Teilzeitbeschäftigung: wie hoch ist der Urlaubsanspruch bei Teilzeit?

Autor: , verfasst am 13.02.2015, 08:12| 1 Kommentar

Eine Teilzeitbeschäftigung ist heutzutage nicht unüblich (laut der Bundesagentur für Arbeit lag der Anteil der Teilzeitbeschäftigten im Jahr 2011 unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bei 20 %). So haben nicht nur Elternteile, die sich um ihre Kleinen kümmern müssen, einen Halbtagsjob, sondern oftmals auch Studenten oder Schüler, aber auch Rentner oder Sozialhilfeempfänger. Nicht zuletzt deswegen hat eine Teilzeitkraft ebenso einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub wie eine Vollzeitkraft. Inwieweit die Urlaubsansprüche einer Teilzeitbeschäftigten bzw. eines Teilzeitbeschäftigten jedoch tatsächlich reichen, erfahren Sie hier:

Teilzeitbeschäftigung: wie hoch ist der Urlaubsanspruch? (© Ewe Degiampietro - Fotolia.com)
Teilzeitbeschäftigung: wie hoch ist der Urlaubsanspruch?
(© Ewe Degiampietro - Fotolia.com)

 

Die Rechtslage

Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) gewährt einem Arbeitnehmer regelmäßig einen Mindesturlaubsanspruch von 4 Wochen im Jahr. Arbeitnehmer, die sechs Tage in der Woche arbeiten, haben daher einen Anspruch auf mindestens 24 Tage Urlaub, während die Arbeitnehmer, die lediglich eine 5-Tage-Woche haben, einen Anspruch auf mindestens 20 Tage Urlaub haben. Damit entspricht dieser gesetzliche Mindesturlaub der Europäischen Arbeitszeitrichtlinie 93/104/EG des Rates vom 23.11.1993.

Das BUrlG unterscheidet dabei nicht zwischen einer Vollzeitbeschäftigung und einer Teilzeitbeschäftigung. Dennoch hat ein Teilzeitbeschäftigten nicht notwendigerweise einen vollen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Zur Berechnung des tatsächlichen Mindesturlaubsanspruches ist maßgeblich, wie die Teilzeit im Einzelnen geregelt ist.

Beachten Sie bitte, dass dieser gesetzliche Mindesturlaub durch etwaige Regelungen im Arbeitsvertrag, in einer Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag (sog. Tarifurlaub) erweitert werden kann. Eine Beschränkung des Mindesturlaubs ist jedoch nicht zulässig.

Teilzeit ist nicht gleich Teilzeit

Teilzeit kann bedeuten, dass ein Arbeitnehmer von Montag bis Freitag seiner arbeitsvertraglichen Verpflichtung nachkommt. In diesen Fällen muss er jedoch nur halbtags arbeiten (1). Teilzeit kann jedoch auch bedeuten, dass man nur an bestimmten, im Arbeitsvertrag festgelegten, Tagen der Woche arbeiten muss (2).

Grundsatz: Urlaubstage werden nur nach den Arbeitstagen – nicht nach der Stundenzahl der erbrachten Arbeit – berechnet.

  1. Der Arbeitnehmer, der täglich an seinem Arbeitsplatz erscheint, der hat – wie auch seine vollzeitbeschäftigten Mitarbeiter – einen vollen gesetzlichen Urlaubsanspruch. Schließlich muss er jeweils für den ganzen Arbeitstag Urlaub nehmen und nicht nur für die Stunden, an denen er arbeitet.
  2. Der Arbeitnehmer, der nur an bestimmten Tagen zur Arbeit kommen braucht, muss sich auch nur für diese Tage beurlauben lassen. In diesen Fällen werden ihm die Tage, die für ihn keine Arbeitstage sind, vom gesetzlichen Mindesturlaub abgezogen.
    Beispiel: Der Arbeitnehmer arbeitet nur an drei Tagen in der Woche. Damit stehen ihm nur 12 Urlaubstage zu. Diese genügen ihm, um insgesamt 4 Wochen Urlaub machen zu können.

Urlaubsanspruch bei Reduzierung der Arbeitszeit durch den Arbeitgeber

Wenn der Arbeitgeber die Arbeitszeit aus irgendwelchen Gründen reduziert, so bleiben sämtliche Resturlaubsansprüche bestehen. Der Europäische Gerichtshof hat nämlich die Anwendung des Grundsatzes der anteiligen Urlaubsberechnung in den Fällen eines Wechsels von Vollzeit- in eine Teilzeitbeschäftigung – und die damit verbundene Reduzierung der Arbeitstage bzw. des Resturlaubs – für rechtswidrig erklärt (Az.: C-15/12).

