haut fühlen, weil sie sich am Arbeitsplatz von männlichen Kollegen belästigt fühlen. Nun ist es zwar nicht so, dass jeder körperliche Kontakt auch vor dem Gesetz als sexuelle Belästigung anzusehen ist. Reicht ein Arbeitnehmer seiner Kollegin eine Akte und es kommt zu einer versehentlichen Berührung ihrer beiden Hände, so kann es der Arbeitnehmerin vielleicht unangenehm sein – eine Belästigung im Sinne des Gesetzes ist dies jedoch nicht. Hierfür bedarf es anderer Handlungen, welche das Arbeitsrecht klar definiert.

Welche Handlungen sind gemäß dem Arbeitsrecht verboten?

Gemäß Artikel 2 Abs. 3 der Richtlinie 202/73/EG wird Belästigung sowie sexuelle Belästigung als Diskriminierung angesehen und ist somit verboten. Diese Vorgaben, welche seitens der EU festgelegt worden sind, finden ihre Umsetzung im deutschen Arbeitsrecht, beispielsweise im AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz). Dieses dient der Verhinderung sowie der Beseitigung von Benachteiligungen aufgrund des Geschlechtes. Welche Handlungen beziehungsweise Verhaltensweisen im Einzelnen nicht gestattet sind, wird gemäß § 3 Abs. 4 AGG definiert. Gemäß diesem ist es insbesondere verboten,

  • sexuelle Handlungen sowie Aufforderungen zu solchen vorzunehmen (wobei dieser Bereich weit definiert ist: von einem Versuch, eine Kollegin zu küssen, über Betatschen ihrer Brüste bis hin zu einer Vergewaltigung);

  • Berührungen körperlicher Art, wie beispielsweise Streicheln;

  • Bemerkungen sexuellen Inhalt, wobei diese Bemerkungen weder verbal getroffen noch in Schriftform niedergelegt werden dürfen;

  • Zeigen oder Zurschaustellen von pornographischen Darstellungen.

Zu beachten ist, dass der Arbeitgeber nicht nur dazu verpflichtet ist, seine Arbeitnehmerinnen vor sexueller Belästigung von Kollegen zu schützen, sondern auch durch Dritte, beispielsweise Kunden oder Lieferanten.

Was kann eine Arbeitnehmerin tun, wenn sie sich sexuell belästigt fühlt?

Viele Arbeitnehmerinnen schweigen und wehren sich nicht, wenn sie einer sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz ausgesetzt sind. dies kann verschiedene Gründe haben: zum einen haben sie Angst, in ihrem Unternehmen gemoppt zu werden, wenn sie sich an ihren Vorgesetzten wenden. Zum anderen wissen viele Betroffene auch gar nicht, welche Möglichkeiten ihnen offen stehen, sich gegen belästigende Kollegen zur Wehr zu setzen. Doch auch, wenn es ihr nicht leicht fällt: jede Frau, die von männlichen Kollegen sexuell belästigt wird, sollte sich dringend dagegen zur Wehr setzen, denn erstens ist kaum anzunehmen, dass diese ihr Verhalten von alleine ändern werden, und zweitens kann ein Arbeitsplatz, den man nur mit Unbehagen betritt, einen sehr krank machen. Auch sollte man – bei aller Angst und Scham, die man selbst empfindet –auch an andere weibliche Arbeitnehmer denken, beispielsweise Auszubildende: meistens ist es so, dass der Belästiger nicht nur ein Opfer, sondern mehrere hat. Mit einer Beschwerde schützt man also nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

Tritt ein Fall von sexueller Belästigung ein, so sollte sich die Betroffene zunächst an die interne Beschwerdestelle richten, zu deren Einrichtung der Arbeitgeber verpflichtet ist. Ist diese jedoch nicht vorhanden, liegt die Zuständigkeit bei der Personalabteilung oder beim Betriebsrat. Sollten auch diese Anlaufstellen nicht vorhanden sein, muss sich die Betroffene direkt an ihren Vorgesetzten wenden.

Der Beschwerdestelle obliegt es, sich mit dem Sachverhalt näher zu beschäftigen. Hierzu gehören eine Befragung eventueller Zeugen, eine Ortsbegehung sowie eine Durchsicht etwaig vorhandener Unterlagen.

