Darf sich ein Arbeitnehmer private Pakete ins Büro liefern lassen?

Autor: , verfasst am 14.11.2016, 08:27| 1 Kommentar

Arbeitnehmer dürfen sich unter Umständen auch private Pakete an ihren Arbeitsplatz schicken lassen. Was Sie dabei beachten sollten, erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Private Pakete im Büro (© Aberenyi-Fotolia.com)
Private Pakete im Büro
(© Aberenyi-Fotolia.com)

Für viele Arbeitnehmer ist es ein Problem, wenn sie ein Paket erwarten. Sie können es nicht annehmen, weil der Paketbote mitten am Tag klingelt und sie dann nicht zu Hause sind. Manche lassen sich lassen sich deshalb ihr Paket einfach an ihren Arbeitsplatz schicken. Schließlich verfügt ihr Arbeitgeber über einen großzügigen Empfang, deren Mitarbeiter ihre Post gerne annehmen. Doch ist dies Arbeitnehmern ohne Weiteres erlaubt?

Keinesfalls Pakete über Arbeitgeber verschicken

Auf jeden Fall sollten Arbeitnehmer nicht einfach Briefe oder Pakete auf Kosten ihres Arbeitgebers verschicken. Denn hier müssen sie mit ihrer fristlosen Kündigung rechnen. Dies ergibt sich aus einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichtes Rheinland-Pfalz.

Im betreffenden Fall war eine Arbeitnehmerin am Empfang eines Unternehmens beschäftigt. Von dort schickte sie insgesamt 12 Pakete nach Italien. Hierdurch entstanden ihrem Arbeitgeber Kosten in Höhe von 170,00 Euro. Als der Arbeitgeber das erfuhr, stellte er nicht nur diese Aufwendungen in Rechnung. Er schickte ihr auch die fristlose Kündigung.

Hierzu stellte das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 18.12.2013 - 8 Sa 220/13 fest, dass der Arbeitgeber zum Ausspruch der fristlosen Kündigung berechtigt gewesen ist. Denn in dem Verschicken der Pakete auf Kosten des Arbeitgebers liegt ein wichtiger Grund im Sinne von § 626 BGB. Denn hierdurch verstößt sie massiv gegen die Vermögensinteressen des Arbeitgebers. Hiergegen spricht auch nicht, dass die Mitarbeiterin sich in einer Notsituation befand, weil ihre Tochter dringend medizinische Produkte benötigte. Gleichwohl hätte sie dies nicht hinter dem Rücken ihres Arbeitgebers machen dürfen. Aufgrund dieser schwerwiegenden Verletzung ihrer Pflichten aus dem Arbeitsvertrag war eine Abmahnung entbehrlich.

Kündigung wegen Empfang von privatem Paket am Arbeitsplatz?

Fraglich ist, ob dies ebenfalls für den Empfang eines privaten Paketes am Arbeitsplatz gilt. Denn hierdurch wird der Arbeitgeber nicht direkt mit Kosten belasten. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass durch den Empfang auch die Arbeitszeit der übrigen Mitarbeiter in Anspruch genommen wird. Dies könnte zumindest dann bedenklich sein, wenn häufiger Pakete beim Arbeitgeber ankommen. Darüber hinaus wird Lagerfläche beansprucht, bis der Arbeitnehmer sein Paket abholen kommt. Kommt es zu einer erheblichen Beanspruchung, könnte hierin ebenfalls eine Pflichtverletzung aus dem Arbeitsvertrag und somit ein Kündigungsgrund liegen. Arbeitnehmer müssten hier vor allem mit einer Abmahnung rechnen. Allerdings gibt es hierzu noch keine einschlägigen Gerichtsentscheidungen.

Verbot des Arbeitgebers sollte beachtet werden

Arbeitnehmer sollten jedenfalls dann keine privaten Pakete an den Arbeitsplatz schicken lassen, wenn ihr Arbeitgeber das verboten hat. Denn dies ist durch die Weisungsfreiheit des Arbeitgebers gedeckt. Hier müssen Arbeitnehmer bei einem Verstoß auf jeden Fall mit einer Abmahnung und zumindest im Wiederholungsfall mit einer Kündigung durch den Arbeitgeber rechnen.

Fazit:

Arbeitnehmer sollten sich am besten bei ihrem Arbeitgeber danach erkundigen, ob sie sich Pakete an ihrem Arbeitsplatz schicken lassen dürfen. Viele Arbeitgeber werden dafür Verständnis haben, wenn das gelegentlich mal vorkommt.

Dieses Entgegenkommen des Arbeitgebers sollte allerdings auch nicht ausgenutzt werden - etwa durch häufige Bestellungen im Online-Handel. Denn er ist hierzu nicht rechtlich verpflichtet. Ansonsten müssen sich Mitarbeiter nicht wundern, wenn der Arbeitgeber dies verbietet. Hierfür ist er keiner Rechenschaft schuldig. Denn der Empfang von privaten Paketen gehört zum privaten Lebensbereich.

Wenn ein Liefern lassen an den Arbeitsplatz nicht erlaubt ist, gibt es für Arbeitnehmer auch einige Alternativen. Beispielsweise kann man sich bei DHL, Hermes, GLS und einigen anderen Paketdiensten die Pakete etwa an eine Filiale schicken lassen und sie dort abholen.

Quelle: Juraforum.de (Harald Büring)


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Mila  (17.11.2016 12:37 Uhr):
Sehr interessanter Artikel mit sehr nachvollziehbaren Entscheidungen, was die Rechte des Arbeitgebers angeht. Heutzutage gibt es die Möglichkeit, sich ein dringend benötigtes Paket an eine Filiale schicken zu lassen und es dann dort abzuholen. Dafür muss dann nicht der Arbeitsplatz herhalten und man vermeidet ganz nebenbei auch noch Ärger.





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