Zuschüsse der Bundesagentur für Arbeit

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Erklärung zum Begriff Zuschüsse der Bundesagentur für Arbeit

Die Bundesagentur für Arbeit gewährt in bestimmten Konstellationen finanzielle Hilfe. Grob zu unterscheiden sind die Zuschüsse für den Aufbau einer eigenen Existenz und die Zuschüsse, die Arbeitgeber unter bestimmten Bedingungen für die Einstellung von Personal erhalten. Der Bürger hat grundsätzlich keinen Anspruch rechtlicher Art auf diese Leistungen. Auch werden sie nur bewilligt werden, wenn auch genügend Haushaltsmittel vorhanden sind. Es ist notwendig, diese Hilfen bei der Bundesagentur für Arbeit zu beantragen.

 

Leistungen für den Betrieb

So existieren beispielsweise die Eingliederungszuschüsse, abgekürzt EGZ. Ein Arbeitgeber, der Arbeitnehmer einstellt, die herkömmlicherweise im Arbeitsmarkt aufgrund von besonderen Persönlichkeitsmerkmalen nicht unterzubringen wären, sie nennen sich offiziell 'Arbeitnehmer mit Vermittlungshemmnissen', erhält solche Zuschüsse. Doch auch für das Einstellen von behinderten oder schwerbehinderten Menschen, für Berufsrückkehrer, für junge Leute unter 25 Jahren und ältere Arbeitnehmer über 50 kann es Eingliederungszuschüsse geben.

Es existiert auch der sogenannte Eingliederungsgutschein für Arbeitnehmer über dem 50. Lebensjahr. Ferner gibt es einen sogenannten Ausbildungsbonus bei der Ausbildungsübernahme. Nimmt ein Arbeitgeber, ein Ausbilder einen Jugendlichen, der seinen Ausbildungsplatz aufgrund der Insolvenz, der Schließung oder auch Stilllegung seines Ausbildungsbetriebes verloren hat, in seinem Unternehmen als entsprechenden Auszubildenden auf, hat er die Möglichkeit bis zu 6000 Euro, bei behinderten Auszubildenden noch 30 Prozent mehr an Zuschüssen von der Bundesagentur zu erhalten.

Weiter existiert die sogenannte Einstiegsqualifizierung EQ, das Praktikum. Die Unternehmen als Arbeitgeber, Ausbilder, die die sogenannte betriebliche Einstiegsqualifizierung anbieten, können eine Vergütung beantragen. Die Einstiegsqualifizierung ist ein Instrument auf dem Arbeitsmarkt und soll der ' Vermittlung von Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeiten' dienen. Und zwar für jugendliche Arbeitnehmer, die ein Vermittlungshemmnis aufweisen. Ein solches Praktikum wird maximal 1 Jahr dauern.

Ferner gibt es noch eine Förderung der Beruflichen Weiterbildung. Hat ein Arbeitnehmer keinen Berufsabschluss, ist er ungelernter Arbeiter und stellt ihn ein Arbeitgeber trotzdem ein, kann er einen Zuschuss beantragen. Der zweite Teil der Zuschüsse ist der Zuschuss zur Existenzgründung, der sogenannte Gründungszuschuss.

 

Der Existenzgründungszuschuss

Die Bundesagentur für Arbeit gewährt einen Existenzgründungszuschuss für all diejenigen Arbeitslosen in Arbeitslosengeld I, eventuell auch in anderen Leistungen nach SGB III, die ein eigenes Unternehmen gründen möchten.  Doch sind natürlich einige Voraussetzungen zu erfüllen. Zuvorderst muss der Antragsteller noch einen Anspruch auf Arbeitslosengeldleistungen von wenigstens 150 Tagen aufweisen. Der Arbeitsvermittler wird das geplante Unternehmen sehr genau begutachten. Es hat eine selbstständige, hauptberufliche Tätigkeit zu sein.

Der Arbeitsvermittler muss den Eindruck haben, der Antragsteller habe die notwendigen persönlichen und fachlichen Eignungen, dieses Gewerbe selbstständig auszuüben. Das neue Unternehmen selbst muss ein tragfähiges, zukunftsweisendes Konzept beinhalten. Es ist von großem Vorteil hier auch belegbare Tatsachen vorzuweisen. Das Amt wird auch darauf achten, ob die notwendigen materiellen Voraussetzungen für das neue Unternehmen gegeben sind. Es ist sehr wichtig zu wissen, dass grundsätzlich kein Rechtsanspruch auf diesen Zuschuss besteht. Der Arbeitsvermittler wird nach eigenem, mehr oder weniger subjektiven Erwägungen entscheiden.

