Nach der Mandatserteilung – Wie geht es weiter?

Autor: , verfasst am 16.01.2017, 11:48| Jetzt kommentieren

Das Mandat wurde erteilt – und nun?

 (© Martina Berg - Fotolia.com)

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Wenn unsere Anwaltssuche Sie mit dem für Sie passenden Anwalt zusammengeführt hat, können Sie ihm das Mandat erteilen. Danach beginnt der Rechtsanwalt mit der Bearbeitung des Falls.

  • Gutachten werden erstellt und Anwaltsschreiben verfasst.
  • Es erfolgt eine eingehende Prüfung des Sachverhalts.
  • Sie werden über jeden Schritt auf dem Laufenden erhalten.
  • Sie sollten eine Kopie erhalten von jeglicher schriftlicher Korrespondenz, die Ihr Anwalt für Sie führt.

Wenn Sie Ihre Ansprüche vor Gericht geltend machen möchten, sollten Sie sich in Geduld üben. Die Bearbeitungszeiten der Gerichte bringen meist längere Wartezeiten mit sich. Hieran kann auch ein Anwalt nichts ändern.

Machen Sie Ihrem Anwalt die Arbeit leichter

Ihr Rechtsanwalt kann immer nur so gut arbeiten, wie Sie ihm zuarbeiten. Dies bedeutet, dass Sie offen und ehrlich alle Fakten auf den Tisch legen müssen. Informieren Sie Ihren Anwalt über alle Änderungen der Sachlage – und zwar zeitnah. Haben Sie Schreiben erhalten die für den Fall relevant sind, etwa von Behörden, lassen Sie diese Ihrem Anwalt zukommen. Stellen Sie eine Dokumentenmappe zusammen, sodass alle wichtigen Unterlagen jederzeit griffbereit verfügbar sind. Auch kann es nicht schaden, eine Art Rechts-Tagebuch zu führen. Dort sollte man Konversationen vermerken, wichtige Daten notieren oder den Eingang von Schreiben festhalten. Ihrem Anwalt wird es so deutlich leichter gemacht, auf wichtige Daten zuzugreifen, wenn er diese benötigt.

Scheuen Sie sich nicht, zu fragen

Sie haben dem Anwalt das Mandat erteilt, er ist in Ihrem Interesse für Sie tätig. Daher sollten Sie nicht zögern auch nachzufragen, wenn Ihnen etwas unklar erscheint. Nutzen Sie die Treffen zum Beratungsgespräch, um alle offenen Fragen zu klären. Machen Sie sich ggf. Notizen, um keines der Themen zu vergessen, die Sie ansprechen möchten. Sie müssen sicher nicht jede juristische Feinheit verstehen, sollten aber dennoch interessiert und involviert bleiben. Immerhin geht es hier um Ihr gutes Recht. Fragen sind in jedem Fall gestattet.

Hintergrundinformationen: Welches Gericht ist für meinen Rechtsstreit zuständig?

Sollte eine Beratung oder ein anwaltliches Schreiben nicht ausreichen, um das juristische Problem aus der Welt zu schaffen, wird es zu einer Gerichtsverhandlung kommen. Auch hier können Sie auf Ihren mandatierten Anwalt vertrauen, dass dieser Sie vor dem Oberlandesgericht, dem Landgericht, Amtsgericht, Arbeitsgericht, Finanzgericht oder vor einem der anderen Gerichte vertreten wird.

Viele Rechtsstreitigkeiten werden vor dem Amtsgericht ausgetragen. Dieses ist für Zivilverfahren zuständig, deren Streitwert 5.000 Euro nicht überschreitet. Ebenfalls zuständig ist das Amtsgericht auch bei Familiensachen sowie bei Mietsachen. Hierbei kommt es jedoch nicht auf die Höhe des Streitwerts an. Weitere Zuständigkeiten ergeben sich u.a. auch aus Vormundschaftssachen oder Insolvenzverfahren.

Auch Strafverfahren werden durch das Amtsgericht behandelt. Und zwar dann, wenn der Angeklagte eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe zu erwarten hat, die die Dauer von zwei Jahren nicht übersteigt. Geht man von einer Freiheitsstrafe von zwei bis vier Jahren aus, wird das Amtsgericht als Schöffengericht tätig.

