Impressum | Registrierung | Foren-Login
 
Disclaimer | Datenschutz | RSS-Feeds

JuraForum.deJuraForum-WikiUUntreue 

Untreue

Lexikon

(0)
 

Erklärung zum Begriff Untreue

1. Objektiver Tatbestand

Der § 266 StGB schützt das individuelle Vermögen des Treugebers und nicht das Vertrauen in die Pflichttreue des Täters oder die Redlichkeit des Rechtsverkehrs. Sie bildet gemeinsam mit dem Betrug den Kernbereich des Vermögensstrafrechts.

Die Untreue enthält zwei Tatbestände, einmal den Missbrauchs- und einmal den Treubruchstatbestand. § 266 I Var.1 beschreibt den Missbrauchstatbestand.
Bei dieser Handlungsart besteht die Tathandlung in einer im Außenverhältnis rechtlich wirksamen Verfügung oder Verpflichtung. Der Täter muss dementsprechend eine in Absatz I genannte Befugnis missbraucht haben. Missbrauchen ist der Fehlgebrauch von Rechtsmacht. Anders ausgedrückt ist ein Missbrauch daher Einhaltung des rechtlichen Könnens unter Verletzung des rechtlichen Dürfens. Unter Befugnis ist das Recht zu verstehen, in wirksamer Weise über Vermögensrechte eines anderen disponieren zu dürfen. Dabei ist grundsätzlich immer zu überprüfen, ob der vermeintliche Täter im Außenverhältnis aufgrund rechtlichen Könnens wirksam handeln durfte.
Beispiel: Ein im Innenverhältnis beschränkter Prokurist, kann im Außenverhältnis über die Beschränkung hinaus wirksam Verträge abschließen.

Darüber hinaus ist nach der Rechtsprechung und auch nach der herrschender Meinung erforderlich, dass eine Vermögensbetreuungspflicht vorliegt. Der Befugnisinhaber muss die Pflicht besitzen die Vermögensinteressen desjenigen zu betreuen, über dessen Vermögen ihm Rechtsmacht eingeräumt ist. Es muss sich demnach um eine Hauptpflicht von nicht unerheblicher Bedeutung handeln. Eine Nebenpflicht ist nicht ausreichend.

Schließlich müsste durch die Handlung ein Nachteil entstanden sein. Der Nachteil ist mit dem Schaden bei § 263 I StGB identisch. . Es liegt demzufolge ein Schaden vor, wenn für das Opfer eine nachteilige Vermögensdifferenz eingetreten ist. Voraussetzung ist also eine durch die treuwidrige Handlung herbeigeführte Vermögenseinbuße. Der Nachteil ist nach dem Prinzip der Gesamtsaldierung festzustellen.

Der § 266 I Var.2 knüpft anders als die Variante 1 nicht an eine formale Stellung des Täters zu dem betroffenen Vermögen des Geschädigten an, sondern an seine tatsächliche Einwirkungsmacht und stellt die Verletzung einer Vermögensbetreuungspflicht unter Strafe.
Vereinzeln Meinungen vertreten die Ansicht, dass der überaus weite Wortlaut mit Art. 103 II GG nicht zu vereinbaren sei, denn der Tatbestand ist uferlos weit, jede wie auch immer entstandene Schädigung ist erfasst. Allerdings löst dies die herrschende Meinung damit, dass sie auch hier eine
V
ermögensbetreuungspflicht fordert, die auf besonders qualifizierte Pflichtenstellung zu dem Vermögen beschränkt wird. Danach muss die Vermögensbetreuungspflicht als Haupt- und nicht nur als Nebenleistungspflicht ausgestaltet sein. Die allgemeine Pflicht, einen Vertrag zu erfüllen und dabei auf die Interessen des anderen Teils Rücksicht zu nehmen, ist somit keine Vermögensbetreuungspflicht im Sinne des § 266 StGB. Die Literatur hat sich dabei um eine fallgruppenorientierte Systematisierung bemüht, sodass die Pflicht mehr oder weniger eher eng auszulegen ist. Anhaltspunkte können das Maß der Selbständigkeit des Verpflichteten, sowie die wirtschaftlichen Bedeutung der Tätigkeit sein.

2. Subjektiver Tatbestand

Der subjektive Tatbestand setzt Vorsatz voraus. Der Vorsatz muss die Pflichtenstellung des Täters und das Bestehen einer Vermögensbetreuungspflicht umfassen. Bedingter Vorsatz ist ausreichend. Im Vergleich zu den anderen Vermögensdelikten muss der Täter keine Eigen- oder Fremdbegünstigungstendenz aufweisen, sodass gewisse Parallelen zur Sachbeschädigung gem. § 303 StGB zu ziehen sind.

3. Rechtswidrigkeit/ Schuld

Hier gelten die allgemeinen Vorschriften.



 
Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von JuraforumWiki-Redaktion, 03.06.2010 11:29
Zuletzt editiert von webmaster, 05.09.2011 11:18


 
 

Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.

