Vormund

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Erklärung zum Begriff Vormund

Als "Vormundschaft" wird die Wahrnehmung sämtlicher persönlicher und vermögensrechtlicher Angelegenheiten eines Mündels bezeichnet. Dadurch unterscheidet sie sich von der Pflegschaft, welche sich nur auf einen begrenzten Kreis von Angelegenheiten bezieht. „Mündel“ ist in diesem Zusammenhang eine unmündige Person, welche demzufolge (noch) keine Geschäftsfähigkeit besitzt. Seit der Betreuungsrechtsreform im Jahre 1992 ist ein Mündel grundsätzlich nicht volljährig. Zuvor war es möglich, volljährige Personen zu entmündigen und unter Vormundschaft zu stellen; diese Option wurde ersetzt durch eine rechtliche Betreuung, die seitens des Gerichts angeordnet wird.

Ihre gesetzliche Regelung erhält die Vormundschaft aus den §§ 1773 ff. BGB.

Eine Vormundschaft wird gemäß § 1789 BGB durch das Vormundschaftsgericht angeordnet. Ein Minderjähriger erhält einen Vormund, wenn er nicht unter elterlicher Sorge steht beziehungsweise die Eltern keine Berechtigung zur Vertretung Minderjähriger besitzen. Auch, wenn die Eltern des betreffenden Minderjährigen nicht zu ermitteln sind, wird dieser unter Vormundschaft gestellt. Somit ist eine Vormundschaft als eine Ersatzsorge für eine hilfebedürftige Person angesehen.

Ein Vormund ist demzufolge eine Person, welche die Vormundschaft für ein Mündel übernimmt und somit ihr gesetzlicher Vertreter wird. Sowohl geschäftsfähige Personen, mehrere Personen zusammen, das Jugendamt, als auch ein Verein können als Vormund fungieren. Darüber hinaus kann eine sagenannte „Mitvormundschaft“ seitens des Gerichts angeordnet werden. Diese erfolgt dahingehend, dass das Gericht die Vormundschaft in bestimmte Wirkungskreise aufteilt und an mehrere Personen/Institutionen übergibt.

Das Mündel hat den Vormund anzunehmen; mit Vollendung des 14. Lebensjahres hingegen hat es das Recht, ihn abzulehnen. In derartigen Fällen muss seitens des Gerichts ein neuer Vormund bestellt werden.

Zu beachten ist, dass jeder deutsche Staatsbürger zur Übernehme einer Vormundschaft verpflichtet ist, wenn er seitens des Familiengerichts dazu aufgefordert wird. Ausnahmen bestehen lediglich dann, wenn triftige Gründe dagegen sprechen, welche gemäß §§ 1781 – 1786 BGB definiert werden.



 




Mitwirkende/Autoren:
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Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von Gast, 22.11.2015 10:30


 
 

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Entscheidungen zum Begriff Vormund

  • BildBAYOBLG, 07.05.2002, 1Z BR 52/02
    Dem Fürsorgeverein steht keine Vergütung zu, wenn einer seiner Mitarbeiter persönlich zum Vormund eines Minderjährigen bestellt wird.
  • BildOLG-NAUMBURG, 23.11.2004, 8 UF 189/04
    Gegen die Bestellung zum Ergänzungspfleger oder Vormund können sich nur das minderjährige Kind, seine Eltern und jetzigen Pflegeeltern sowie das Jugendamt wenden. Verwandte und Verschwägerte sind hiervon ausgeschlossen.
  • BildOLG-NAUMBURG, 23.11.2004, 8 UF 190/04
    Gegen die Bestellung zum Ergänzungspfleger oder Vormund können sich nur das minderjährige Kind, seine Eltern und jetzigen Pflegeeltern sowie das Jugendamt wenden. Verwandte und Verschwägerte sind hiervon ausgeschlossen.
  • BildOLG-NAUMBURG, 23.11.2004, 8 UF 199/04
    Gegen die Bestellung zum Ergänzungspfleger oder Vormund können sich nur das minderjährige Kind, seine Eltern und jetzigen Pflegeeltern sowie das Jugendamt wenden. Verwandte und Verschwägerte sind hiervon ausgeschlossen.
  • BildBAYOBLG, 07.01.2002, 1Z BR 36/01
    Der Anspruch eines ehrenamtlichen Vormunds auf Aufwandsentschädigung (§ 1835 a BGB) entfällt nicht deswegen, weil der Vormund für den in seiner Familie aufgenommenen Mündel Pflegegeld nach § 39 SGB VIII bezieht
  • BildOLG-CELLE, 19.04.2011, 15 UF 76/10
    Zwischen der Vereinsvormundschaft und der bestellten Amtsvormundschaft besteht kein Rangverhältnis dahingehend, dass das Jugendamt nur subsidiär als Vormund bestellt werden kann. Die Auswahl erfolgt ohne gesetzliche Vorgabe im Rahmen des dem Familiengericht zustehenden Ermessens.
  • BildOLG-HAMM, 19.01.2011, 8 UF 263/10
    1. Den Großeltern des betroffenen Kindes steht kein eigenes Beschwerderecht zu, wenn der Muttter die elterliche Sorge entzogen wird und dem Begehren der Großmutter, zum Vormund bestellt zu werden, nicht entsprochen wird. 2. Zur Verbleibensanordnung gem. § 1632 Abs. 4 BGB.
  • BildBGH, 29.05.2013, XII ZB 530/11
    a) Ein Vormund ist im Sinne des § 1909 Abs. 1 Satz 1 BGB nicht bereits dann an der Besorgung einer Angelegenheit des Mu?ndels verhindert, wenn er aufgrund fehlender Gescha?ftsgewandtheit oder mangelnder Sachkunde kein geeigneter Sachwalter seines Mu?ndels ist. b) Die Bestellung eines Rechtsanwalts zum Erga?nzungspfleger fu?r einen...
  • BildOLG-NAUMBURG, 06.06.2002, 14 UF 78/02
    Wird eine Unterbringung genehmigt, so ist gemäß § 70 f Abs. 1 Nr. 2 FGG in der Entscheidung die nähere Bezeichnung der Unterbringungsmaßnahme anzugeben. Die Auswahl der Einrichtung obliegt hingegen dem Vormund, nicht aber dem Familiengericht.
  • BildLAG-BERLIN-BRANDENBURG, 26.11.2010, 6 TaBV 1159/10
    1. Ein im Angestelltenverhältnis beschäftigter Vormund ist kein Tendenzträger. 2. Angesichts der rechtlichen Vorgaben für das Tätigwerden angestellter Vormünder genügt eine allgemeine Dienst- und Fachaufsicht nicht, um einen Leitenden Vormund zum Tendenzträger zu machen. 3. Soweit im Falle der Versetzung eines Tendenzträgers eine...

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  • vormundschaft (23.06.2011, 09:26)
    Einen wunderschönen guten morgen ich bin neu hir! so habe mal ne frage der vormund eines Kindes kümmerte sich nicht 3 jahre lang um das kind. Wurde immer zur großen schwester abgegeben somit war sie für die im dem sin verandwortlich für die kleene. jetz aber wurde der vormund darauf hingewissen das sie sich um die kleene zu...
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