Spur (Kriminalistik)

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Erklärung zum Begriff Spur (Kriminalistik)

Niemand, der heute keine Spuren mehr hinterlässt. Die Spurensuche in der Kriminalistik hat sich, im selben Tempo wie die Wissenschaft ganz generell, in rasantem Tempo entwickelt und differenziert. In der Kriminalistik der heutigen Zeit ist der Mensch wirklich gläsern. Äußerst anspruchsvolle physikalische und chemische Methoden der Analyse, der genetische Fingerabdruck, die Gaschromatographie, die Elektrophorese kommen heute bei der kriminalistischen Spurensuche zum Einsatz.

 

Kurze Historie der forensischen Spurensuche

Schon im 16. Jahrhundert zog man in der Rechtsprechung Mediziner hinzu. Der erste in Deutschland bekannte Fall war wohl der der Anna Voigt. Sie war angeklagt, ihr Kind ermordet und vergraben zu haben. Sie behauptete aber, das Kind bereits tot geboren zu heben. Johannes Schreyer, ein von Anna Voigts Vater beauftragter Arzt, wendete neue wissenschaftliche Erkenntnisse an, führte die sogenannte 'Lungenprobe' durch.

Er kann beweisen, dass das Kind nie geatmet hat. Die forensische Spurensuche wurde jedoch bis in das sehr späte 18. Jahrhundert hinein noch von der Folter ersetzt. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Folter als Ermittlungsmittel der Gerichte abgeschafft.

 

Spurensuche im Überblick

Nahezu jeden Tag wird ein weiterer Fortschritt in der Wissenschaft erzielt, der sich auch in der forensischen Spurensuche anwenden lässt:

  • Gipsabdrücke und Projektiluntersuchungen,
  • mikroskopische Faseruntersuchungen,
  • Lippenstiftspuren oder
  • Fingerabdrücke

sind zwar wichtige Beweismittel, nach wie vor, doch sie gehören längst zum alten Eisen.

In unseren Tagen werden elektronenmikroskopische Untersuchungen nicht nur an

  • Hautzellen,
  • Sperma,
  • Blut oder
  • Speichel

durchgeführt, vielmehr sind wissenschaftliche Nachweise über Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, sogar Gesundheitszustand bereits aus nanogroßen Schweißabsonderungen ersichtlich.

Grundsätzlich werden in der Kriminalistik

  • Situationsspuren,
  • Formspuren,
  • daktyloskopische Spuren,
  • Materialspuren und
  • Gegenstandsspuren

unterschieden.

Auch fingierte Spuren oder Trugspuren existieren. Spuren werden auftreten als Gleitriefen oder Gleitspuren, Abdrücke oder Abdruckspuren, Schnitte oder Schnittspuren und Eindrücke oder Eindruckspuren, Brüche bzw. Risse oder Bruch- bzw. Rissspuren.

 

Spur in der Kriminalistik als Sachbeweis

Eine Spur kann auch ein Sachbeweis sein. Dies sind gegenständliche Beweismittel, sie dienen dem Nachweis der Täterschaft. Sie verstehen sich nicht als eigenes Beweismittel, sondern sind kombiniert mit anderen Mitteln und Wegen Teil der Wahrheitsfindung und sind von den damit befassten Strafverfolgungsbehörden auszuwerten.

So ist es die Aufgabe der Kriminaltechnik nach Sachbeweisen zu suchen, sie folgerichtig zu sichern, sie weiter im Anschluss auch zu untersuchen und zu begutachten. Das Ziel wird immer sein, die Beweisführung im Strafverfahren zu unterstützen. Regelmäßig sind Sachbeweise durch Personenbeweise, beispielsweise den Einsatz von Gutachtern, zu erweitern beziehungsweise zu ergänzen. Gibt es Widersprüche zwischen Sach- und Personenbeweis, dann wird die Entscheidung für den Sachbeweis stehen

 

Fingerabdrücke

Auf Glas oder glatten Materialien sind Fingerabdrücke relativ leicht abzunehmen. Auf Holz und Leder dagegen waren sie lange Zeit unsichtbar. Diese Abdrücke, es sind Eiweißbestandteile, also beispielsweise unterschiedliche Aminosäuren und diverse Fette, können nun mit Nyhidrin sichtbar gemacht werden.

Die heutige Kriminalistik ist mittlerweile sogar in beschränktem Umfang fähig, Fingerabdrücke auf menschlicher Haut nachzuweisen. Die Kunst der Fingerdruckabnahme nennt sich auch Daktyloskopie. Bei dieser Wissenschaft differenziert man drei Grundmuster bei den Linien der Finger. Es sind das Wirbelmuster, das Bogenmuster und das Schleifenmuster. Die Hautleisten sind ein unverwechselbares Identifikationsmerkmal und nicht zwei Menschen besitzen dieselbe Struktur. Ein Wegätzen mit Säure ist sinnlos, denn die sogenannten 'Hautleisten' wachsen original wieder nach. Der Fingerabdruck ist also einer der biometrischen Daten, der uns einwandfrei identifiziert.

