Fernseh-Kommissar auf falscher Spur – Befristung des Arbeitsverhältnisses zulässig

Autor: , verfasst am 04.09.2017, 11:43| Jetzt kommentieren

Da war Fernseh-Kommissar Richter ganz offensichtlich auf der falschen Spur. In der ZDF-Krimiserie „Der Alte“ überführte er jahrelang Verbrecher. In der Realität der Arbeitswelt scheiterte er oder besser gesagt der Schauspieler jedoch mit seiner Klage vor Gericht. Das Bundesarbeitsgericht entschied mit Urteil vom 30. August 2017, dass es rechtmäßig war, die Arbeitsverträge des Darstellers mehrfach zu befristen und dass keine unzulässige Kettenbefristung des Arbeitsverhältnisses vorlag (Az.: 7 AZR 864-15).

Nach 18 Jahren sah das Drehbuch kein Happy End mehr für den Kommissar vor. Er sollte gehen. „Der Alte“ hatte sozusagen ausgedient und sollte Platz machen für einen anderen Darsteller. Die Serie wurde von einer Produktionsfirma für das ZDF produziert. Diese Firma schloss mit Darstellers sog. „Schauspielerverträge“ ab, die sich auf eine oder mehrere Folgen bezogen. Die Darsteller erhielten Pauschalvergütungen oder Honorare pro Drehtag. Im September 2014 wurde dem Hauptdarsteller mitgeteilt, dass nach zwei weiteren Folgen Schluss für ihn sein sollte und sein Engagement aufgrund der letzten Befristung beendet sei. Zusätzlich sprach die Produktionsfirma noch die außerordentliche fristlose Kündigung und hilfsweise die ordentliche Kündigung aus.

Der Kommissar wollte seine Dienstmarke aber noch nicht abgeben und klagte. Die Befristung des Arbeitsverhältnisses sei unwirksam und das Arbeitsverhältnis bestehe daher weiter fort. Der Schauspieler berief sich auch darauf, dass eine sachgrundlose Befristung des Arbeitsverhältnisses vorgelegen habe. Aufgrund der Vielzahl von Verträgen handele es sich zudem um eine unzulässige Kettenbefristung. Der Kommissar hatte die Rechnung aber ohne die Erfurter Richter gemacht. Das BAG verwies darauf, dass es sich beim Einsatz von Schauspielern um eine besondere Art der Arbeitsleistung handele, die nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) befristet erfolgen dürfe.

Die künstlerische Freiheit und Ausgestaltung der Serie müssten beachtet und mit dem Interesse eines Schauspielers, seine Rolle weiterhin zu bekleiden, abgewogen werden. Letztlich sei das Interesse der Produktionsfirma an der Ausgestaltung der Serie höher zu bewerten. „Die langjährige Verkörperung eines Fernseh-Kommissars ist am Ende eben kein Beamtenjob auf Lebenszeit“, sagt Rechtsanwalt Joachim Schwarz, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner der Kanzlei AJT in Neuss.

„Grundsätzlich war der Kommissar aber auf der richtigen Fährte. Denn die Befristung eines Arbeitsvertrags ist ohne Sachgrund in der Regel nur für maximal zwei Jahre und nur bei Neueinstellungen möglich. Bis zu der Höchstdauer von zwei Jahren können befristete Arbeitsverträge bis zu dreimal verlängert werden. Liegt ein Sachgrund für eine Befristung vor, können sie mehrfach hintereinander befristet werden“, so Rechtsanwalt Schwarz. Allerdings gelten in künstlerischen Bereichen besondere Ausnahmeregeln.

Mehr Informationen: https://www.ajt-partner.de/arbeitsrecht

Schlagwörter: BAG 7 AZR 864-15, befristeter Arbeitsvertrag

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