Darf der Chef bei der Arbeit Kleidungsvorschriften festlegen?

Autor: , verfasst am 07.05.2016, 09:33| 2 Kommentare

Ein Sprichwort besagt „Kleider machen Leute.“ Dies mag stimmen, allerdings ist Geschmack stets subjektiv. Der Arbeitgeber hat jedoch oftmals ein besonderes Interesse daran, dass seine Arbeitnehmer einheitlich und gepflegt auftreten. Konformität und Individualismus stehen sich dabei häufig gegenüber. Darf der Chef allerdings tatsächlich in das allgemeine Persönlichkeitsrecht seiner Mitarbeiter derart eingreifen, dass er Ihnen vorschreibt, welche Arbeitskleidung sie tragen dürfen und welche nicht?
 

Darf der Chef bei der Arbeit Kleidungsvorschriften festlegen? (© Philip Date - Fotolia.com)
Darf der Chef bei der Arbeit Kleidungsvorschriften festlegen?
(© Philip Date - Fotolia.com)

Die Rechtslage

Regelungen über Kleidung und Erscheinungsbild des Arbeitnehmers können sich zunächst aus dem Tarifvertrag oder dem Arbeitsvertrag ergeben. Darüber hinaus hat der Arbeitgeber grundsätzlich eine Weisungsbefugnis. Sinn und Zweck solcher Vorschriften sind jedoch nicht nur etwaige Geschäftsinteressen, sondern auch die Unfallverhütung. Dennoch ist das Weisungsrecht nicht grenzenlos, der Arbeitgeber darf nämlich nicht im Einzelfall unverhältnismäßig agieren. Er muss außerdem den Gleichbehandlungsgrundsatz beachten (vgl. Arbeitsgericht Köln mit Urteil vom 05.04.2011, Az.: 12 Ca 8659/10).
 

Kleidungsvorschriften wegen Geschäftsinteressen

Der Arbeitgeber hat in vielen Fällen selbstverständlich ein besonderes Geschäftsinteresse, schließlich lässt sich von dem Erscheinungsbild der Arbeitnehmer auch auf das Erscheinungsbild des Unternehmens schließen (vgl. dazu auch die Ausführungen des Bundesarbeitsgerichts im Urteil vom 13.02.2003, Az.: 6 AZR 536/01). Darüber hinaus kann eine strikte Kleiderordnung auch zu einem positiveren Verhältnis unter den Mitarbeitern führen. Deshalb darf ein Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern beispielsweise auch das Tragen bestimmter Unterwäsche vorschreiben, wenn wegen einer schlecht sitzenden und sichtbaren Unterhose des Arbeitnehmers das Arbeitsumfeld mitsamt Dritten belästigt wird. Aus diesen Gründen darf ein Arbeitgeber von seinen Arbeitnehmern auch erwarten, dass diese ein Mindestmaß an Hygiene einhalten. Dazu gehört nicht nur das regelmäßige Waschen, sondern bei Männern auch das regelmäßige Rasieren.
Eine Form von „Geschäftsinteresse“ besteht allerdings auch bei staatlichen Arbeitgebern. So darf beispielsweise von einem Justizvollzugsbeamten verlangt werden, dass er seine Uniform dergestalt trägt, dass seine Tätowierungen nicht zu sehen sind (so das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz mit Urteil vom 10.06.2005, Az.: 2 A 10254/05).
 

Kleidungsvorschriften zur Prävention von Unfällen

Der Arbeitgeber darf natürlich aber auch diverse Regelungen hinsichtlich der Kleiderordnung treffen, um die Sicherheit am Arbeitsplatz zu gewähren. Er darf deshalb beispielsweise auf einer Baustelle von seinen Bauarbeitern verlangen, dass diese stets ihre Schutzhelme und Sicherheitsschuhe tragen (so das Arbeitsgericht Frankfurt am Main mit Urteil vom 21.05.2002, Az.: 4/17 Ca 7415/01). Aus Gründen der Unfallverhütung dürfen beispielsweise Arbeiter an Maschinen auch grundsätzlich keine Ketten, Ringe oder Piercings tragen.
 

