Marktwirtschaft

Lexikon | Jetzt kommentieren

Erklärung zum Begriff Marktwirtschaft

Die Marktwirtschaft beschreibt sich als eine organisierte und arbeitsteilige Wirtschaftsordnung. Die Koordination von Produktion und Konsum passiert durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf den Märkten. So findet sich die Marktwirtschaft stark abgegrenzt von der Subsistenzwirtschaft. Hier findet die Produktion nicht zum Zweck des Austausches statt, sondern lediglich direkt für den eigenen Bedarf. in der Marktwirtschaft plant jedes Wirtschaftssubjekt für sich selbst. Das Gegenteil passiert in der Zentralverwaltungswirtschaft.

Grundlegend für eine funktionierende Marktwirtschaft ist ein Tauschmittel, also Geld, welches den Austausch von Waren und Dienstleistungen gemäß des Mottos 'Ware gegen Geld, Geld gegen andere Ware' anderes als bei einem einfachen Tauschhandel nach dem Muster 'Ware gegen andere Ware',  ermöglicht. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Soziale Marktwirtschaft das wirtschaftspolitische und gesellschaftliche Leitbild.

Ziel der Sozialen Markwirtschaft

Ziel der Sozialen Marktwirtschaft soll es sein, eine Marktwirtschaft zu etablieren, die 

'auf der Basis der Wettbewerbswirtschaft die freie Initiative verbindet, mit einem eben durch die wirtschaftliche Leistung abgesicherten sozialen Fortschritt.'

Im Rahmen des geistig-intellektuellen Widerstandes gegen das nationalsozialistische System nach dem Krieg wurden wichtige gedankliche Vorarbeiten zur Ausgestaltung der deutschen Nachkriegsordnung durch den Kreisauer Kreis und ebenso durch die Freiburger Kreise geleistet, in denen sich Menschen der verschiedensten Herkunft, Weltanschauung, und Bildung mit dem Thema auseinandersetzten. Gesetzlich etabliert fand sich die Soziale Marktwirtschaft mit dem Staatsvertrag in 1990, den die Bundesrepublik und die DDR abschlossen, weiter mit dem Lissabonner Vertrag, der eine 'wettbewerbsfähige soziale Markwirtschaft' postuliert. Erklärte Ziele sind sozialer Fortschritt als auch Vollbeschäftigung. Doch die Tatsache, dass der Begriff in aller Munde ist, bedeutet nicht, dass er auch definiert ist.

Die Soziale Marktwirtschaft, bisweilen auch 'Rheinischer Kapitalismus' genannt, versucht Sozialstaat und freie Marktwirtschaft unter einen Hut zu bringen. Der Sozialstaat hat die Aufgabe eines Korrektivs. Mit den Instrumenten des Gewinnstrebens als Leistungsanreiz, der freien Preisbildung für Güter und Leistungen am Markt sowie dem Privateigentum an Produktionsmitteln sollen unerwünschte Auswirkungen von Prozessen am Markt wirkungsvoll verhindert werden. Ein gesetzlicher Rahmen bürgt für die persönlichen Freiheitsrechte, als da wären beispielsweise Berufs- und Koalitionsfreiheit, Vertrags-, Gewerbe und Konsumfreiheit. Der korrigierende Eingriff der Staatsmacht hat zudem die Aufgabe mit staatlicher Wettbewerbspolitik eine private Marktmacht durch Monopole oder Kartelle zu verhindern und den Wettbewerb zu sichern.

Kurze Historie

Die kapitalistische Ausprägung der Marktwirtschaft in unseren Tagen entstand zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Der Absolutismus führte zu einem modernen Territorialstaat, eine Expansion der Geldwirtschaft für dessen militärische und bürokratische Anforderungen wurde notwendig. die für den zentralen Staat notwendigen Geldüberschüsse sollten Im Außenhandel erwirtschaftet werden. Der Merkantilismus versuchte, die zunftregulierten lokalen Märkte für den entstehenden Weltmarkt umzugestalten. Mehr und mehr wurde die anonyme Konkurrenz überregionaler, internationale Märkte stärker. Die Begrifflichkeit der Marktwirtschaft wird zuerst im Dunstkreis der Freiburger Schule in den 1930ziger Jahren erwähnt. Schon vorher prägte Max Weber den Begriff der Verkehrswirtschaft.

