Mittelbare Täterschaft

Lexikon | Jetzt kommentieren

Erklärung zum Begriff Mittelbare Täterschaft

Die mittelbare Täterschaft gem. § 25 I Alt. 2 StGB ist eine besondere Form der Täterschaft. Der Täter benutzt dabei kraft seiner Wissens- und/oder Willensherrschaft ein in die Kausalkette eingeschaltes menschliches Werkzeug zur Verwirklichung eines Tatbestandes. Es gibt somit zwei Formen der mittelbaren Täterschaft. Einmal kraft überlegenden Wissens und einmal kraft überlegenden Wollens.

1. Objektiver Tatbestand

Für eine Strafbarkeit gem. § 25 I 2. Alt. StGB t muss die Tat zunächst durch einen anderen Menschen verursacht worden sein. Dabei ist erforderlich, dass dieser auch Tatmittler genannt einen Strafbarkeitsmangel aufweist. Dieser kann sich dadurch ergeben, dass der Tatmittler objektiv tatbestandslos, vorsatzlos, rechtmäßig oder schuldlos gehandelt hat.

Handelt der Tatmittler objektive tatbestandslos sind meistens die Fälle der Selbstverletzung oder auch Selbsttötung gemeint. Dabei ist umstritten, ob überhaupt eine mittelbare Täterschaft in Frage kommt. Es ist darauf abzustellen, ob der Täter gerade durch seine Willens- und Wissensherrschaft gegenüber dem Tatmittler zur selbstschädigenden Handlung führt. Ist dies gegeben, liegt eine mittelbare Täterschaft vor. Ansonsten bleibt die Handlung straffrei.

Anders hingegen wenn der Tatmittlier den subjektiven Tatbestand nicht erfüllt. Dabei besitzt der Täter regelmäßig überlegendes Wissen, was er in besonderem Maße gegenüber dem Tatmittler ausnutzt. Hierbei ist stets eine mittelbare Täterschaft ins Auge zu fassen. Schwieriger hingegen sind die Fälle bei denen der Tatmittler vorsätzlich handelt, aber zusätzlich weitere subjektive Merkmale gefordert werden. Besonders sind dabei die Delikte mit überschießender Innentendenz, wie zum Beispiel ein Diebstahl gem. § 242 StGB, gemeint. Richtigerweise muss man auch hier konsequent sein und ein Strafbarkeitsmangel bejahen. Man spricht auch von einem absichtslos-dolosem Werkzeug.

Komplexer sind die Fälle in denen der Tatmittler tatbestandsmäßig aber entschuldigt handelt. Eine mittelbare Täterschaft liegt jedenfalls dann vor, wenn der Hintermann die Schuldlosigkeit beim Vordermann bewirkt hat. Dies kann z.B. durch Drohen zur einer bestimmten Handlung geboten sein. Schwieriger ist es dann, wenn der Hintermann die Schuldlosigkeit beim Vordermann lediglich ausgenutzt hat. Es ist dabei besonders darauf acht zu geben, ob der Hintermann das Geschehen noch beherrscht hat oder man davon im konkreten Einzelfall nicht mehr ausgehen kann.

2. Subjektiver Tatbestand

Ist der objektive Tatbestand erfüllt ist für eine mittelbare Täterschaft erforderlich, dass der Täter zunächst alle deliktspezifischen subjektiven Merkmale des verwirklichten Deliktes aufweist. Außerdem muss er nach § 15 StGB den allgemeinen Tatbestandsvorsatz bezüglicher aller objektiven Tatbestandsmerkmale einschließlich des Wissens und des Wollens des Handelns des Vordermanns besitzen.

3. Rechtswidrigkeit/ Schuld

Hier gelten die allgemeinen Regeln.



Erstellt von , 03.06.2010 11:13
Zuletzt editiert von webmaster, 05.09.2011 11:18


 
 

Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.

