Zwischenzeugnis

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Erklärung zum Begriff Zwischenzeugnis

Abgesehen von dem halbjährlichen Schulzeugnissen, die im Volksmund ebenfalls gerne Zwischenzeugnisse genannt werden, ist das Zwischenzeugnis ein Arbeitszeugnis, das in einem Arbeitsverhältnis verlangt werden kann, wenn dies tariflich oder vertraglich so vereinbart wurde, genauso aber,  wenn der Arbeitnehmer ein berechtigtes Interesse hat.

So ist es möglich, dass dem Arbeitnehmer bereits eine Kündigung angedroht wurde oder er vorhat, Weiterbildungsmaßnahmen zu belegen oder sich an anderer Stelle zu bewerben. Auch eine Veräußerung des Betriebes ist Grund, ein Zwischenzeugnis nachzufragen. Wird der Arbeitnehmer in eine andere Abteilung desselben Unternehmens versetzt oder tritt eine längerdauernde Unterbrechung der Arbeitstätigkeit ein, beispielsweise durch Elternzeit, ist es dem Arbeitnehmer möglich, eine Zwischenbeurteilung zu verlangen. Form und Inhalt eines Zwischenzeugnisses sind identisch mit der Form eines klassischen Arbeitszeugnisses. Steht bereits das Datum fest, zu dem der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt, wird kein Zwischenzeugnis ausgestellt, sondern ein „vorläufiges Abschluss-Zeugnis“. 

Triftige Gründe für ein Zwischenzeugnis

Ein Zwischenzeugnis kann grundsätzlich angefordert werden, wenn zum Beispiel ein Arbeitsplatzwechsel innerhalb der Firma erfolgt. Doch auch schon der Wechsel des Vorgesetzten kann Grund genug sein, ein entsprechendes Urteil einzufordern. Wurde die Beschäftigung, in der lange Zeit gearbeitet wurde, noch niemals beurteilt, ist dies ebenso ein durchaus triftiger Grund, ein Zwischenzeugnis zu verlangen. Auch eine Betriebsübernahme, natürlich das bevorstehende Ende des Beschäftigungsverhältnisses, beispielsweise durch einen Aufhebungsvertrag, rechtfertigen ein Zwischenzeugnis. Der einleuchtendste Grund für ein in der Gegenwartsform gehaltenes Zwischenzeugnis ist die Tatsache, dass Zwischenzeugnisse aus diversen Gründen nahezu immer deutlich besser ausfallen als Endzeugnisse. Die Ursachen sind differenziert. In aller Regel ist der Arbeitgeber aber daran interessiert, weiter mit dem Arbeitnehmer zusammenzuarbeiten, er möchte mit dem Zeugnis motivieren und ein positives Feedback geben. Genauso ist es möglich, dass der Arbeitnehmer mit einem guten Zeugnis „hinauskomplimentiert“ werden soll. Auch könnte ein positiv formuliertes Zwischenzeugnis eine Hilfestellung für schnellere Arbeitssuche bei einer drohenden betriebsbedingten Kündigung sein.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 11.11.2015 08:17
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 11.11.2015 08:17


 
 

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Entscheidungen zum Begriff Zwischenzeugnis

