Kinderlärm als Kündigungsgrund?

24.08.2017, 14:03 | Kanzleinews & Personalia | Jetzt kommentieren


Kinderlärm als Kündigungsgrund?
Kinderlärm wird oft als störend empfunden. Insbesondere wenn man sich zu Hause entspannen oder im Fall einer Erkrankung erholen möchte, kann das schreiende Baby der Nachbarin den letzten Nerv rauben.

Aber kann Kinderlärm den Vermieter zur Kündigung oder den Nachbarn zur Mietminderung berechtigen?

Die unbefriedigende Antwort von uns Juristen lautet wie so oft: Es kommt darauf an. Die Rechtsprechung verlangt grundsätzlich erhöhte Toleranz gegenüber Kindern und Jugendlichen. Babys schreien nun einmal und lassen sich auch nicht immer beruhigen. Kleinkindern ist schwer verständlich zu machen, dass es die Nachbarn stört, wenn sie durch die Wohnen hopsen und auf den Boden stampfen. Hierbei ist es auch unerheblich, wenn dies außerhalb der Ruhezeiten geschieht. Den natürlichen Bewegungsdrang eines Kindes haben die Nachbarn stets auszuhalten. Dies auch wenn das Kind sehr aktiv ist oder sehr oft schreit. Natürlich dürfen auch Freunde eingeladen werden.

Rechtsprechung zu Kinderlärm

Grenzen gibt es bei Kinderlärm, der von älteren Kindern verursacht wird. Diese müssen seitens der Eltern davon abgehalten werden, mit dem Fahrrad durch die Wohnung zu fahren oder Inlineskater zu benutzen (AG Celle 11 C 1768/01). Auch ein ständiges Springen von Möbeln haben die Eltern zu unterbinden. Hier liegt eine Aufsichtspflichtverletzung der Eltern vor. Diese müssen auf ihre Kinder einwirken, dass diese ihren Bewegungstrieb möglichst rücksichtsvoll ausüben (LG Bad Kreuznach, 1 S 21/01). Auch üblicher Lärm soll nach einem Urteil des LG Hannover, 19 S 88/14, die Kündigung des Mietverhältnisses rechtfertigen, wenn er sehr lang und insbesondere auch zu den Ruhezeiten erfolgt. Hierbei ändert auch nichts, dass der Lärm an sich sozialädaquat ist. Das Gericht nahm in diesem Fall Anstoß an der Dauer der Geräuschbelästigung, die zudem auch teilweise nachts erfolgten.

Auch außerhalb des Hauses erzeugten Lärm müssen die Nachbarn in der Regel aushalten. So hat das LG Wuppertal in seinem Urteil vom 29.07.2008, 16 S 25/08 den Mietern Recht gegeben. Deren fünfjähriger Sohn hatte im zum Haus gehörenden Garagenhof gespielt, obwohl dies verboten war. Dies geschah aber nur gelegentlich, zudem grenzte der Hof direkt an den daneben liegenden Spielplatz an und lud geradezu zum Spielen ein. Eine Pflichtverletzung der Eltern, die eine Kündigung berechtigen würde, konnte der Mieter daher nicht erkennen.

Haben Sie Fragen zum Thema Kündigung wegen Kinderlärms? Vereinbaren Sie einen Termin in meinem Büro!


Quelle: Kanzlei Scheibeler | kanzlei-scheibeler.de


Weitere Nachrichten zum Thema
  • BildStraftat in erweitertem Führungszeugnis allein kein Kündigungsgrund (23.10.2013, 11:22)
    Cottbus (jur). Arbeitnehmer dürfen nicht allein wegen in einem erweiterten Führungszeugnis aufgeführter Straftaten gekündigt werden. Die Auflistung einer strafrechtlichen Verurteilung bedeutet noch keine unzumutbare Beeinträchtigung des...
  • BildVorurteile wegen HIV-Infektion kein Kündigungsgrund (09.10.2013, 10:29)
    Straßburg (jur). Entlässt ein Arbeitgeber auf Druck der Belegschaft einen HIV-infizierten Angestellten, stellt dies eine Diskriminierung und einen Verstoß gegen das Recht auf Achtung des Privatlebens dar. Dies hat am Donnerstag, 3. Oktober 2013,...
  • BildAlkoholkrankheit kann Kündigungsgrund sein (09.08.2012, 09:07)
    München (jur). Alkoholabhängigkeit kann ein Kündigungsgrund sein. Das gilt dann, wenn die Tätigkeit durch Alkoholkonsum für andere oder auch den Arbeitnehmer selbst gefährlich werden kann, heißt es in einem jetzt schriftlich veröffentlichten...
  • BildKündigungsgrund muss nach mündlicher Verhandlung genannt werden (19.01.2012, 15:21)
    Erfurt (jur). Wehren sich Arbeitnehmer mit einer Klage gegen ihre Entlassung, müssen sie spätestens bis Ende der mündlichen Verhandlung vor dem Arbeitsgericht alle Argumente für die Unwirksamkeit der Kündigung vorbringen. Das Arbeitsgericht muss...
  • BildAktivitäten für NPD und JN als Kündigungsgrund? (13.05.2011, 10:10)
    Aktives Eintreten für eine verfassungsfeindliche Partei oder deren Jugendorganisation kann die personenbedingte Kündigung eines im öffentlichen Dienst beschäftigten Arbeitnehmers begründen. Das gilt auch dann, wenn die Partei nicht durch das...
  • BildMietwohnung: Gewerbeausübung ohne Vermietererlaubnis kann Kündigungsgrund sein (16.07.2009, 11:56)
    Ausübung von Gewerbe in der Mietwohnung Der unter anderem für das Wohnraummietrecht zuständige VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte zu entscheiden, ob die Ausübung eines Gewerbes in einer zu Wohnzwecken vermieteten Wohnung eine...
  • BildRauchen als Kündigungsgrund (22.06.2009, 15:45)
    Köln/Berlin (DAV). Ein Verstoß gegen das Rauchverbot in einem Unternehmen kann nach einer Abmahnung eine fristgerechte Kündigung rechtfertigen. So urteilte das Landesarbeitsgericht Köln am 1. August 2008 (AZ: 4 Sa 590/08), berichtet die...
  • BildHäufige Fehler nicht unbedingt Kündigungsgrund (12.01.2009, 19:14)
    Erfurt/Berlin (DAV). Arbeitet ein Arbeitnehmer fehlerhaft, so kann dies ein Grund für eine verhaltensbedingte Kündigung sein. Allein dadurch, dass er die durchschnittliche Fehlerhäufigkeit im Betrieb überschreitet, verstößt er aber noch nicht...
  • BildEinmaliger Toilettenschlaf ist kein Kündigungsgrund (06.04.2006, 17:52)
    Berlin (DAV). Wer einmalig am Arbeitsplatz schläft darf nicht gekündigt werden, wenn er lange Jahre einwandfreie Arbeit geleistet hat. Dies teilt die Deutsche Anwaltauskunft mit Hinweis auf ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Hamm vom 26....

Ähnliche Themen in den JuraForen


Kommentar schreiben

89 - A ch_t =

Bisherige Kommentare zur Nachricht (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.

JuraForum-Newsletter

Kostenlose aktuelle Urteile und Rechtstipps per E-Mail:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.