Einen Versuch der Erklärung tat auch der Schotte Adam Smith. Er sah den Markt als einen Sanktions- und Anreizmechanismus. Der Markt organisiere und koordiniere das egoistische Verhalten der wirtschaftenden Menschen so, dass die jeweiligen Bedürfnisse des Einzelnen zur besten Zufriedenheit gestillt werden. Die 'soziale Marktwirtschaft' ist Alfred Müller-Armack zu verdanken. Er verstand das Konzept der sozialen Marktwirtschaft als eine sogenannte 'irenische Formel', das heißt, sich auf das gemeinsame Fundament  der Werte zu besinnen und so in einen fruchtbaren, offenen Diskurs über die Unterschiede zu gelangen. Ludwig Erhard griff den Begriff für seine Politik auf, weil es ihm einfach opportun erschien.

Marktwirtschaft und Neoliberalismus

Der Neoliberalismus, der in unseren Tagen in aller Munde ist, stammt in seiner Begrifflichkeit ursprünglich ebenfalls aus der Freiburger Schule des Ordoliberalismus sowie der Chicagoer Schule. Griechisch 'neos' für neu und lateinisch 'liberalis' für die Freiheit. Bekannt wurde der Begriff über das Colloque Walter Lippmann in Paris. Der Neoliberalismus sollte den dritten Weg darstellen, einen sowohl antikapitalistischen als auch antikommunistischen. Links gerichtete Populisten, Oppositionelle Wissenschaftler in Chile verwendeten den Begriff in den siebziger Jahren aufs Neue, drehten jedoch seine Bedeutung. Nun galt der Begriff bald im gesamten englischsprachigen Raum als abwertende Bezeichnung für den Marktfundamentalismus von beispielsweise Reagan und Thatcher. Er ist heute politisches Schlagwort, ein Kampfbegriff für ein weltweites System des Kapitalismus mit seinem Wertschöpfungsprinzip der Profitmaximierung. 

Soziale Marktwirtschaft

Die Soziale Marktwirtschaft ist das wirtschaftliche Konzept, das der deutschen Politik seit Ende der Besatzungsmacht nach dem 2. Weltkrieg als Basis für ihre wirtschaftspolitischen Entscheidungen dient. Die deutsch-deutsche Wiedervereinigung war Anlass, eine gemeinsame Wirtschaftsordnung beider Seiten festzulegen. Offizielle machte dies der Staatsvertrag über die Währungs- Wirtschafts- und Sozialunion zwischen BRD und DDR. Die hervorragenden Eigenschaften der Sozialen Marktwirtschaft sollen sein, das Privateigentum und die Freizügigkeit von Arbeit, Dienstleistungen und Kapital. Weiter die freie Preisbildung und der Leistungswettbewerb. Dies findet sich niedergeschrieben in Artikel 1 Absatz 3 des Staatsvertrages. Hier ist auch postuliert:

„Die dieser Wirtschaftsordnung entsprechende Sozialordnung wird geprägt durch eine der Sozialen Marktwirtschaft entsprechenden Arbeistmarktordnung und ein auf den Prinzipien der Leistungsgerechtigkeit und des sozialen Ausgleichs beruhendes umfassendes System der sozialen Sicherung.“

Hier findet sich also eine Legaldefinition des Begriffes 'Soziale Marktwirtschaft', will meinen das gesellschaftspolitische Basismodell einer 'sozial verfassten' Marktwirtschaft. Es war der Politologe Alfred Müller-Armack, der mit seinem Text über die Marktwirtschaft, die Wirtschaftslenkung, das theoretische Konzept entwarf. Ludwig Erhard verwirklichte das Konzept in wirtschaftspolitisch-pragmatischer Art und Weise, schuf die Anfänge einer sozial gestalteten Marktwirtschaft und wird als Vater der Sozialen Marktwirtschaft bezeichnet. Prinzipielle Aussage über den Sinn derartiger Marktwirtschaft ist nach dem Begründer Müller-Armack das „Prinzip der Freiheit des Marktes mit dem des sozialen Ausgleichs zu verbinden“.