Der Vorgesetzte muss handeln, wenn ihm ein Fall von sexueller Belästigung bestätigt wird: der betreffende Arbeitnehmer kann ermahnt, abgemahnt, versetzt oder entlassen werden, wobei eine Abmahnung am häufigsten, eine Kündigung am seltensten in Frage kommt. Welche Sanktion individuell gewählt wird, hängt von der Schwere der Belästigung ab.

Handelt der Vorgesetzte jedoch nicht, steht der betroffenen Arbeitnehmerin ein Entschädigungsanspruch zu, dessen Höhe nicht begrenzt ist.

Sollte die Belästigung nicht von einem Kollegen, sondern vom obersten Chef erfolgt sein, so hat die betroffene Arbeitnehmerin gemäß § 14 AGG ein sofortiges Leistungsverweigerungsrecht. Dieses muss schriftlich festgehalten werden und hat zur Folge, dass die Betroffene nicht mehr zur Arbeit erscheinen muss, aber einen Anspruch auf volles Gehalt besitzt. Meistens ist es in jenen Fällen so, dass der Chef mithilfe einer Abfindungszahlung sowie einer Entschädigungszahlung das Arbeitsverhältnis beenden möchte.

Zu beachten ist, dass sämtliche Ansprüche auf Entschädigung innerhalb von zwei Monaten geltend gemacht werden müssen.

Empfehlung: Generell sollten Belästigungen jeglicher Art gemeldet werden – schließlich verbringt man einen Großteil seines Lebens auf der Arbeit, und sollte sich deswegen dort so wohl und sicher wie möglich fühlen.

Schlagwörter: sexuelle Belästigung, Arbeitsplatz,


Nachrichten zum Thema
  • BildRespektvolles Unternehmensklima verhindert sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz (04.12.2013, 09:10)
    Potentiell belästigende Verhaltensweisen gehören vielerorts zum Arbeitsalltag – und längst nicht immer sind Männer die Täter und Frauen die Opfer. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Nationalen Forschungsprogramms "Gleichstellung der...
  • BildSexuelle Belästigung am Arbeitsplatz führt nicht immer zur Kündigung (02.09.2013, 15:45)
    Stuttgart (jur). Nicht jede sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz muss zu einer Kündigung führen. Auch hier gelte der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, wie das Landesarbeitsgericht (LAG) Baden-Württemberg in Stuttgart in einem am Freitag, 30....
  • Bild„Keine Überwachung am Arbeitsplatz!" (30.01.2013, 10:38)
    Protest war erfolgreich / Gesetzentwurf vertagt / Fast 70.000 Unterschriften gegen „Gesetz für Beschäftigtendatenschutz“/ „Weg zum gläsernen Beschäftigten eröffnet“ Berlin, 29. Januar 2013. Das viel kritisierte Gesetz zum Beschäftigtendatenschutz...
  • BildArbeitsplatz Hirnforschung (27.04.2012, 16:10)
    Zukunftstag am Leibniz-Institut für Neurobiologie30 Jungen und Mädchen eroberten die LaboreWas macht eigentlich ein Neurobiologe? Was ist Lernen? Und wie funktioniert das Gehirn? Diesen und weiteren Fragen sind heute rund 30 Mädchen und Jungen im...
  • BildGesundheitsrisiko Arbeitsplatz (12.06.2007, 13:00)
    Hautklinik des Universitätsklinikums Jena richtet 2. Weltkongress zu berufs- und umweltbedingten Allergien ausJena (12.06.07) Die Gefahr lauert in Reinigungs- und Schmiermitteln, Friseurchemikalien und Farbstoffen. Auch Nickellegierungen oder...
  • BildTUB: "Arbeitsplatz Universität" (22.03.2007, 10:00)
    TU Berlin beteiligt sich am Girls' Day - Anmeldungen möglichZum vierten Mal beteiligt sich die TU Berlin am 26. April 2007 am bundesweiten Girls' Day, dem "Mädchen-Zukunftstag" für Schülerinnen der Klassen 5 bis 10. Unter dem Motto "Arbeitsplatz...

Kommentar schreiben

54 - Se chs =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)





Weitere Arbeitsrecht-Ratgeber


Anwalt für Arbeitsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.