Vor dem Amtsgericht beispielsweise werden nicht nur Verhandlungen geführt. Das Gericht erfüllt vielfältige weitere Aufgaben. Normalerweise ist eine Anweisungsstelle vorhanden. Diese ist dafür da, Zeugen zu entschädigen oder Dolmetscher und Sachverständige zu vergüten. Auch Informationen zum Thema Bewährungshilfe eingeholt werden können.

Ebenfalls eine wichtige Rolle im Gerichtsalltag spielen Landgerichte. Diese Gerichtsbarkeit ist für Zivilverfahren zuständig, deren Streitwert über 5.000 Euro anzusiedeln ist. Das Landgericht agiert zudem auch als Berufungsgericht. Sollte Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts eingelegt werden, wird diese vor dem Landgericht verhandelt. Das Landgericht macht zudem bei der Verhandlung von Strafsachen dort weiter, wo die Zuständigkeit des Amtsgerichts endete. Tötungsdelikte sowie Verbrechen mit Todesfolge werden u.a. vor dem Landgericht verhandelt. Ebenso Fälle, bei denen mit einer mehr als vierjährigen Haftstrafe zu rechnen ist.

Möchten Sie sich gegen Entscheidungen des Landgerichts wehren, so ist hierfür wiederum das Oberlandesgericht zuständig. Auch Berufungen und Beschwerden, die sich aufgrund von familiengerichtlichen Entscheidungen ergeben, werden hier verhandelt.

Geht es hingegen um erstinstanzliche Streitigkeiten aus einem Arbeitsverhältnis, wendet sich Ihr Rechtsanwalt an das Arbeitsgericht. Dasselbe gilt, wenn es sich um Streitigkeiten handelt, die auf dem Betriebsverfassungsrecht oder dem Tarifvertrag beruhen. Wenn es darum geht, Berufung oder Beschwerde gegen Entscheidungen des Arbeitsgerichts Hamburg einzulegen, beschäftigt sich hiermit das Landesarbeitsgericht.

Streitigkeiten, für die der Verwaltungsrechtsweg offen steht, landen hingegen vor dem Verwaltungsgericht. Dies kann etwa der Fall sein bei Auseinandersetzungen, die das Asylrecht, das Polizeirecht oder das Schulrecht betreffen.

Eine weitere Gerichtsbarkeit stellt das Sozialgericht dar. Dieses Gericht wird angerufen, wenn es um öffentlich-rechtliche Streitigkeiten geht. Zum Beispiel wenn die Sozialversicherung oder das Schwerbehindertenrecht betroffen ist.

Nicht vergessen sollte man auch das Finanzgericht. Auch hierfür muss eine öffentlich-rechtliche Streitigkeit vorliegen, damit sich eine Zuständigkeit ergibt. Jedoch muss sich diese um bundesgesetzliche Abgabenangelegenheiten drehen  oder eine Problematik behandeln, bei der es um Landessteuern geht. Was kompliziert klingt, kann jedoch durchaus relevant im Alltag sein. Etwa dann, wenn es um eine Klage gegen einen Steuerbescheid geht oder Sie sich gegen einen Kindergeldbescheid wehren wollen.

Sie müssen sich jedoch keine Sorgen darüber machen, im Zweifel das falsche Gericht anzurufen. Ihr Rechtsanwalt weiß, was zu tun ist, und wird sich um alles was die Klageerhebung betrifft kümmern.

Hintergrundinformationen: Wie läuft ein Gerichtsverfahren?

Für Gerichtsprozesse gibt es genaue Verfahrensregeln. Nicht jede Verhandlung ist gleich, hier kommt es immer darauf an, vor welchem Gericht und in welchem Fachgebiet verhandelt wird.

Viele Verhandlungen die geführt werden, gehören dem breitgefassten Bereich des Zivilrechts an. In diesem Fall kann ein typischer Ablauf eines Gerichtsverfahrens so aussehen:

  • Es wird durch den Anwalt eine Klageschrift verfasst, die dann bei dem Gericht eingereicht wird
  • Dadurch beginnt das Verfahren
  • Nun werden Sie aufgefordert, den Gerichtskostenvorschuss zu zahlen
  • Erst wenn der Gerichtskostenvorschuss bezahlt ist, wird die Bearbeitung der Klage fortgesetzt und auch der anderen Partei schließlich zugestellt
  • Ihr Gegner kann sich schriftlich zur Klage äußern
  • Anschließend obliegt es dem Gericht, einen Termin anzusetzen, an dem mündlich verhandelt wird
  • Oftmals wird es vorher noch mit einem Gütetermin versucht, bei dem auf einen Einigungsvorschlag abgezielt wird
  • Ist es nicht möglich, eine Einigung zu erzielen, geht es direkt in die mündliche Verhandlung über

 Rechnen Sie nicht damit, noch am selben Tag das Urteil zu erfahren. Dies kann seine Zeit dauern, daher wird ein extra Termin dafür genannt. Ab diesem Termin ist es Ihrem Anwalt dann möglich, sich telefonisch bei Gericht zu melden und die Entscheidung zu erfragen.

