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Totalschaden

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Erklärung zum Begriff Totalschaden

Der Begriff des Totalschadens wird häufig in Beziehung gesetzt mit Kraftfahrzeugen, deren Gebrauchsfähigkeit durch einen Unfall meist völlig aufgehoben wurde.

Daher versteht man unter einem Totalschaden einen Sachschaden, bei dem nicht mehr die Möglichkeit besteht, die Gebrauchsfähigkeit durch Reparatur oder Instandsetzung wieder herzustellen. Dies kann zum einen daran liegen, dass es technisch nicht mehr möglich ist, da der Schaden Teile derart betroffen hat, dass diese nicht mehr in einen funktionsfähigen Zustand gebracht werden können. Es ist also von einem Reparaturschaden abzugrenzen. Zum anderen kann eine Reparatur möglich sein, diese erweist sich jedoch als wirtschaftlich absolut nicht lohnenswert.

1. Welche Arten von Totalschäden gibt es?

Es wird zwischen zwei Arten des Totalschadens unterschieden:

Wirtschaftlicher Totalschaden: Ein wirtschaftlicher Totalschaden wird dann angenommen, wenn die Kosten für die nötige Reparatur den Wert für eine Wiederbeschaffung des Kraftfahrzeugs überschreiten.

Technischer Totalschaden: Ein technischer Totalschaden muss dann bejaht werden, wenn das Auto durch Reparatur von dem Unfallzustand nicht mehr in seinen vorigen Zustand versetzt werden kann, weil die Beschädigungen zu erheblich sind. Zum einen kann also eine Reparatur technisch nicht mehr möglich sein, weil einzelne Teile des Wagens so zerstört sind, dass sie nicht wieder hergestellt werden können, zum anderen kann jedoch auch der Aufwand der dafür nötig wäre vollkommen außer Relation stehen und daher unverhältnismäßig hoch sein.

Als Wiederbeschaffungswert im Sinne des Totalschadens wird der Betrag verstanden, der bezahlt werden müsste, um ein Gebrauchtfahrzeug zu erwerben, welches in Alter, Ausstattung und Zustand dem Wagen entspricht, der den Schaden erlitten hat.

2. Was ist die 130%-Regelung?

Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeugs, von dem unter Umständen noch ein Restwert abgezogen werden muss, wird in der Regel von einer Reparatur abgesehen. Davon gibt es jedoch Ausnahmen. Nämlich dann, wenn die anfallenden Brutto-Reparaturkosten nicht mehr als 30% über dem Wiederbeschaffungswert liegen. Der Reparaturschaden errechnet sich also aus folgender Formel: Brutto Reparaturkosten ≤ Wiederbeschaffungswert x 130%.

Beispielsfall zum Totalschaden bei einem Wildunfall

In seinem Urteil vom 03.02.2010 hatte das Landgericht Trier darüber zu entscheiden, ob der Totalschaden durch einen Wildunfall von der Kfz-Versicherung übernommen werden muss, wenn der Unfall auf einem Ausweichmanöver für einen Fuchs beruht.

Der Kläger war mit seinem Fahrzeug unterwegs, als ihm von links ein Fuchs auf die Straße lief. Der Kläger wich dem Tier aus, geriet bei dem Ausweichmanöver auf die Gegenfahrbahn und landete in einer Straßenböschung. Den am Fahrzeug entstandenen Schaden machte der Kläger bei seiner Kfz-Haftpflichtversicherung geltend. Diese weigerte sich jedoch, den Schaden vollständig zu übernehmen. Sie berief sich dabei darauf, dass keine Beweise für eine Wildberührung vorliegen würden. Zudem sei kein Rettungskostenersatz anzunehmen, da ein Fuchs als Kleintier gelte und daher nicht zu einem Ausweichmanöver berechtigen würde.

Vielmehr sei es dem Autofahrer als grob fahrlässig anzulasten, wenn er Kleintieren ausweiche. Der Kläger ließ sich daraufhin den Schaden an seinem Wagen gutachterlich bestätigen und verlangte Zahlung von 6.840 Euro durch die Versicherung.

Das Landgericht jedoch entschied, dass die Versicherung lediglich 2.646 Euro nebst Zinsen zu zahlen habe. Die Entscheidung beruht dabei auf der Annahme des Gerichts, der Kläger sei dem Fuchs ausgewichen. Dies sei jedoch als nicht erforderlich zu erachten. Wäre es zu einer Kollision mit dem Tier gekommen, wären nur gering zu beziffernde Sachschäden am Wagen entstanden. Lediglich ein ungeplantes und übereiltes Ausweichmanöver berge die Gefahr eines Totalschadens. Dem Kläger wird ein 60%-iges Verschulden an dem Unfall zugerechnet und sein Anspruch ist daher in dieser Höhe zu kürzen, da das Ausweichen objektiv nicht notwendig gewesen sei. [LG Trier, 03.02.2010 , 4 O 241/09]




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 26.06.2013 15:02
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 26.06.2013 15:02


 
 

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