Wie hoch ist die Hinzuverdienstgrenze bei Hartz IV?

Autor: , verfasst am 15.01.2015, 07:57| 8 Kommentare

Das Arbeitslosengeld II (ALG II; Hartz IV) dient der Grundsicherung des Lebensunterhalts von Bedürftigen. Seit dem 01.01.2015 erhalten Empfänger des Arbeitslosengeldes II monatlich 399,- €, zudem werden angemessene Kosten für Wohnung und Heizung übernommen. Dieser Regelsatz orientiert sich an den Verbraucherpreisen sowie am Lohnniveau. Vielen Hartz IV-Empfängern erscheint diese 399 Euro nicht ausreichend und sie würden sich gerne etwas Geld hinzuverdienen. Die Sorge, dass ihnen dieser Verdienst von ihren Leistungen abgezogen wird und sie somit keinerlei finanzielle Vorteile hätten, ist jedoch groß. Ist sie auch begründet? Wie hoch ist die Hinzuverdienstgrenze bei Hartz IV?

Hartz IV (© bilderbox - Fotolia.com)
Hartz IV
(© bilderbox - Fotolia.com)

Grundsätzlich hat jeder Hartz IV- Empfänger das Recht, einen Mini- beziehungsweise Midijob anzunehmen. Während er bei ersterem bis zu 450,- € monatlich verdient, kann er bei einem Midi-Job ein Einkommen bis 850,- € im Monat erzielen. Eine Kürzung der Sozialleistungen ist dabei allerdings unvermeidlich. Ein Empfänger von ALG II darf monatlich 100,- € hinzuverdienen, ohne dass dieses Einkommen auf seine Grundsicherung angerechnet wird. Verdient er mehr, so staffeln sich die Freibeträge je nach Einkommenshöhe: bei einem Einkommen zwischen 100,01 € und 1.000,- € werden 20 % davon angerechnet; liegt das monatliche Einkommen zwischen 1.000,01 € und 1.200,- €, so erhöht sich diese Freigrenze um nochmals 10%. Zu beachten ist, dass sich der Betrag von 1.200,- € auf 1.500,- € brutto erhöht, wenn der Empfänger von Sozialleistungen mit seinem minderjährigen Kind in einer Bedarfsgemeinschaft lebt. Verdient der Leistungsempfänger hingegen mehr als 1.200,- € beziehungsweise 1.500,- € im Monat, so steht ihm kein Freibetrag zu: sein gesamtes Einkommen wird auf das Arbeitslosengeld II angerechnet. Ausnehmen bestehen in jenen Fällen, in denen der Hinzuverdienst einmalig erfolgte: selbst, wenn ein derartiges Einkommen über der Hinzuverdienstgrenze liegt, führt dies nicht zur Einstellung der Sozialleistungen. Vielmehr wird der betreffende Zuverdienst bei der Abrechnung auf mehrere Monate aufgeteilt.

Einkommen

Freibetrag

bis 450,- €

100,- € (= Grundfreibetrag)

bis 850,- €

100,- € plus 20 % des Einkommens, das über 100,- € liegt

zwischen 850,- € und 1.200,- €
ohne minderjährigem Kind

100,- € plus 20 % des Einkommens, das über 100,- € liegt plus 10 % des Einkommens, das über 850,-€ liegt

zwischen 1.200,- € und 1.500,- €
mit minderjährigem Kind

100,- € plus 20 % des Einkommens, das über 100,- € liegt plus 10 % des Einkommens, das über 850,-€ liegt

über 1.200,- € / 1.500,- €

kein Freibetrag, Einkommen wird voll auf das ALG-II angerechnet

 

Zur Verdeutlichung: Ein Hartz IV-Empfänger verdient in einem Mini-Job 450,- € im Monat. Gemäß § 11b SGB II steht ihm für dieses Einkommen ein Freibetrag in Höhe von 100,- € zu. Somit verbleibt ein Einkommen von 350,- €, von dem 20% abgezogen werden, wodurch sich ein anzurechnendes Einkommen von 280,- € ergibt. Dieser Betrag wird mit den Sozialleistungen nach Hartz IV verrechnet: anstelle der 399,- Euro Regelbedarf im Monat erhält er 119,- €. Im Endeffekt bleiben dem Hartz IV-Empfänger von seinem Minijob-Verdienst 170,- € übrig.