 

Voraussetzungen für den Gründungszuschuss

Einen Antrag kann nur derjenige stellen, der bis wenigstens einen Tag vor dem Antrag auch ALG I bekommen hat. In seltenen Ausnahmefällen können auch Leistungsempfänger, die kein ALG I beziehen, einen Antrag auf Gründungszuschuss beantragen und auch bewilligt bekommen. Abzuwarten, bis das Arbeitslosengeld ausgelaufen ist, um dann eine Firma zu gründen, damit mehr oder weniger die Zahlung des Arbeitslosengeldes zu verlängern, ist nicht gestattet, es muss ein restlicher Anspruch von 150 Tagen verblieben sein.

Der Arbeitsvermittler wird nicht jede Idee akzeptieren. Vielmehr wird er nach Kräften versuchen, dem Vermittlungsvorrang am Arbeitsmarkt entsprechend, den Arbeitnehmer in den Arbeitsmarkt einzugliedern, eine Vermittlungsalternative zu suchen. Das meint, ein ordentliches Arbeitsverhältnis wird aller Wahrscheinlichkeit nach Vorrang haben. Den Vermittler zu überzeugen wird nur durch tatsächliche stichhaltige Argumente, durch die Vorlage einer überlegten Finanzierung, eines ausgezeichneten Businessplans möglich sein. Dazu gehört selbstverständlich, und wie ersichtlich, besonders wertvoll, das adäquate Auftreten dem Vermittler gegenüber.

Pünktlichkeit und Bemühung, eigenes Engagement sind bestimmt wichtig, um nicht nur den Arbeitsvermittler zu überzeugen. Die fachliche Eignung kann man anhand von Zeugnissen darlegen, die persönliche Eignung muss man im Alltag beweisen. Was für den Vermittler zählt, sind harte, überlegte Tatsachen. Eine Liquiditätsplanung, eine Rentabilitätsanalyse.

 

Höhe und Dauer des Gründungszuschusses

Die Förderung wird zweigeteilt, ist zweiphasig. In der ersten Zeit, genauer sechs Monate lang, erhält der Existenzgründer die gleiche Summe, die er als Arbeitsloser bezogen hatte. Zusätzlich, weil er nun auch die soziale Absicherung für sich selbst betreiben muss, will meinen, er muss sich freiwillig versichern, erhält er noch 300 Euro. Nach diesem halben Jahr erfolgt sozusagen eine 'Betriebsprüfung'. Will meinen, die Bundesagentur für Arbeit wird fachmännisch überprüfen, ob die Zielsetzungen erreicht worden sind, ob sich die Tragfähigkeit des Konzepts bewiesen hat. Es ist von großem Vorteil, wenn veranschlagte Ziele erreicht wurden. Denn fällt diese grundlegende Beurteilung positiv aus, wird sich eine zweite Phase der Förderung ergeben. Sie dauert gewöhnlich 9 Monate. In diesen neun Monaten wird die Agentur die Hilfe für die soziale Absicherung in Höhe von dreihundert Euro weiter bezahlen.

 

Hinzuverdienst

Nun ist die Lage eines Existenzgründers, der schon vorher relativ wenig verdient hat, darum auch ein entsprechend niedriges Arbeitslosengeld I von der Bundesanstalt für Arbeit bezogen hatte, nicht besonders rosig. Gerade am Anfang eines Unternehmens stehen oft große Ausgaben für Werbung und Anschaffung von Gerätschaften. So wird es dem normalen Menschenverstand entsprechen, wenn kein Arbeitslosengeld mehr bezogen wird, das eigene Unternehmen aber noch keine oder nicht genügende Gewinne abwirft, einer Nebentätigkeit nachzugehen.

Kann man diese nicht in die selbstständige Tätigkeit integrieren, die Gewinne also in deren Bilanz einfließen lassen, beispielsweise durch eine 'Unternehmenssparte', erfährt die Bundesagentur davon, dass mehr als 15 Stunden in der Woche in einer Nebentätigkeit verbracht wurden, wird der Zuschuss zu den Sozialleistungen gestrichen. Wie viel man in den 15 Wochenstunden erwirtschaftet, spielt im Übrigen keine Rolle. 

 

Die benötigten Unterlagen

  • Vom Gewerbeamt oder dem Finanzamt den Nachweis der Anmeldung der selbständigen Tätigkeit
  • Eine Umsatz- und Rentabilitätsvorschau
  • Einen Finanzierungsplan
  • Einen tabellarischen Lebenslauf
  • Einen ausgefüllten Antrag auf den Zuschuss zur  Gründung
  • Ein Gutachten von einer fachkundigen  Stelle, auch Tragfähigkeitsbescheinigung genannt
  • Einen Businessplan mit Kapitalbedarfsplan

Es ist grundsätzlich nicht anzuraten, eine Selbständigkeit anzunehmen, wenn die Voraussetzungen grundsätzlich, nach reiflicher Überlegung nicht gegeben sind. Die finanzielle Belastung, die entsteht, wenn man wieder in das herkömmliche Berufsleben zurückkehren möchte, kann erheblich sein.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 31.08.2017 09:26
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 31.08.2017 09:26


 
 

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