Der Naturschutz umfasst einen zentralen Bereich des Umweltschutzes. Er bezweckt gemäß § 1 BNatSchG den Schutz von Natur und Landschaft aufgrund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich.
2. Reform des Naturschutzrechts zum 01.03.2010
Die am 01.03.2010 in Kraft getretene Reform des Bundesnaturschutzgesetzes hatte folgenden Hintergrund: Mit der Föderalismusreform (Legislative) wurde die Rechtsgrundlage geschaffen, für das Recht des Naturschutzes und der Landschaftspflege eine Bundeskompetenz zu schaffen. Zuvor waren bei Änderungen des Bundesnaturschutzgesetzes 16 Folgeänderungen in den Landesnaturschutzgesetzen erforderlich. Dies behinderte insbesondere auch eine zügige Umsetzung von europäischem Recht.
Mit der Neuordnung des Naturschutzrechts wurden folgende Ziele verfolgt:
Ersetzung des Rahmenrechts des Bundes durch Vollregelungen
Vereinfachung und Vereinheitlichung des Naturschutzrechts mit dem Ziel, die Verständlichkeit und Praktikabilität dieser Rechtsmaterie zu verbessern
Ausdrückliche Benennung der allgemeinen Grundsätze des Naturschutzes
Umsetzung verbindlicher EU-rechtlicher Bestimmungen durch bundesweit einheitliche Rechtsvorschriften
Überführung zuvor im Landesrecht normierter Bereiche des Naturschutzrechts in Bundesrecht, soweit ein Bedürfnis nach bundeseinheitlicher Regelung besteht
Die naturschutzrechtlichen Regelungen des Bundes unterliegen der Abweichungsbefugnis der Länder. Gemäß Art. 72 Absatz 3 Satz 3 GG hat abweichendes Landesrecht aber nur Vorrang, wenn es später als die Bundesregelung erlassen worden ist.
Dies ist in Niedersachsen mit dem NAGBNatSchG geschehen, das von den §§ 14, 15, 17, 22, 27, 28, 29, 30, 63, 67 und 69 BNatSchG zum Teil inhaltlich abweicht.
Auch Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hamburg haben in ihren Naturschutzgesetzen bzw. Naturschutzausführungsgesetzen (Mecklenburg-Vorpommern) Abweichungen festgelegt (Bayern: BGBl 2011, Seite 365 - Heft 9; Hessen: BGBL 2011, Seite 663; Niedersachsen: BGBl 2010, Seite 1621 - Heft 58; Sachsen: BGBl 2011, Seite 842; Sachsen-Anhalt: BGBl 2011, Seite 30 - Heft 1; Hamburg: BGBl 2011, Seite 93 - Heft 4).
3. Rechtsgrundlagen
Neben dem Bundesnaturschutzgesetz und den Landesnaturschutzgesetzen bestehen im Wesentlichen folgende gesetzliche Grundlagen:
das Forstrecht (geregelt im BWaldG sowie in den Landesforst- bzw. Landeswaldgesetzen bzw. in untergesetzlichen forstrechtlichen Landesvorschriften)
das Jagdrecht (vgl. das BJagdG und die Landesjagdgesetze)
das Fischereirecht (geregelt in den Vorschriften der Fischereigesetze der Länder)
das Tierschutzgesetz
das Pflanzenschutzgesetz
4. Instrumente des Naturschutzes
Instrumente des Naturschutzes sind insbesondere
die Landschaftsplanung
der Schutz vor Eingriffen in Natur und Landschaft
die Ausweisung von bestimmten Teilen von Natur und Landschaft als Schutzgebiet
der Schutz und die Pflege wild lebender Tier- und Pflanzenarten (Tierschutz, Artenschutz)
das Verbandsklagerecht / Mitwirkungsrecht von Naturschutzverbänden bei Vorhaben, die mit Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden sind oder bei der Vorbereitung der Festsetzung von Schutzgebieten (§ 64 BNatSchG), z.B. in Planfeststellungsverfahren
Berghoff/Steg: Das neue Bundesnaturschutzgesetz und seine Auswirkungen auf die Naturschutzgesetze der Länder; Natur und Recht - NuR 2010, 17
Gassner/Heugel: Das neue Naturschutzrecht; 1. Auflage 2010
Grzeszick: Eigentum und Naturschutz. Ausgleichsleistungen für naturschutzrechtliche Beschränkungen der Land- und Forstwirtschaft; Zeitschrift für Agrar- und Umweltrecht - AuUR 2003, 165
Hönes: Zum Verhältnis von Gartendenkmalpflege und Naturschutzrecht; Natur und Recht - NuR 2003, 257
Hösch: Vom generellen Vorrang des Straßenbaus vor dem Naturschutz in der Rechtsprechung; Natur und Recht - NuR 572
Kube: Planung in die materielle Befreiungslage - Vorausschauender Ausgleich zwischen Bauleitplanung und Naturschutz; Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht - NVwZ 2005, 515
Müggenborg/Hentschel: Neues Wasser- und Naturschutzrecht; Neue Juristische Wochenschrift 2010, 961
Storost: Umweltprobleme bei der Zulassung von Flughäfen - Materielle Schutzstandards (Immissions- und Naturschutz); Neue Zeitschrift für Verwaltungsrecht - NVwZ 2004, 257