Wenn die tatsächlichen Aufwendungen den Grundfreibetrag von 100,- € übersteigen – beispielsweise bei hohen Fahrtkosten zum Arbeitsplatz -, so werden diese berücksichtigt. Wichtig hierbei ist jedoch ein diesbezüglicher Nachweis, der dem zuständigen Jobcenter vorgelegt werden muss.

Hartz IV-Empfänger, welche einem Ein-Euro-Job nachgehen, dürfen das dadurch erzielte Einkommen vollumfänglich behalten.

Zu beachten ist, dass generell jede Art von Nebenjob dem Jobcenter gemeldet werden muss. Versäumt ein Empfänger von Sozialleistungen dies, so kann seine Tätigkeit als Schwarzarbeit angesehen werden, wodurch er sich nicht nur strafbar i. S. d. Strafgesetzes macht, sondern unter Umständen auch seine Sozialleistungen verwirken kann.

Schlagwörter: Hinzuverdienstgrenze Hartz IV, Hartz IV, ALG II, Arbeitslosengeld II


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (8)

Timifi  (18.11.2015 18:33 Uhr):
Hallo, wie sieht die Rechtsprechung aus, wenn ich (im selben Monat) einen Nebenverdienst hatte und meine minderjährige Tochter die mit mir in einer Bedarfsgemeinschaft wohnt ebenfalls durch einen Fernsehdreh Einnahmen hatte (während der Schulzeit). Hätte meine Tochter dann nicht, so wie ich, einen Grundfreibetrag von 100,00 € . Somit für jede von uns 100,00 € frei zusammen 200,00 €. Oder gilt das nur für mich weil meine Tochter unter § 23 SGB II fällt weil sich noch Schülerin ist???
Mic  (13.11.2015 13:37 Uhr):
Hallo, Bin seit 01.11.2015 in einem 20 Std. sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis. Ich habe mtl. 1057€ brutto, was bleibt mir von meinem Verdienst? Und...ich fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln, muss die Arge die Kosten der Monatskarte tragen bzw mit anrechnen? Danke im Voraus für die Antwort
Axel  (31.07.2015 08:55 Uhr):
Hallo, bleibt der Freibetrag immer 100,--€, egal wieviele Personen in der Bedarfsgemeinschaft leben?
schumi  (06.07.2015 19:37 Uhr):
ja ich verdiene 75Euro Maximal beim Austragen von Werbung, dass Liebe Amt meinte ohne Vertrag zu sehen gehaben ich bekäme 200Euro dafür und zog mir einfach 80Euro ab im Juli. Wollte ja Vertrag abgeben der an der Anmeldung meinte bräuchten ihn nicht, dass habe ich jetzt davon. Gab Vertrag und Brief dazu vor 3 Wochen ab, es tut sich aber gar nichts. Hauptsache drohen wenn bis 22.6 Lohnzettel da zu sein hat. Obwohl die aber genau wissen, dass er immer erst am Folgemonat kommt. Fing am 1.6 wieder damit an. mir will landtagsabgeordneter helfen, ist es in 2 Wochen nicht da. selbst wenn ich mIndestlohn mal 4Stunden mal 4Wochen rechne, komme ich nur auf 136Euro.
Xenia  (01.07.2015 18:50 Uhr):
Mein Sohn und ich leben in einer Bedarfsgemeinschaft. Er erhält 150,--€ Alg ii und 200,--€ Unterhalt vom Vater. Ich erhalte 150,--€ Grundsicherung und 200,--€ Unterhalt vom Ehemann. Wieviel darf mein Sohn dazuverdienen, ohne Abzüge zu haben?
artep  (06.05.2015 03:53 Uhr):
Wie soll man die Nachweise erbringen, in welcher Form? Habe Tankbelege...reicht das als Nachweis für Fahrkosten?
mikka phost  (03.05.2015 05:02 Uhr):
Bei einer versicherungspflichtige Arbeit habe ich einen Unfall erlitten. Nun soll ich eine Rente in Höhe von 20% auch nachträglich erhalten. Wird die Nachzahlung und die künftige Rentenzahlung als Einkommen und teils als Schmerzensgeld angesehen? Wie viel darf das Jobcenter verrechnen?
dehesi  (16.03.2015 17:24 Uhr):
Was muss ein Unternehmer beachten, wenn er 1 oder 2 Mitarbeiterinnen für 170 € beschäftigt ?





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