Krankgeschrieben: was darf man als Arbeitnehmer bei Krankschreibung tun?

Autor: , verfasst am 06.02.2015, 07:59| Jetzt kommentieren

Wer durch einen Krankheitsfall arbeitsunfähig wird, der sollte zunächst seinen Arbeitgeber über den Krankenstand informieren (sog. Krankmeldung). Im Anschluss ist in der Regel eine ärztliche Krankschreibung (sog. Attest) zu besorgen. Danach gilt es, die verschriebene Bettruhe einzuhalten. Eine solche Auszeit ist anfangs sicherlich auch willkommen, da sie durchaus entspannend ist. Nach einer Weile wird sie aber regelmäßig eintönig. Ein Treffen mit Freunden oder anderen körperlich nicht anstrengenden Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände erweisen sich in diesen Fällen als willkommene Abwechslung. Allerdings befürchten viele Arbeitnehmer, dass der Chef sie dabei erwischen könnte. Die Angst vor einer Abmahnung oder einer Kündigung ist oftmals groß. Doch muss man bei einer Arbeitsunfähigkeit tatsächlich eine strikte Bettruhe einhalten, bzw. sich die ganze Zeit in den eigenen vier Wänden aufhalten?

Krankgeschrieben: was darf man alles tun? (© Thomas Spiepmann - Fotolia.com)
Krankgeschrieben: was darf man alles tun?
(© Thomas Spiepmann - Fotolia.com)

 

Die Rechtslage

Das Arbeitsrecht schreibt eine absolute Bettruhe nicht vor. Dem Arbeitnehmer obliegt allerdings eine auf dem Arbeitsvertrag beruhende Rücksichtspflicht gegenüber seinem Arbeitgeber, dass er all das zu unterlassen hat, was seine Genesung verzögern oder sogar verhindern würde. Die möglichen Tätigkeiten eines krankgeschriebenen Arbeitnehmers sind demnach von der konkreten Arbeitsunfähigkeit abhängig – also ob sie physischer oder psychischer Natur sind und falls ersteres, ob es sich um eine Erkrankung oder um eine Verletzung handelt.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der arbeitsunfähige, krankgeschriebene Arbeitnehmer als das tun kann, was seinem Krankheitsverlauf positiv oder zumindest gar nicht beeinflusst. Daraus folgt, dass unter Umständen sogar ein Ausflug ins Ausland während der Zeit der Arbeitsunfähigkeit möglich sein kann.

Wer allerdings gegen die arbeitsvertragliche Rücksichtnahmepflicht verstößt, also seine Genesung in irgendeiner Form verzögert oder behindert, dem droht eine Abmahnung oder sogar – insbesondere im Wiederholungsfall – eine fristlose Kündigung.

Rechtstipp: Sollten Sie aufgrund einer Erkrankung oder einer Verletzung arbeitsunfähig sein, informieren Sie sich bei Ihrem Arzt, welche Tätigkeiten sie bedenkenlos ausüben dürfen, um mögliche rechtliche Konsequenzen von vornherein auszuschließen.

Krankmeldung oder Krankschreibung (Attest)?

Das deutsche Arbeitsrecht sieht zwingend vor, dass der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber (entweder den Chef oder einen anderen Personalverantwortlichen) noch vor Arbeitsbeginn über die Arbeitsunfähigkeit in Kenntnis setzt. Dazu reicht bereits ein Telefonanruf aus. Wichtig ist es, dass auch angekündigt wird, wie lange man der Krankheitsfall voraussichtlich andauern wird.

Es gilt zu beachten, dass eine nicht ordnungsgemäße Krankmeldung ein Verstoß gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten bedeutet. In solchen Fällen ist daher ebenso mit einer Abmahnung zu rechnen; insbesondere in Wiederholungsfällen sogar mit einer fristlosen Kündigung.

Von dieser Krankmeldung ist die ärztliche Krankschreibung, das sog. Attest, zu unterscheiden. Ein solches muss in der Regel spätestens nach drei Tagen dem Arbeitgeber vorgelegt werden. Hierbei gilt es zu beachten, dass nicht die Arbeitstage, sondern die Kalendertage zählen. Wer also an einem Freitag aufgrund Arbeitsunfähigkeit ausfällt, muss das entsprechende Attest bereits am Montag seinem Arbeitgeber vorlegen. Ansonsten muss der Arbeitnehmer ebenso mit einer Abmahnung bzw. im Wiederholungsfall mit einer fristlosen Kündigung rechnen.

Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass dieser 3-Tage-Grundsatz vom Arbeitgeber auch eingeschränkt werden kann (so das Bundesarbeitsgericht mit Urteil vom 14.11.2012, Az.: 5 AZR 886/11). Er kann eine Krankschreibung demnach auch bereits am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit verlangen.

Darf der Chef die Arbeitsunfähigkeit kontrollieren?

Es ist richterliche Praxis, dass Kontrollanrufe oder Krankenbesuche des Chefs nicht als Eingriff in die Privatsphäre von den Arbeitsgerichten gewertet werden. Es ist daher besonders ratsam, einen Krankheitsfall nicht vorzutäuschen, da ansonsten eine fristlose Kündigung die rechtliche Konsequenz sein könnte.

Wie verhalte ich mich, wenn ich im Urlaub krank werde?

Lesen Sie dazu unseren Ratgeber „Krank im Urlaub: was tun als Arbeitnehmer mit den Urlaubstagen?

Entgeltfortzahlung und Krankengeld

Wer krank wird, hat in der Regel einen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Dies gilt auch für Teilzeitarbeiter und Minijobber, wenn deren Arbeitsverhältnis seit mindestens vier Wochen besteht. Der Arbeitgeber zahlt das Gehalt bzw. den Lohn dann trotz Krankheit für maximal sechs Wochen weiter.

Nach Ablauf dieser sechs Wochen, zahlt die Krankenkasse ein sog. Krankengeld. Dabei handelt es sich um eine Sozialleistung in Höhe von 70 % des Arbeitsentgelts. Das Krankengeld wird für maximal eineinhalb Jahre gezahlt.

Darf man trotz Krankschreibung zur Arbeit kommen?

Wer aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit eine Krankschreibung ausgestellt bekommen hat, darf dennoch zur Arbeit gehen. Der Versicherungsschutz greift auch in solchen Fällen. Diejenigen Arbeitgeber, die dies zulassen, verstoßen auch nicht gegen ihre Fürsorgepflichten.

Es gilt aber zu beachten, dass die Krankschreibung erlischt, wenn man während seiner Erkrankung zur Arbeit erscheint. Wer also am nächsten Tag erneut arbeitsunfähig wird und daher nicht wieder zur Arbeit erscheinen kann, muss eine neues ärztliches Attest vorlegen.

Rechtstipp: Sollten Sie eine krankheitsbedingte, ungerechtfertigte (!) Kündigung erhalten – oder auch nur eine Abmahnung – so kontaktieren Sie in jedem Fall einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Quelle: Juraforum.de (sk)

Schlagwörter: Krankmeldung, Krankschreibung, Attest, Arbeitsunfähigkeit, arbeitsunfähig, Bettruhe, Entgeltfortzahlung, Krankengeld


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