Es sind also viele Schritte notwendig bei einem Gerichtstermin. Doch jeder dieser Schritte kann Sie Ihrem Ziel, nämlich der Durchsetzung Ihrer Ansprüche und Rechte, etwas näher bringen. Wichtig ist hierfür natürlich, dass Sie einen kompetenten Anwalt an Ihrer Seite haben, der sich für Sie stark macht.

JuraForum-Tipp: Machen Sie sich keine Sorgen, ob Sie alle wichtigen Schritte bei einer Gerichtsverhandlung einhalten. Ihr Anwalt weiß stets, was zu tun ist und wird alle Formalitäten für Sie durchführen.

 

Hintergrundinformationen: Was ist ein Terminsvertreter und wann sollten dessen Dienste in Anspruch genommen werden?

In § 13 Zivilprozessordnung steht: „Der allgemeine Gerichtsstand einer Person wird durch den Wohnsitz bestimmt.“ Gerichtsstand bedeutet hier, der Ort, an dem sich das zuständige Gericht befindet. Geklagt werden kann also nicht an einem beliebigen Gericht, sondern es muss jeweils der geltende Gerichtsstand und somit die örtliche Zuständigkeit des Gerichts beachtet werden. Eine Person muss jeweils an ihrem Gerichtsstand verklagt werden.

Für Sie kann dies also bedeuten: Wenn Sie beispielsweise in Berlin wohnen und eine Person aus Hamburg verklagen möchten, müssen Sie sich das sachlich zuständige Gericht in Hamburg wenden. Sie haben nun zwei Möglichkeiten:

  • Sie beauftragen einen Anwalt direkt in Hamburg
  • Sie beauftragen einen Anwalt bei Ihnen vor Ort in Berlin

Vorzugswürdig ist in jedem die zweite Variante. Natürlich obliegt es Ihnen, welchem Rechtsanwalt Sie das Mandat erteilen, doch es gibt einige gute Gründe, die dafür sprechen, dass Sie sich an einen Anwalt vor Ort halten.

  • Besprechungen können persönlich und nicht nur am Telefon durchgeführt werden.
  • Gerade erklärungsbedürftige Fälle lassen sich einfacher in einem persönlichen Gespräch erörtern.
  • Es würde viel Zeit, Geld und Aufwand kosten, regelmäßig die Fahrt auf sich zu nehmen.
  • Das Vertrauensverhältnis zwischen Anwalt und Mandant wächst vor allem durch die persönliche Beziehung, ausschließlich Telefonate und E-Mail schaffen Distanz.

Sie haben sich nun also entschieden, sich an einen Rechtsanwalt zu wenden, auch wenn sich das sachlich und örtlich zuständige Gericht in einer anderen Stadt befindet. Für Ihren Anwalt kann es sich jedoch nicht immer zeitlich und finanziell lohnen, die Termine vor Ort am Gericht wahrzunehmen. Schließlich muss auch die Kanzlei weitergeführt werden und ständige auswärtige Gerichtstermine würden hier zu einer Vernachlässigung der Arbeit vor Ort führen.

Hier kommt nun der sogenannte Terminsvertreter ins Spiel. Bei ihm handelt es sich um einen Korrespondenzanwalt, der sich am Ort des Gerichts aufhält, in dem Bespiel Fall also Hamburg. Ihr Anwalt aus Berlin wird den Terminsvertreter einschalten und ihn über den Sachverhalt in Kenntnis setzen, sodass dieser die Termine vor Gericht in Hamburg wahrnehmen kann. Sie haben also weiterhin Ihren Anwalt als direkten Ansprechpartner in Berlin, dieser wird jedoch in Hamburg durch den Terminsvertreter vertreten.

JuraForum-Tipp: Sie können auch einen Anwalt bei Ihnen vor Ort beauftragen, auch wenn sich die Gerichtsverhandlungen in einer anderen Stadt abspielen sollten.

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