Kleidungsvorschriften im Einzelfall

Anzug / Kostüm / Dienstkleidung:
Bei den Berufen, in denen der Dresscode Anzug oder Kostüm vorsieht, darf der Arbeitnehmer in der Regel Farbe, Stoff und Muster frei wählen. Etwas anderes gilt nur, wenn eine Dienstkleidung fest vorgeschrieben ist; hiervon darf dann nicht abgewichen werden.

Hemd / Bluse:
Gleiches gilt auch hinsichtlich Hemden und Blusen. Der Arbeitgeber darf bestimmte Hemden und Blusen aber dann verbieten, wenn sie zu bunt oder zu freizügig sind.

Strümpfe / Unterwäsche:
Der Arbeitgeber darf grundsätzlich Farben oder Designs von Strümpfen oder Unterwäsche nicht vorschreiben. Etwas anderes gilt aber auch hier, wenn zumindest die Unterwäsche gut sichtbar und anstößig ist.

Schuhe:
Der Arbeitnehmer ist grundsätzlich auch frei bei der Wahl seiner Schuhe, solange keine Sicherheitsschuhe vorgeschrieben sind. Besteht Anzug- bzw. Kostümpflicht, kann der Arbeitgeber allerdings herkömmliche Straßen- und Sportschuhe verbieten.

Schmuck / Piercings / sonstige Accessoires:
Der Arbeitnehmer hat hinsichtlich Schmuck, Piercings und sonstigen Accessoires grundsätzlich ebenso freie Wahl, solange von ihnen keine Gefahr für den Arbeitnehmer ausgeht. Der Arbeitgeber kann jedoch dann ein Verbot aussprechen, wenn Schmuck, Piercings und sonstige Accessoires überhand nehmen.

Frisur:
Die Frisur ist grundsätzlich ebenso allein Sache des Arbeitnehmers. Etwas anderes gilt auch insoweit nur dann, wenn beispielsweise lange Haare ein Sicherheitsrisiko darstellen. Der Arbeitgeber kann jedoch auch hier, wie bei Schmuck, Piercings und sonstigen Accessoires, eine branchenübliche Zurückhaltung verlangen.

Kleidungsvorschriften bei Hitze:
Der Arbeitgeber muss selbstverständlich bei Hitzewellen auf seine Arbeitnehmer Rücksicht nehmen, weshalb legere Kleidung anstatt des Anzuges oder des Kostüms ausnahmsweise zulässig ist, soweit sie der branchenüblichen Zurückhaltung genügen.
 

Was passiert, wenn man sich nicht an die Kleidungsvorschriften hält?

Wer gegen die Kleidungsvorschriften des Arbeitgebers verstößt, kann nicht gleich gekündigt werden. Der Arbeitgeber muss zuerst eine Abmahnung aussprechen. Eine Kündigung ist jedoch dann möglich, wenn die Abmahnung erfolglos blieb.
Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber „Abmahnung erhalten – was tun als Arbeitnehmer?“.


Quelle: Sebastian Klingenberg, ref. iur.

Schlagwörter: Kleidungsvorschrift, Dresscode, Arbeitskleidung, Dienstkleidung, Arbeitgeber, Arbeitnehmer, vorschreiben, verbieten, Unfallverhütung, Hemd, Bluse, Anzug, Kostüm, Unterwäsche, Strümpfe, Schmuck, Piercing, Frisur


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (2)

Schuh_Freak  (15.09.2016 12:15 Uhr):
Sehr guter Artikel! Ich selbst habe diesbezüglich auch schon sehr negative Erfahrungen bei einem Arbeitgeber gemacht... Mit meinem jetzigen bin ich allerdings mehr als Zufrieden und bekomme meine Arbeitskleidung inklusive Sicherheitsschuhe auch von diesem gestellt.
Max  (15.05.2016 00:42 Uhr):
Das wäre ja noch schöner wenn der Arbeitgeber sagt welche Schuhe man tragen darf und welche nicht. Wobei man ja ohnehin oft welche gestellt bekommt bzw. hat man nur einen geringen Freibetrag und dan ohnehin nicht die große Wahl...





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