Aktuelle Forenbeiträge

  • mittelbare Täterschaft / Anstiftung (22.05.2013, 21:41)
    Hallöchen, ich habe ein kleines Problem das mir Momentan Kopfzerbrechen bereitet: Nehmen wir mal an A will sich an C rächen und erstellt den Plan ihn mit einen Faustschlag zu Boden zu bringen und ihn dann seine Geldbörse wegzunehmen. Er geht dann zu seinen Kumpel B und erzählt ihn seinen Plan. B hat auch Rachegelüste an C und sagt A...
  • Straflose Beihilfe Selbsttötung / Totschlag durch Unterlassen (29.03.2013, 13:15)
    Hallo, ich schreibe ich derzeit meine fortgeschrittene Hausarbeit im Strafrecht und bin derzeit auf ein kleines Problem gestoßen. Folgender Sachverhalt: Person X will ernstlich aus dem Leben ausscheiden und bittet Person Y um Hilfe. Person Y hat eine Garantenpflicht gegenüber Person X. X überlässt Person Y Tabletten und erklärt ihr,...
  • Mittelbare Täterschaft prüfung (21.03.2013, 20:29)
    folgendes Problem: ich finde einfach keinen Aufbau zur mittelbaren Täterschaft, wenn in der fallfrage nicht nach dem tätnächsten gefragt istalso der strafbarkeit des werkzeugs. also dieser garnicht zu prüfen ist kann ich diesen ja nicht vor dem Hintermann prüfen , ich müsste seine Tathandlung dann ja inzident in die prüfung des...
  • Selbstschädigung, mittelbare Täterschaft (20.03.2013, 21:39)
    Hallo, habe hier einen Fall, bei dem ich einfach nicht weiter komme und habe mich deswegen hier angemeldet, um mal zu sehen, was andere dazu so sagen. Folgender Fall: A und B verabreden zusammen ein Rennen zu fahren, um herauszufinden, wer der Bessere ist. Sie verabreden unter Alkoholeinfluss zu fahren. A gibt dem gelegentlich...
  • Versuchter Totschlag & mittelbare Täterschaft (19.03.2013, 10:37)
    Ich habe große Probleme bei der mittelbaren Täterschaft... :erschlageBsp:Ein Arzt gibt der Krankenschwester eine Spritze in der sich ein Gift befindet, diese Spritze soll sie einem Patienten geben. Der Arzt will den Patienten somit töten. Die Krankenschwester merkt, das in der Spritze Gift ist und will sie dem Patienten trotzdem...

Kommentar schreiben

97 - Dre, i =

Bisherige Kommentare zum Begriff (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.


Mittelbare Täterschaft – Weitere Begriffe im Umkreis

  • Meineid
    1. Objektiver Tatbestand Der Meineid gemäß § 154 StGB ist eine Qualifikation des § 153 StGB, wenn die Aussage von einem Zeugen oder Sachverständigen abgelegt wird. Ansonsten ist § 154 StGB als eigenständiges Delikt anzusehen....
  • Meistbegünstigung
    Bei dem Meistbegünstigungsprinzip handelt es sich um ein Prinzip, welches seitens der Rechtsprechung entwickelt worden ist und im Verfahrensrecht angewendet wird. Gemäß dem Meistbegünstigungsprinzip sind Anträge sowie Rechtsbehelfe ohen...
  • MiStra
    Anordnung über Mitteilungen in Strafsachen (MiStra) Verwaltungsvorschrift über die Befugnis oder Pflicht zur Mitteilung von Strafverfahren durch die Justiz, welche sich gegen u.a.* Beamte, bestimmte Berufsgruppen (z.B. Notare, Rechtsanwälte,...
  • Mittäter
    Der § 25 Abs. 2 StGB definiert einen Mittäter als einen Täter, der gemeinschaftlich zusammen mit anderen Tätern eine Straftat begeht. Dazu muss ein gemeinsamer Tatplan vorliegen, nur derselbe Tatort ist nicht hinreichend. Wichtig...
  • Mittäterschaft
    Mittäterschaft § 25 II StGB normiert die Mittäterschaft. Mittäterschaft ist die gemeinschaftliche Begehung einer Straftat durch bewusstes und gewolltes Zusammenwirken. Fehlt es an einem bewussten Zusammenarbeiten kommt eine Nebentäterschaft...
  • Mittelbarer Täter
    Mittelbarer Täter ist derjenige, der eine Tat durch einen anderen, den Tatmittler, begeht.
  • Mitwirkung - Beschuldigter
    Inhaltsübersicht 1. Mitwirkung des Beschuldigten im Steuerstrafverfahren 2. Mitwirkung des Steuerpflichtigen im Besteuerungsverfahren 3. Verhältnis des Strafverfahrens zum Besteuerungsverfahren Die...
  • Mobbing
    Unter Mobbing wird jede Handlung verstanden, die darauf abzielt, eine Person zu schikanieren und ihr seelisches Leid zuzufügen. Mobbing kann an verschiedenen Orten stattfinden, so etwa am Arbeitsplatz, in der Schule oder im Gefängnis. Findet das...
  • Mobbing - Anspruch auf Krankentagegeld
    In der heutigen Arbeitswelt gewinnt das Thema Mobbing am Arbeitsplatz immer größere Bedeutung. Mobbingopfer leiden in erheblichem Maße unter den Mobbingattacken der Kollegen oder des Vorgesetzten. Der Bundesgerichthof hat in einer neuen...
  • Mord
    1. Objektiver Tatbestand Mord ist eine Tötung bei der, der Täter besonders verwerflich handelt. Es ist äußerst umstritten ob es sich beim Mord um ein eigenständiges Delikt handelt oder eine Qualifikation zum § 212 ist. Der BGH betrachtet...

Top Orte der Anwaltssuche zum Rechtsgebiet Strafrecht

Weitere Orte finden Sie unter:

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2016 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.