Was kostet ein Rechtsanwalt?

Autor: , verfasst am 16.01.2017, 11:41| Jetzt kommentieren

Manch einer zögert wegen vermeintlich hoher Kosten, sich an einen Anwalt zu wenden. Natürlich ist auch die Tätigkeit des Anwalts, wie jede andere Dienstleistung, mit Kosten verbunden. Eine wirkliche Überraschung müssen die Anwaltskosten nicht sein, wenn Sie sich bereits im Vorfeld darüber informieren. Und Sie werden nicht selten feststellen, dass Sie die Höhe des Honorars für Ihren Anwalt weit überschätzt haben.

Was kostet ein Rechtsanwalt? (© vege - Fotolia.com)
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Für die Anwaltsgebühren maßgebend ist das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz. Dieses ist recht komplex und unübersichtlich aufgebaut und kann für Laien sehr kompliziert nachzuvollziehen sein. Sie müssen das Gebührenrecht auch nicht bis in Detail verstehen. Sprechen Sie mit Ihrem Anwalt über die bevorstehenden Kosten, er wird Ihnen gerne darüber Auskunft erteilen.

JuraForum-Tipp: Sollten Sie eine Rechtsschutzversicherung besitzen, klären Sie im Vorfeld ab, welche Kosten von dieser übernommen werden.

 

Die Erstberatung ist nicht umsonst

Es hält sich weiterhin der Mythos, dass die Erstberatung bei einem Rechtsanwalt kostenlos sei. Dem ist jedoch nicht so. Auch das Erstberatungsgespräch bei einem Anwalt wird in Rechnung gestellt. Sie können mit Ihrem Anwalt ein Pauschalhonorar vereinbaren oder der Anwalt richtet sich nach den gesetzlichen Vorgaben. Für Verbraucher darf ein Beratungsgespräch maximal 190 Euro plus MwSt. kosten. Hier können Sie aber vorab mit Ihrem Anwalt sprechen, meist fallen die Kosten deutlich niedriger aus. Sollten Sie sich nach der Erstberatung dazu entschließen, diesem Anwalt das Mandat zu übertragen, werden die Gebühren für die Erstberatung mit den Folgekosten verrechnet.

Außergerichtliche Tätigkeit

Sie haben eine rechtliche Frage und möchten sich gerne beraten lassen? Dann wenden Sie sich für ein Beratungsgespräch an einen Anwalt. Sind Sie Verbraucher, darf das Beratungsgespräch mit maximal 190 Euro zzgl. MwSt. in Rechnung gestellt werden, es sei denn, Sie haben mit Ihrem Anwalt eine individuelle Beratungspauschale vereinbart, die auch höher ausfallen darf.

Wenn Sie nicht nur den Rat Ihres Anwalts einholen wollen, sondern möchten, dass er Sie außergerichtlich vertritt, sind die Nummern 2300 ff. Vergütungsverzeichnis einschlägig. Es kann eine Gebühr von 0,5 bis 2,5 in Rechnung gestellt werden. In vielen Fällen beträgt die Gebühr für eine außergerichtliche Vertretung 1,3. Nur bei sehr umfangreichen oder schwierigen Tätigkeiten kann der Anwalt mehr in Rechnung stellen. Für die Gebühren wird jeweils der Gegenstandswert zugrunde gelegt. Zu den außergerichtlichen Vertretungen gehört es beispielsweise, schriftliche Korrespondenzen zu führen, etwa mit Ihrem Arbeitgeber.

Die wichtigsten Informationen zur außergerichtlichen Tätigkeit:

  • Ihr Anwalt kann auch außergerichtlich für Sie tätig werden, etwa, indem er Schreiben für Sie aufsetzt oder Sie berät.
  • Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz gibt auch hier wieder die gesetzlichen Gebühren vor.
  • Der Anwalt kann auch Stundensätze verlangen, wenn dies mit Ihnen vereinbart wird.
  • Die Höhe des Stundensatzes variiert und ist vor allem auch abhängig von der Schwere und Komplexität des Sachverhalts, auch wird ein Fachanwalt oder eine international renommierte Großkanzlei hier wohl mehr verlangen als eine kleine, mittelständische Kanzlei.
  • Es kann auch ein festes Pauschalhonorar vereinbart werden.
JuraForum-Tipp: Als Mandant erweist sich vor allem die Variante des Pauschalhonorars als sehr sinnvoll und empfehlenswert. So können Sie von Anfang an wesentlich besser kalkulieren und planen und ersparen sich böse Überraschungen am Ende.

 

Die gerichtliche Vertretung:

Dann wäre da noch die gerichtliche Vertretung, die ein Anwalt für Sie übernehmen kann. Denn nicht jedes Rechtsproblem lässt sich außergerichtlich beilegen. Wenn Ihr Anwalt vor Gericht für Ihre Rechte einsteht, kann er hierfür eine 1,3-fache Verfahrensgebühr in Rechnung stellen. Hierauf angerechnet wird eine außergerichtlich bereits angefallene Geschäftsgebühr. Die Anrechnung erfolgt zur Hälfte, höchstens jedoch mit einer Gebühr von 0,7. Es können weitere Gebühren hinzukommen. Bei einem Gerichtstermin kommt für die Vertretung eine 1,2-fache Termingebühr hinzu. Und sollte es vor Gericht zu einem Vergleich kommen, ist eine weitere 1,0-fache Vergleichsgebühr fällig. Für die Berechnung der Gebühren ist hier der Gegenstandswert ausschlaggebend, um den es vor Gericht geht.

Die wichtigsten Informationen zur gerichtlichen Vertretung:

  • Die Kosten unterscheiden sich nicht wirklich von Anwalt zu Anwalt.
  • Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz regelt die Kosten für die gerichtliche Vertretung.
  • Handelt es sich um eine zivilrechtliche Angelegenheit, wird zur Kostenberechnung der Streitwert zugrunde gelegt.
  • Ihnen ist dennoch die Möglichkeit gegeben, eine Gebührenvereinbarung mit Ihrem Anwalt zu treffen.
  • Durch eine Gebührenvereinbarung ist es dem Anwalt auch möglich, höhere Gebühren als die durch das RVG vorgegebenen zu verlangen.
JuraForum-Tipp: Online lassen sich verschiedene Tools finden, mit denen Sie Ihre Anwaltskosten berechnen können, um sich einen ungefähren Überblick zu verschaffen.

 

Das Anwaltshonorar entspricht übrigens nicht dem Gewinn des Anwalts! Hier sollten Sie sich nicht irritieren lassen und davon ausgehen, dass Sie Ihren Anwalt persönlich reich machen. Auch Ihr Rechtsanwalt hat Ausgaben wie Miete, Haftpflichtversicherung und Personalkosten etc


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