Steuerfreibeträge

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Erklärung zum Begriff Steuerfreibeträge

„Steuerfreibetrag“ ist ein Begriff aus dem Steuerrecht und bezeichnet typischerweise Freibeträge für die Einkommensteuer. Grundsätzlich handelt es sich im steuerrechtlichen Sinn bei Steuerfreibeträgen um Beträge, welche die Grundlage der Steuerbemessung reduzieren. Im Gegensatz zu Steuerfreibeträgen stehen die Freigrenzen. Bei Freigrenzen müssen bei einer Überschreitung die Einnahmen in der Gänze versteuert werden. Bei den Steuerfreibeträgen muss eine Versteuerung nur bei dem Teil der Einnahmen erfolgen, der den Steuerfreibetrag überschreitet.

Steuerfreibeträge schaffen finanziellen Ausgleich

Es gibt in Deutschland verschiedene Arten von Steuerfreibeträgen. Dazu gehören beispielsweise der Grundfreibetrag, der Versorgungsfreibetrag, der Altersentlastungsbetrag, der Sparer-Pauschbetrag oder auch der Kinderfreibetrag. Alle Steuerfreibeträge zielen letztlich darauf ab, finanzielle Ausgleiche zu schaffen, Besteuerungen zu vereinfachen oder finanzielle Entlastungen zu ermöglichen. Ziel ist es immer, das zu versteuernde Einkommen zu mindern, damit weniger Lohnsteuer gezahlt werden muss. Es kommt also zu einer Verminderung der Steuerlast des Steuerpflichtigen. Der Steuerfreibetrag ist nicht mit der Steuerfreigrenze zu verwechseln.

Steuerfreibetrag sehr interessant für Arbeitnehmer

Üblicherweise leisten Arbeitnehmer ihre Arbeit nicht nur, um sich selbst zu bereichern, sondern um auch Abgaben an den Staat zu ermöglichen. Hieraus ergeben sich Brutto- und Nettolohn. Und die Differenz kann mitunter sehr deutlich ausfallen. Zu den diversen Sozialausgaben kommen hier auch noch die Steuern hinzu. Für einen Sozialstaat sind solche Abgaben wichtig. Jeder Arbeitnehmer leistet dadurch seinen Beitrag zu einem funktionierenden Sozialstaat. Damit es hier jedoch zu keinen Ungerechtigkeiten kommt, kann es aus sozialen Gründen zu Steuerfreibeträgen kommen. Darüber hinaus können Steuerfreibeträge auch einfach dann einschlägig sein, wenn es darum geht, eine Vereinfachung des komplexen Steuersystems zu erzielen.

Der Grundfreibetrag

Durch den Grundfreibetrag wird angegeben, bis zu welcher Höhe Einnahmen generell steuerfrei bleiben. Wessen Einkommen also unter dieser festgelegten Grenze liegt, muss keine Einkommensteuer zahlen. Hierdurch soll eine Existenzsicherung ermöglicht werden, damit der Arbeitnehmer mit seinem Einkommen sein Existenzminimum sichern kann. Weil auch die Lebenshaltungskosten regelmäßig steigen, wird auch die Höhe des zulässigen Grundfreibetrags entsprechend angepasst. Mit der Festsetzung der Höhe des Existenzminimums setzt sich das Bundeskabinett alle zwei Jahre auseinander. Gelangt man in dieser Sitzung zu der Erkenntnis, dass die Lebenshaltungskosten, wie zum Beispiel die Kosten für Lebensmittel, gestiegen sind, erfolgt eine Anpassung des Grundfreibetrags. 2016 liegt der Grundfreibetrag für Unverheiratete bei 8.652,00 Euro, für Ehepaare bei 17.304,00 Euro, vorausgesetzt es findet eine gemeinsame Veranlagung statt.