Wie bereits bemerkt, können aus den Schweißablagerungen, die sich innerhalb der Fingerabdrücke befinden, heute noch wesentlich genauere Angaben herausgefiltert werden. Dass darüber nur wenige Veröffentlichungen existieren, die der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich sind, ist verständlich.

 

Genetischer Fingerabdruck

Seit etlichen Jahren, lange vor der Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes, macht sich die Kriminalistik den genetischen Fingerabdruck in allen Facetten – und die gibt es reichlich – zunutze. Dabei suchen die Wissenschaftler mit hochspezialisierten Methoden nach Resten des Erbgutes eines vermeintlichen Täters oder auch Zeugen. Die DNA ist in Nukleinsäuren, chemischen Substanzen also, genauer der Desoxyribonukleinsäure abgelagert. Die Informationen nun befinden sich auf einem spiraligen Strang, der doppelt eingedreht ist. Der nennt sich Doppelhelix.  Es gibt dabei 4 Merkmale, denen Beachtung geschenkt wird. Sie finden sich verschlüsselt in der DNA in Adenin, Guanin, Thymin und Cytosin.

Der individuelle Code unterscheidet sich von Mensch zu Mensch beträchtlich. Aus winzigsten Partikeln dieser DNA können mittels des Einsatzes von Enzymen nun noch kleinere Einheiten generiert werden. In der Gelelektophorese, die nun folgt, eine Art von Molekularsieb, werden die winzigen Elemente je nach ihren partiellen Ladungen, die abhängig von ihrer Molekülmasse sind, durch ein aufgebautes elektrisches Feld nach ihrer Ladungszahl und Molekülgröße sortiert. Es ist nun möglich, die getrennten DNA-Segmente sichtbar zu machen. Daraus wiederum entstehen die Bandenmuster, die es nun zu entschlüsseln gilt. Hier macht die Wissenschaft wahre Riesenschritte.

 

Giftstoffe

Organische Gifte und Schwermetalle findet man heute in geringsten, für den Menschen lange nicht mehr wahrnehmbaren Teilchen in der instrumentellen Analytik mittels spektroskopischen und chromatografischen Methoden. Gaschromatografische Verfahren werden auch bei der Suche nach Dopingmitteln verwendet.

 

Haaranalyse

Aus einer Haarprobe kann ein Drogenmonatsplan der Untersuchten erstellt werden. Tatsächlich ist es mit Hilfe der Untersuchung von Haaren, in denen sich die Abbauprodukte der Drogen ablagern, möglich, den Drogenkonsum ein Jahr im Nachhinein nachzuweisen. Der Drogenkonsum kann noch weiter zeitlich strukturiert werden. Die Untersuchung erfolgt durch Massenspektrometrie sowie der vorherigen Gaschromatografie, bei der die Haarabschnitte isoliert werden. Nahezu jede Droge in jeder Konzentration kann nachgewiesen werden.

 

Gemäldefälschungen

Urkunden- und Gemäldefälschungen sind mittels der Chromatografie relativ einfach zu entlarven. Unterschiedliche Farben, unterschiedliche Tinten in einem differenzierten Farbspektrum, die Dünnschichtchromatographie deckt dies auf. Die Chromatografie wird auch zur sehr exakten Bestimmung des Blutalkohols oder in der Lebensmittelanalytik angewendet.

 

Spuren an Leichen

Die Leiche selber ist eine wichtige Fundgrube für alle möglichen Spuren. Alleine der tote Körper, ohne ihn großartig zu untersuchen, gibt eine Fülle von grundlegenden Informationen über Art des Todes, Todeszeitpunkt und eventuell die Umstände des Tathergangs. Hinweise auf den Zeitpunkt des Todes geben nicht nur Totenstarre und Leichenflecken, sondern auch der Befall mit Fliegenmaden, das Stadium ihrer Verpuppung, der Austritt diverser Flüssigkeiten, die Beschaffenheit des Untergrundes als auch die Art der Insekten, die den Körper bereits befallen haben, und viele andere Merkmale mehr.

Die Leichenflecken sind ein weiterer grober Anhaltspunkt. Sie bilden sich bereits etwa 20 Minuten nach dem Todeseintritt, weil das Blut aufgrund des Kreislaufzusammenbruchs in die tiefer gelegenen Körperteile sackt. Die Todesstarre löst sich im Übrigen nach etwa 38 Stunden wieder.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 11.08.2017 13:47
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 11.08.2017 13:47


 
 

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