Darf der Arbeitgeber ab dem ersten Tag eine Krankmeldung verlangen?

Autor: , verfasst am 16.01.2017, 08:51| Jetzt kommentieren

Arbeitnehmer, die krank und dadurch arbeitsunfähig geworden sind, müssen eine Krankmeldung an ihren Arbeitgeber schicken. Was müssen Arbeitnehmer dabei beachten? Das erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Darf der Arbeitgeber ab dem ersten Tag eine Krankmeldung verlangen? (© mkrberlin / fotolia.com)
Darf der Arbeitgeber ab dem ersten Tag eine Krankmeldung verlangen?
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Arbeitnehmer sind häufig unsicher, wie sie sich bei einer Erkrankung verhalten sollen. Das gilt vor allem, wenn sie aufgrund dessen nur ein oder zwei Tage ihren Arbeitsplatz nicht aufsuchen können. Manche glauben, dass sie erst nach drei Tagen eine Krankmeldung abgeben brauchen. Dies ist jedoch ein gefährlicher Irrtum. Vielmehr muss zwischen der Krankmeldung und der Krankschreibung durch den Arzt unterschieden werden.

Worauf Arbeitnehmer bei der Krankmeldung achten müssen

Wenn ein Arbeitnehmer aufgrund einer Krankheit nicht arbeiten kann, muss er sich so schnell wie möglich bei seinem Arbeitgeber eine Krankmeldung abgeben. Dies ergibt sich aus § 5 Abs. 1 Satz 1 des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG). Hiernach muss der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber seine Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit unverzüglich mitteilen. Unverzüglich bedeutet hier, dass der Arbeitnehmer dies so schnell wie möglich erledigen muss. Er ist hierzu am ersten Tag der Erkrankung verpflichtet. Normalerweise muss der Arbeitgeber die Krankmeldung am ersten Tag zum Arbeitsbeginn erhalten. Lediglich das Losschicken zu diesem Zeitpunkt reicht nicht aus (vgl. BAG, Urteil vom 31. 08.1989, 2 AZR 13/89).

Am besten sollte dem Arbeitgeber die Krankmeldung bereits innerhalb der ersten Stunden ab Arbeitsbeginn vorliegen. Um dies sicherzustellen, sollten Sie Ihre Krankmeldung nicht mit der Post schicken. Vielmehr sollten Sie normalerweise auf Telefon, Fax oder E-Mail zurückgreifen. Wichtig ist allerdings, dass der Arbeitgeber vorschreiben kann, auf welche Weise die Krankmeldung zu erfolgen hat. So etwas kann etwa im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung drinstehen. Hieran sollten Sie sich als Arbeitnehmer halten. Dis gilt auch dann, wenn Sie noch nicht beim Arzt gewesen sind beziehungsweise dieser noch keine Diagnose gestellt hat. Denn Ihr Arbeitgeber braucht eine schnelle Krankmeldung, damit er sich besser auf diese Situation einstellen kann.

Was bei der Krankschreibung beachtet werden muss

Darüber hinaus muss der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen, die von einem Arzt ausgestellt sein muss. Normalerweise muss diese Krankschreibung an die Personalabteilung geschickt werden. Der Arbeitnehmer braucht sie daher im Regelfall erst beizubringen, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage gedauert hat. Wichtig ist, dass es sich hierbei um Kalendertage und nicht um Arbeitstage handelt.

Allerdings dürfen Arbeitgeber verlangen, dass Arbeitnehmer bereits bei einer kürzeren Dauer der Arbeitsunfähigkeit eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlegen. Er kann beispielsweise schon dann eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen, wenn der Arbeitnehmer nur an einem Tag krank gewesen ist. Dies ergibt sich aus der Vorschrift von § 5 Abs. 1 Satz 2 EFZG. Hierfür braucht der Arbeitgeber keine Gründe zu nennen. Dies hat das Bundesarbeitsgericht BAG mit Urteil vom 14.11.2012 - 5 AZR 886/11 klargestellt. Wichtig ist allerdings, dass diese Aufforderung des Arbeitgebers keine Schikane oder Willkür gegenüber dem jeweiligen Arbeitnehmer darstellen darf. Dies muss sich allerdings aus konkreten Anhaltspunkten ergeben. Die Krankmeldung darf auch durch eine andere Person als den Arbeitnehmer erfolgen. Sie können also auch einen Dritten damit beauftragen, wenn Sie etwa zu der Krankmeldung nicht in der Lage sind.

Tarifvertrag kann anderweitige Regelung vorsehen

Wichtig ist, dass der Tarifvertrag hierzu eine abweichende Regelung vorsehen kann, nach Arbeitnehmer beispielsweise eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erst nach einer Arbeitsunfähigkeit von zwei oder drei Tagen vorlegen muss. Hieran ist der Arbeitgeber normalerweise gebunden.

Fazit:

Arbeitnehmer sollten eine Krankmeldung sowie eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von ihrem Arzt unbedingt rechtzeitig einreichen. Ansonsten ist der Arbeitgeber unter Umständen zu einer Abmahnung oder sogar zu einer ordentlichen Kündigung berechtigt. Vor allem sollten Sie keine Arbeitsunfähigkeit vortäuschen. Dann darf Sie Ihr Arbeitgeber fristlos kündigen.

(Harald Büring)


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