Der Sparer-Pauschbetrag

Durch den Sparer-Pauschbetrag, der 2009 eingeführt wurde, wird die Höchstgrenze für die steuerfreien Kapitalerträge festgelegt. Kapitalerträge sind also erst dann steuerpflichtig, wenn sie über einem bestimmten Jahresbetrag liegen. Aktuell darf jeder Privatanleger bis zu 801 Euro von den Einkünften, die aus Kapitalvermögen stammen, steuerfrei behalten. Bei Ehepaaren liegt der Sparer-Pauschbetrag bei 1.602 Euro, vorausgesetzt, sie lassen sich gemeinsam veranlagen. Der Sparer-Pauschbetrag umfasst nicht nur Gewinne aus dem Verkauf von Kapitalanlagen und Termingeschäften, sondern gilt auch für Dividenden und Zinsen.

Der Kinderfreibetrag

Ab dem Monat der Geburt des Kindes kann ein Anspruch auf den Kinderfreibetrag bestehen, welcher so lange erhalten bleibt, wie dem Kind auch Kindergeld gezahlt wird. Kindergeldzahlungen können aber mit dem Kinderfreibetrag verrechnet werden. Wer also Kindergeld erhält, kommt also nicht in den Genuss des vollen Freibetrages. Was jedoch für einen im persönlichen Fall lohnender ist, also das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag, wird durch das Finanzamt automatisch geprüft. Dass es den Kinderfreibetrag gibt, kommt nicht von ungefähr. Denn die Familie genießt einen besonderen Schutz des Staates und soll daher auch finanziell entlastet werden. 2016 liegt der Kinderfreibetrag bei 7.248 Euro jährlich und gilt pro Kind für beide Eltern. Sind die Elternteile getrennt, wird der Kinderfreibetrag halbiert und liegt 2016 bei 3.624 Euro.

Der Alleinerziehendenentlastungsbetrag

Alleinerziehende sind besonderen Belastungen ausgesetzt. Hierfür soll ein entsprechender Ausgleich geschaffen werden. Hierfür muss in dem Haushalt des steuerpflichtigen Alleinerziehenden mindestens ein Kind leben. Für dieses muss ein Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag bestehen. Für alleinerziehende Elternteile lag der Alleinerziehendenentlastungsbetrag von 2004 bis 2014 bei 1.308 Euro für jedes Kind. Unabhängig war dabei die Zahl der Kinder. Zum 1. Januar 2015 wurde der Alleinerziehendenentlastungsbetrag für das erste Kind auf 1.908 Euro angehoben. Für weitere Kinder erhöht sich der Freibetrag nunmehr um jeweils weitere 240 Euro.

Der Ausbildungsfreibetrag

Befindet sich ein volljähriges Kind in einer Berufsausbildung und muss dafür sein Elternhaus verlassen, kann ein Ausbildungsfreibetrag gewährt werden. Voraussetzung ist, dass dem Steuerpflichtigen Kosten für die Ausbildung entstehen. In diesem Fall gilt ein Ausbildungsfreibetrag in Höhe von 924 Euro pro Kalenderjahr.

Der Übungsleiterfreibetrag

Der Übungsleiterfreibetrag soll gemeinnützige Tätigkeiten unterstützen. Die gemeinnützige Tätigkeit muss als nebenberufliche Tätigkeit ausgeübt werden. Um vom Übungsleiterfreibetrag profitieren zu können, der 2013 bei 2.400 Euro im Jahr lag, muss man nicht zwingend als Trainer in einem Sportverein tätig sein. In vielen Fällen kann der Übungsleiterfreibetrag auch von Pflegern, Künstlern und Erziehern genutzt werden.

Rat durch Steuer-Profi
Die Steuerfreibeträge können sich sehr komplex zeigen. Damit der Steuerpflichtige hier keine steuerlichen Vorzüge für sich verpasst, sollte das Gespräch mit einem Steuerberater gesucht werden.



Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 29.08.2016 09:43
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 29.08.2016 09:43


 
 

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