Privatrecht - Öffentliches Recht Abgrenzung

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Erklärung zum Begriff Privatrecht - Öffentliches Recht Abgrenzung

In Deutschland wird das Recht im Allgemeinen in zwei verschiedene Bereiche unterteilt:

Privatrecht 

Das Privatrecht als eins der beiden "Rechtsgebiete" regelt das Verhältnis von Bürger zu Bürger; man spricht hierbei von Rechtsbeziehungen zwischen gleichberechtigten Rechtssubjekten“. Häufig wird das Privatrecht auch als „Zivilrecht“ oder „Bürgerliches Recht“ bezeichnet. Dies ist zwar nicht verkehrt, aber strenggenommen sind diese aber nur ein Teil des Privatrechtes.

Gemäß dem Privatrecht ist es Privatpersonen grundsätzlich gestattet, mit anderen Personen in eine Rechtsbeziehung zu treten beziehungsweise auf diese zu verzichten.

Unterteilt ist das Privatrecht in

  • Allgemeines Privatrecht (Bürgerliches Recht oder Zivilrecht)
  • Sonstiges Privatrecht (Handelsrecht, Arbeitsrecht, etc.)

Das Allgemeine Privatrecht ist gemäß dem Pandektensystem in verschiedene Teilbereiche gegliedert:

Der Allgemeine Teil wiederum setzt sich wiederum aus verschiedenen Teilbereichen zusammen:

Die gesetzliche Regelung des Privatrechtes findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Jedes der fünf Bücher beschäftigt sich mit einem bestimmten Teilbereich:

  • Buch: Allgemeiner Teil
  • Buch: Schuldrecht
  • Buch: Sachenrecht
  • Buch: Familienrecht
  • Buch: Erbrecht

Öffentliches Recht

Das Öffentliche Recht regelt das Verhältnis vom Staat zu den Bürgern; hierbei handelt es sich um Rechtsbeziehungen zwischen Hoheitsträgern und Rechtsunterworfenen. Daneben umfasst das Öffentliche Recht alle die Organisation und Funktionalität des Staates betreffende Rechtsmaterien.

Das Öffentliche Recht wird in verschiedene Materien unterteilt, die zu einen supranational Völkerrecht, Europarecht) sein können, insbesondere aber auf innerstaatlicher Ebene relevant sind. Das gesamte Staatsrecht (Verfassungsrecht) ist ein Öffentliches Recht. Es wird in verschiedene Teilgebiete unterteilt:

  • Grundrechte, welche als Rechte des Bürgers gegen den Staat und als Schutzpflichten des Staates anzusehen sind
  • Staatskirchenrecht, welches de Beziehung vom Staat zu den Religionsgemeinschaften regelt
  • Staatorganisationsrecht, welches Gesetzgebungsverfahren, den Aufbau des Staates sowie die Beziehungen seiner Organe untereinander regelt

Neben dem Staats- und Verfassungsrecht ist auch das Verwaltungsrecht ein Öffentliches Recht, welches die Verbindung zwischen der Öffentlichen Verwaltung und der Bürger regelt. Dieses wiederum ist unterteilt in:

  • Allgemeines Verwaltungsrecht
  • Besonders Verwaltungsrecht
  • Sozialrecht
  • Steuerrecht

Auch das Kirchenrecht ist ein Öffentliches Recht, sofern es Religionsgemeinschaften betrifft, die öffentlich-rechtliche Normen erlassen dürfen (Körperschaften des Öffentlichen Rechts).

Eigentlich ist auch das Strafrecht als ein Öffentliches Recht anzusehen; allerdings wird dieses jedoch meistens eigenständig behandelt.

Zu dem Allgemeinen Verwaltungsrecht zählen

  • Verwaltungsverfahrensrecht
  • Verwaltungsvollstreckungsrecht
  • Verwaltungzustellungsrecht

Das Besondere Verwaltungsrecht ist gegliedert in

Auch das Besondere Verfahrens- und Prozessrecht ist als ein Teil des besonderen Verwaltungsrechtes anzusehen. Dieses umfasst

  • Arbeitsgerichtliche Verfahren
  • Finanzgerichtliche Verfahren
  • Sozialgerichtliche Verfahren
  • Strafverfahrensrecht
  • Verfassungsprozessrecht
  • Verwaltungsprozessrecht
  • Zivilprozessrecht 

Abgrenzung Privatrecht zum Öffentlichen Recht 

Ob das Privatrecht vom Öffentlichen Recht abgegrenzt werden kann, ist eine strittige Frage, deren Beantwortung im Hinblick auf die Wahl des zuständigen Rechtswegs bei Streitigkeiten aber absolut notwendig; das heißt, ob die Zuständigkeit bei Veraltungsgerichten oder bei den ordentlichen Gerichten liegt.  Aus diesem Grund bestehen gegenwärtig zwei verschiedene Ansätze bzw. Abgrenzungstheorien, um die Abgrenzung  von Privatrecht zum Öffentlichen Recht zu vollziehen und die jeweiligen Gebiete zuordnen:

  • Subjektstheorie
  • Subordinationstheorie

Gemäß der modifizierten Subjektstheorie (auch „Sonderrechtstheorie“ oder „Zuordnungstheorie“ genannt), welche auf F. J. Wolff zurückgeht, ist immer dann Öffentliches Recht gegeben, wenn die betroffene Gesetzesnorm ausschließlich einen Hoheitsträger berechtigt beziehungsweise verpflichtet und zuzuordnen ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn einer der Beteiligten den Staat vertritt. Ist dies nicht so, liegt Privatrecht vor.

Die Subjektstheorie findet gegenwärtig bevorzugt von Zivil- und Verwaltungsgerichten Anwendung.

Die Subordinationstheorie hingegen ist eine veraltete Form zur Abgrenzung von Privatrecht zu öffentlichem Recht. Diese Theorie geht davon aus, dass sich die Beteiligten im Öffentlichen Recht in einem Subordinationsverhältnis, also in einem Über-/Unterordnungsverhältnis, zueinander befinden. Gemäß dieser Theorie liegt bei einem Gleichordnungsverhältnis dann ein Privatrecht vor.

Bei Fragen zur Unterscheidung ist ein Rechtsanwalt oder Fachanwalt der richtige Ansprechpartner. Dieser kennt sich mit den jeweiligen Rechtssätze aus und kann so umfassend bei Fragen helfen.

 




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 01.06.2013 00:00


 
 

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