Kommentare und Diskussion

Entscheidungen zum Begriff Untreue

  • BGH, 22.11.2005, 1 StR 571/04
    Zur Untreue durch Geldtransferleistungen innerhalb einer Unternehmensgruppe.
  • OLG-HAMM, 23.05.2002, 4 Ss 145/02
    Zur Tatidentität zwischen Steuerhinterziehung und Untreue
  • BGH, 11.05.2001, 3 StR 549/00
    StGB §§ 332, 266, 52, 73 Abs. 1 Satz 2 1. Konkurrenzen zwischen Bestechlichkeit und Untreue. 2. Bei Bestechlichkeit und Untreue stehen Ansprüche des durch die Untreue Verletzten der Verfallsanordnung entgegen, wenn der Bestechungslohn zugleich den durch die Untreue zugefügten Vermögensnachteil darstellt. BGH, Urt. vom 11. Mai 2001 -...
  • BGH, 25.11.2003, 4 StR 239/03
    Zur Abgrenzung von Untreue und Betrug gegenüber Krankenkasse und Apotheker beim Bezug kassenärztlich verordneter, aber nicht notwendiger Medikamente.
  • OLG-HAMM, 06.06.2003, 2 Ss 367/03
    Leben Täter und Geschädigter einer Untreue in nicht ehelicher Lebensgemeinschaft, wird die Tat nur auf Antrag verfolgt.

  • mehr Entscheidungen anzeigen

Nachrichten zu Untreue

  • Untreue steht uns ins Gesicht geschrieben (20.12.2012, 12:10)
    Laut Forschern der University of Western Australia (UWA) liegt tatsächlich ein Körnchen Wahrheit in der Behauptung, man könne Untreue im Gesicht eines Menschen lesen.Vor allem Frauen haben den Bogen raus. Darauf deutet zumindest die Studie von Professorin Gillian Rhodes, Professor Leigh Simmons und Forscherin Grace Morley hin,die...
  • NPD muss „nur“ 1,27 Millionen Euro Strafe zahlen (13.12.2012, 10:13)
    Hintergrund des Rechtsstreits waren mehrere Unrichtigkeiten im Rechenschaftsbericht 2007 der NPD. Für die rechtsextreme Partei war die gesetzlich vorgeschriebene Erstellung des Berichts eine schwere Geburt. So wurde der NPD eine verlängerte Abgabefrist bis Ende 2008 eingeräumt, da ihr Schatzmeister wegen Untreue eine Haftstrafe...
  • Verurteilung in „Telekom-Spitzelaffäre“ bestätigt (11.10.2012, 10:30)
    Karlsruhe (jur). In der „Telekom-Spitzelaffäre“ hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Verurteilung des ehemaligen Sicherheitschefs der Deutschen Telekom bestätigt. Die vom Landgericht Bonn 2010 gegen den Hauptangeklagten Klaus-Dieter Trzeschan verhängte dreieinhalbjährige Haftstrafe weist keine Rechtsfehler auf, so die Karlsruher Richter...

Aktuelle Forenbeiträge

  • Betreff Führungszeugnis (29.06.2013, 19:33)
    Hallo! Nachdem ich im Vorfeld schon mal die erreichbaren Beiträge hier gelesen habe, habe ich mich angemeldet. Die Antworten hierzu sind ein wenig verwirrend und das Gesetz zum Bundeszentralregister ist ein wenig unverständlich formuliert. Aus diesem Grunde möchte ich mal ein erfundenes Beispiel nennen: Eine Person wurde vor langer...
  • Betrug Versandhausfall (23.06.2013, 14:41)
    Folgender Fall: A bestellt eine Kaffeemaschine bei B, sie hatte zu keinen Zeitpunkt vor die Kaffeemaschine zu bezahlen. Die Maschine wird geliefert, A bezahlt nicht. Darauf hin wird A mitgeteilt das sie bei B nichts mehr bestellen kann. Aufgrund einer Bonitätsprüfung und Sperrvermerk. A bestellt darauf einen Staubsauger und ändert im...
  • Verbreitung einer nachweislichen Wahrheit und fremder ... (07.06.2013, 03:08)
    Hallo. Angenommen A und B sind ein Paar. A ist untreu mit C und berichtet per elektronischer Nachricht mehreren Personen davon. B speichert diese Nachrichten. Nach Beziehungsende von A und B werden A und C ein Paar, A betrügt jedoch C mit B. B fertigt daraufhin heimlich eine Tonaufnahme von einem Gespräch mit A an, in der A die...
  • Betrugsschaden nicht ermittelbar (28.05.2013, 17:34)
    Guten Tag! Nehmen wir an, eine Firma xy erhält von der Stadt Musterstadt mehrere Aufträge zur Durchführung von Reinigungsarbeiten und Entrümpelungsarbeiten sowie kleinerer Abbruchrbeiten in gesamter Höhe von 100.000,00€, gestückelt in Aufträge um 3.000,00€. Besagte Firma xy wurde von Person A gegründet. A ist ein Bekannter von F. F...
  • Betrugsschaden nicht ermittelbar (28.05.2013, 17:16)
    Guten Tag! Nehmen wir an, eine Firma xy erhält von der Stadt Musterstadt mehrere Aufträge zur Durchführung von Reinigungsarbeiten und Entrümpelungsarbeiten sowie kleinerer Abbruchrbeiten in gesamter Höhe von 100.000,00€, gestückelt in Aufträge um 3.000,00€. Besagte Firma xy wurde von Person A gegründet. A ist ein Bekannter von F. F...

Untreue – Weitere Begriffe im Umkreis




Sie sind gerade hier: JuraForum.deJuraForum-WikiUUntreue 

Anwaltssuche auf JuraForum.de



» Für Anwälte »

Top Orte der Anwaltssuche zum Rechtsgebiet Strafrecht

Weitere Orte finden Sie unter:

Suche

Durchsuchen Sie hier Juraforum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2014 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.

Kanzleinews einstellen | Sitemap | RSS | Kontakt | Team | Jobs | Werbung | Presse | Datenschutz | AGB | Impressum