Ein schwieriges, wenn nicht unmögliches Ansinnen allemal. So manch Rechtswissenschaftler, Sozialsoge oder Politologe, Marktwissenschaftler vertritt die Ansicht, eine wirkliche soziale Marktwirtschaft sei schlicht unmöglich. Der Bezugsrahmen der Sozialen Marktwirtschaft stellt die ideelle Vorstellung der Freiheit des Einzelnen ergänzt durch die soziale Gerechtigkeit dar. Diese beiden Faktoren stehen in einem Spannungsverhältnis das aufrechterhalten, aber auch ertragen werden muss. Es geht nicht um Kompromisse, sondern um ein gegenseitiges Ergänzen.

Die Palette der Grundrechte, unter anderem Gerechtigkeit und Freiheit, Sicherheit und genauso Menschenwürde ist allgemein anerkannt. Der Ansatz der Sozialen Marktwirtschaft nun birgt alles diese Komponenten in sich. So findet sich in ihr eine, die diversen Weltanschauungen verbindende, Kraft der Integration. Das Konzept der friedensstiftenden Irenik. So scheint die Soziale Marktwirtschaft durchaus geeignet als Grundlage für eine internationale Wirtschaftsordnung.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 17.07.2017 11:49
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 17.07.2017 11:49


 
 

Haben Sie Fragen zu diesem Begriff? Stellen Sie eine Frage zu dem Begriff im Forum.


Nachrichten zu Marktwirtschaft

  • BildPresseeinladung: Ökonomie neu denken (12.02.2014, 17:10)
    Die Wirtschaftswissenschaften zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.Am 26. Februar 2014 veranstalten der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, das Handelsblatt Research Institute und die PricewaterhouseCoopers AG...
  • Bild„Kapitalismuskritik der Kirchen erlebt Renaissance“ (31.01.2014, 15:10)
    Exzellenzcluster untersucht religiöse Einflüsse auf Wirtschaftsordnungen – Gastredner Friedhelm Hengsbach über kapitalismuskritische DenkerDie Kapitalismuskritik der christlichen Soziallehre erlebt nach Einschätzung von Wissenschaftlern des...
  • BildDie weltweiten Revolten und Bürgerproteste werden weitergehen (22.01.2014, 09:10)
    Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung (BTI) sieht Demokratiedefizite und fehlende Sozialreformen als wesentliche Ursache der anhaltenden Protestbewegungen rund um den GlobusBonn/Gütersloh, 22. Januar 2014. Die weltweite Welle von...
  • BildDr. h.c. aus Thessaloniki: Ehrendoktorwürde für Nachhaltigkeitsforscher Prof. Radermacher (20.12.2013, 12:10)
    Zwei Doktortitel, nämlich der Mathematik und Wirtschaftswissenschaften, hat Professor Franz Josef Radermacher bereits. Jetzt kommt ein Dr. h.c. der International Hellenic University (IHU) in Thessaloniki hinzu.Die griechische Universität ehrt...
  • Bild„Good Company Ranking 2013“: DAX-Konzerne führen in Europa die Liste an (04.11.2013, 15:10)
    Umfassendster Vergleich der 70 größten Unternehmen in puncto Corporate Social Responsibility (CSR) in Europa / Automobil und Chemie vorn, Rohstoffe und Energie hintenDie DAX-Konzerne Bayer, BMW und BASF sind in den Disziplinen...

Aktuelle Forenbeiträge

  • Strafantrag wegen Betruges (01.02.2010, 00:32)
    Welches Vorgehen ist zu wählen um ein Strafverfahren wegen gewerbsmässigem Betuges einzuleiten? Angenommen ein Diskethekenbetreiber hält sich nicht an das "Gesetz zum Schutz der Gesundheit" indem er seinen Laden nicht als Raucherlokal deklariert, was zu Umsatzeinbussen führen würde und ignoriert gleichzeitig absichtlich das...
  • Zwangsprostitution (18.07.2013, 22:34)
    Ein Freier vergnügt sich mit einer Prostituierten. Später fällt ihm auf, dass die Behausung ja nicht sehr wohnlich wirkt: Gestank, Dunkelheit, keine persönlichen Sachen, zudem rotierende Belegschaften. Beinahe wie im Knast, nur dass die Tür von innen verschlossen ist. Ein Angebot, vorher noch unten in der Eisdiele ein Eis, das er...
  • Bedingungsloses Grundeinkommen (20.03.2009, 15:00)
    Mich würde interessieren, was Juristen von einem bedingungslosen Grundeinkommen halten. Als angepeilte Größenordnung in etwa der HartzIV-Regelsatz, nur eben ohne daran geknüpfte Bedingungen.
  • Partnervermittlung anzeigen (15.09.2007, 18:17)
    Es gibt ja auch Zeitgenossen die eine Partnervermittlung beauftragen,kommt eas dann nicht zur Heirat-kennenlernen mit der Wunschdame, dann wird "Betrugsanzeige" erstattet, man wird ja klagefreudiger eben nach USA Vorbild.... Wohlwissend, das man einen Partnervermittler nicht wegen Betrugs belangen kann, denn seine Tätigkeit laut...