  • BildLAG-KOELN, 10.12.2006, 4 (5) Ta 437/06
    Der Streitwert für ein Zwischenzeugnis beträgt regelmäßig ein halbes Bruttomonatsgehalt.
  • BildLAG-HAMM, 13.02.2007, 19 Sa 1589/06
    1. Der Arbeitnehmer hat nach der Kündigung des Arbeitsverhältnisses während des Laufs des Kündigungsschutzprozesses ein Wahlrecht, ob er ein Endzeugnis oder ein Zwischenzeugnis verlangt. 2. Hat der Arbeitnehmer auf sein Verlangen ein Endzeugnis erhalten, kann er nicht zusätzlich noch ein Zwischenzeugnis beanspruchen. Denn das...
  • BildBAG, 16.10.2007, 9 AZR 248/07
    Hat der Arbeitgeber zuvor ein Zwischenzeugnis erteilt, ist er regelmäßig an den Inhalt des Zwischenzeugnisses gebunden, wenn er ein Endzeugnis erteilt. Dies gilt auch, wenn der Betriebsveräußerer das Zwischenzeugnis vor einem Betriebsübergang erteilt hat und der Arbeitnehmer das Endzeugnis vom Betriebserwerber verlangt.
  • BildLAG-KOELN, 30.08.2007, 10 Sa 482/07
    1. Zum Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. 2. Zur Frage, ob die elternzeitbedingte Ausfallzeit in einem Zeugnis erwähnt werden darf. 3. Kein Anspruch auf Umstellung der Wortreihenfolge "Kollegen - Vorgesetzte" in "Vorgesetzte - Kollegen" bei der Verhaltensbeurteilung im Zeugnis.
  • BildLAG-KOELN, 06.12.2013, 11 Ta 321/13
    Der Streitwert für ein Zwischenzeugnis ist in der Regel mit einem halben Monatsgehalt festzusetzen, da es für den Arbeitnehmer nur von vorübergehender Bedeutung ist. Wird der Anspruch auf Erteilung eines Zwischenzeugnisses im Rahmen einer Kündigungsschutzklage geltend gemacht, so kann es angemessen sein, ein Bruttomonatsgehalt in...
  • BildLAG-KOELN, 23.11.2011, 11 Ta 265/11
    1. Der Streitwert für ein Zwischenzeugnis ist in der Regel mit einem halben Monatsgehalt festzusetzen, da es für den Arbeitnehmer nur von vorübergehender Bedeutung ist (z. B.: LAG Köln, Beschluss vom 02.05.2011 - 2 Ta 122/11 -; LAG Köln, Beschluss v. 23.12.2010 – 4 Ta 436/10 -; LAG Köln, Beschluss v. 12.04.2010 – 8 Ta...
  • BildLAG-SCHLESWIG-HOLSTEIN, 23.10.2007, 2 Sa 213/07
    Hat ein Arbeitgeber kurze Zeit vor Ausscheiden eines Arbeitnehmers ein Zwischenzeugnis erteilt, so ist er an die in dem Zwischenzeugnis enthaltene Bewertung von Führung und Leistung des Mitarbeiters gebunden, es sei denn, es sind inzwischen Tatsachen bekannt geworden, die eine Abänderung verlangen. Hat eine Rechtsanwalts- und...
  • BildLAG-NIEDERSACHSEN, 13.03.2007, 9 Sa 1835/06
    1. Die Formulierung in einer Aufhebungsvereinbarung, "der Arbeitnehmer erhalte ein wohlwollendes, qualifiziertes Zeugnis auf Basis des Zwischenzeugnisses. Der Zeugnistext werde auf Basis des Zwischenzeugnisses formuliert", verpflichtet den Arbeitgeber, ein mit dem Zwischenzeugnis inhaltsgleiches Endzeugnis zu erstellen. Der Wortlaut...
  • BildLAG-BADEN-WUERTTEMBERG, 29.11.2007, 11 Sa 53/07
    1. Der Arbeitgeber ist berechtigt, im Zwischenzeugnis für eine Krankenschwester ein gegen diese bei Zeugniserteilung noch laufendes Ermittlungsverfahren wegen Mordversuchs an Patienten zu erwähnen. 2. Ein Anspruch auf Entfernung des entsprechenden Zeugnishinweises besteht allerdings, aber auch nur dann, wenn die Staatsanwaltschaft das...
  • BildLAG-KOELN, 18.07.2007, 9 Ta 164/07
    1. Wird in einem gerichtlichen Vergleich über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses festgelegt, dass für ein zu erteilendes Arbeitszeugnis "Inhalt und Struktur" eines früher erteilten Zwischenzeugnisses maßgebend sein soll, so ist bei der Bemessung des Vergleichsstreitwerts für diese Regelung ein Monatsbezug in Ansatz zu bringen,...

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