Lesen Sie dazu aber auch unseren Ratgeber „Resturlaub: kann man den Urlaub ins neue Jahr übernehmen?

Wann darf der erste Urlaub beantragt werden?

Der erstmalige Anspruch auf Urlaub wird nach einem sechsmonatigen ununterbrochenen Bestehen des Arbeitsverhältnisses fällig.

Rechtstipp:

Sollte Ihr Arbeitgeber Ihnen einen Urlaub trotz der gesetzlichen Urlaubsansprüche nicht gewähren oder Ihnen Ihren Resturlaub wegen einer Arbeitsreduzierung kürzen wollen, so konsultieren Sie bitte schnellstens einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Aber beachten Sie bitte, es ist das Recht eines jeden Arbeitgebers, mit jedem Mitarbeiter einen anderen Urlaubsanspruch zu vereinbaren.

Sollten Sie als Teilzeitbeschäftigte bzw. als Teilzeitbeschäftigte während Ihrer Urlaubstage erkranken oder anderweitig arbeitsunfähig werden, so gelten für Sie die gleichen Rechte und Pflichten wie für einen Vollzeitbeschäftigten. Einzelheiten dazu finden Sie in unserem Ratgeber „Krank im Urlaub: was tun als Arbeitnehmer mit den Urlaubstagen?“.

Quelle: Juraforum.de (sk)

Schlagwörter: Teilzeit, Teilzeitbeschäftigung, Teilzeitjob, Halbtagsjob, Minijob, Urlaubsanspruch, Mindesturlaubsanspruch, Mindesturlaub, Urlaub


Nachrichten zum Thema
  • BildAnspruch auf Teilzeitbeschäftigung nach Elternzeit (30.07.2013, 12:24)
    Der Arbeitgeber eines nach Elternzeit zurückkehrenden Arbeitnehmers muss diesem die Beschäftigung in einem Teilzeitmodell ermöglichen. GRP Rainer Rechtsanwälte Steuerberater, Köln, Berlin, Bonn, Bremen, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg,...
  • BildVollzeitbeschäftigung steigt stärker als Teilzeitbeschäftigung (06.07.2011, 10:10)
    Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten stieg im ersten Quartal 2011 um 1,6 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Unter dem Einfluss der kräftigen...
  • BildTeilzeit-Masterstudium Systemdesign (20.06.2008, 12:00)
    Verbindung von Studium und BerufDer Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Fachhochschule Jena wird im kommenden Wintersemester 2008/09 (Beginn Oktober 2008) wieder im äußerst erfolgreichen Studiengang "Systemdesign"...
  • BildBVerfG: Antragslose Teilzeitbeschäftigung von Beamten verfassungswidrig (01.10.2007, 08:35)
    Gegenstand des Normenkontrollantrags ist § 80c Niedersächsisches Beamtengesetz (NBG). Nach dieser Vorschrift können Bewerber für die Laufbahnen des gehobenen und des höheren Dienstes in ein Teilzeit-Beamtenverhältnis von drei Vierteln der...
  • BildAusbildung in Teilzeit für junge Mütter (25.05.2007, 11:00)
    Am 11. Juni 2007 findet im Rathaus Schöneberg die Tagung "Ausbildung in Teilzeit für junge Mütter" statt.Inhalt:Die Veranstaltung ist eine Schulung für MultiplikatorInnen in der Berufsvorbereitung und Berufsausbildung. Das Konzept der...
  • BildKein Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung während Elternzeit (05.10.2006, 11:46)
    Berlin (DAV). Wer Elternzeit in Anspruch nimmt, kann nicht ohne weiteres auf Elternteilzeit umsatteln. Hat der Arbeitgeber für die Dauer der beantragten Elternzeit eine Vollzeitvertretung eingestellt, die nicht bereit ist ihre Arbeitszeit zu...

Kommentar schreiben

60 + S.ech;s =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Sherlock  (15.01.2016 17:01 Uhr):
Hallo! Zum oben genannten folgende Frage: Ich muss 25 Stunden die Woche arbeiten. An wievielen Tagen ich das mache ist mir frei gestellt.Dazu gibt es keine Regelungen im Vertrag. Ich kann diese Stunden also innerhalb 5 Tage machen, aber eben auch 3 oder 4. Es hat sich eingependelt, dass ich 4 Tage die Woche arbeite. Nach Tarif Urlaubsanspruch 5 Tageswoche: 30 Tage. Da ich mir die Arbeitstage ja nun selber aussuchen kann, frage ich mich ob ich nun dennoch 30 oder nur 24 Urlaubstage habe. Kommt es auf die TATSÄCHLICH gearbeiteten Tage an?





Weitere Arbeitsrecht-Ratgeber


Anwalt für Arbeitsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.