Werbungskosten bei Verlusten wegen betrügerischem Makler

29.06.2017, 11:08 | Mietrecht & WEG | Jetzt kommentieren


Werbungskosten bei Verlusten wegen betrügerischem Makler
München (jur). Ist ein Grundstücksinteressent von einem Makler um den gezahlten Kaufpreis betrogen worden, kann der Verlust steuerlich als Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung geltend gemacht werden. Voraussetzung hierfür ist aber, dass er tatsächlich zum Kauf und zur Vermietung des Grundstücks entschlossen war, entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem am Mittwoch, 28. Juni 2017, veröffentlichten Urteil (Az.: IX R 24/16).

Im konkreten Fall wollte der aus Hessen stammende Kläger im Juni 2000 eine Villa mitsamt Grundstück kaufen. Ein Immobilienmakler gab wahrheitswidrig an, mit dem Verkauf beauftragt worden zu sein. Der Grundstücksinteressent stimmte dem Kauf zu und übergab dem Makler schließlich 3,5 Millionen Mark (1.789.521 Euro) als Kaufpreis, 400.000 Mark (204.516 Euro) Provision und 100.000 Dollar als „Handgeld“. Der Makler sicherte zu, dass er das Geschäft bei Barzahlung in der Schweiz zum Abschluss bringen wolle.

Der Verkauf kam jedoch zunächst nicht zustande. Das erhaltene Geld verwendete der Makler für sich. Der Mann wurde vom Landgericht deshalb zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt.

Steuerabzug wurde vom Finanzamt abgelehnt

Der geprellte Kläger kaufte schließlich doch noch das Objekt und vermietete das Haus an gewerbliche Mieter, das Dachgeschoss bewohnte er selbst.

In seiner Einkommensteuererklärung machte er den anteilig auf den vermieteten Teil des Gebäudes entfallenden Betrugsschaden in Höhe von 3.555.150 Mark (1.817.719 Euro) als vorab entstandene Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung steuermindernd geltend.

Sowohl das Finanzamt als auch das Hessische Finanzgericht lehnten den Steuerabzug ab. Die ohne rechtliche Grundlage geleisteten Zahlungen führten nicht zu Werbungskosten.

Hauskaufinteressent muss zum Kauf entschlossen gewesen sein

Dem widersprach nun der BFH in seinem Urteil vom 9. Mai 2017. Voraussetzung für die Geltendmachung von Werbungskosten sei aber, dass der Kaufinteressent bei Gabe des Geldes auch wirklich zum Erwerb und zur Vermietung des Grundstücks entschlossen war. Dies sei hier der Fall gewesen, da der Kläger nach dem Betrug dennoch das bebaute Grundstück gekauft und vermietet hat.

Die Münchener Richter verwiesen das Verfahren an das Finanzgericht allerdings zurück. Dieses muss noch prüfen, in welchem Zeitpunkt und damit in welchem Steuerjahr der Kläger davon ausgehen musste und durfte, dass er sein Geld von dem Makler nicht mehr zurückbekommen würde.

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