Kommentar schreiben

88 - A ch.t =

Bisherige Kommentare zum Begriff (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.


Marktwirtschaft – Weitere Begriffe im Umkreis

  • Marktpreis
    Der Marktpreis ist der für eine bestimmte Warengattung durchschnittlicher Art und Güte auf einem Handelsplatz zu zahlende Preis . In der Regel entspricht er den Wiederbeschaffungskosten und damit bei im Unternehmen regelmäßig verwendeten...
  • Marktteilnehmer und Mitbewerber
    Marktteilnehmer Marktteilnehmer sind nach § 2 I Nr. 2 UWG neben Mitbewerbern und Verbrauchern alle Personen, Unternehmen und Institutionen, die durch Kauf, Verkauf oder Tausch aktiv am Wirtschaftsmarkt durch anbieten oder nachfragen...
  • Marktüberwachung - GWB
    Die Marktüberwachung dient zu einen dem Schutz der Bürger vor unsicheen Produkten, zum anderen auch der Stärkung des fairen Wettbewerbs auf dem Binnenmarkt. Um diese Ziele erreichen zu können, versucht die Marktüberwacuhng gleiche...
  • Marktverkehr
    Bei dem Marktverkehr handelt es sich um einen der Grundsätze der Marktfreiheit, welcher gemäß der §§ 64 ff. GewO definiert wird. Zum Marktverkehr zählen Ausstellungen, Großmärkte, Wochenmärkte, Jahrmärkte und Spezialmärkte. Der Marktverkehr...
  • Marktwertorientierung
    Inhaltsübersicht 1. Überblick 2. Ziele marktwertorientierter Unternehmensrechnungen 3. Struktur marktwertorientierter Unternehmensrechnungen 4. Konzepte marktwertorientierter Unternehmensrechnungen...
  • Maß der baulichen Nutzung – Baurecht
    Das „ Maß der baulichen Nutzung “ ist ein Bestandteil des öffentlichen Baurechts, speziell des Bauplanungsrechts. Im Baugesetzbuch ist es ein unverzichtbares Instrument, welches der Gewährleistung der städtebaulichen Nutzung dient. Meistens...
  • Maschinenbelegungsplanung
    Inhaltsübersicht 1. Überblick 2. Aufstellen eines Maschinenbelegungsplanes 2.1 Faustregeln 2.2 Mathematische Methoden der Maschinenbelegungsplanung 2.3 Zahlenbeispiel zum...
  • Maßgebender Gewerbeertrag
    Inhaltsübersicht 1. Erhebungszeitraum 2. Ermittlungszeitraum 3. Ermittlungszeitraum bei der Abwicklung von Kapitalgesellschaften 4. Insolvenz 1. Erhebungszeitraum Maßgebender...
  • Maßnahme (Strafrecht)
    Eine Maßnahme ist im Strafrecht eine der in § 11 Abs. 1 Nr. 8 StGB genannten möglichen Sanktionen des Staates auf eine Straftat. Demnach sind Maßnahmen: die Maßregel der Besserung und Sicherung (§§ 61-72 StGB) der Verfall (§§ 73,...
  • Maßregel der Besserung und Sicherung
    Eine Maßregel der Besserung und Sicherung ist in Deutschland eine vom Strafrichter angeordnete (im Gegensatz zu den eigentlichen Strafen, welche 'verhängt' werden) Rechtsfolge für eine rechtswidrige Tat. Die Maßregel ist von der Schuld...

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.