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Kapitalertragsteuer

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Erklärung zum Begriff Kapitalertragsteuer

Die Kapitalertragsteuer ist eine Einkommensteuer und wird bei der Einkommensteuerveranlagung wie eine Einkommensteuervorauszahlung behandelt.

Inhaltsübersicht

  • I. Grundsätzliches
  • II. Die deutsche Kapitalertragsteuer
  • III. Zinssteuer in Europa
  • IV. Verweise

I. Grundsätzliches

Erträge aus Kapitalvermögen unterliegen in fast allen europäischen Staaten der jeweiligen Einkommensteuer. Die auf die Zinserträge entfallende Einkommensteuer wird von den jeweiligen Finanzbehörden oftmals direkt an der Quelle als prozentualer Abschlag eingefordert. Der Schuldner der Zinserträge (Bank, Versicherung oder Kapitalgesellschaft) ist als Steuerzahler für die korrekte Einbehaltung und Abführung an die Finanzbehörden verantwortlich.

II. Die deutsche Kapitalertragsteuer

In Deutschland liegt der Steuersatz bei 20% für Gewinnanteile (Dividenden), 30% für Zinsen aus Kapitalanlagen und 35% für Tafelgeschäfte, jeweils zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag. Darüber hinaus gibt es noch weitere Steuersätze wie z.B. 25% für Gewinnausschüttungen aus stillen Beteiligungen (zzgl. 5,5% Solidaritätszuschlag), die in §43a EStG [[1]] aufgeführt sind. Die KapESt ist als Steuer-Vorauszahlung zu sehen. Die Zinserträge werden im Veranlagungsverfahren dem individuellen Steuersatz des Empfängers unterworfen und die gezahlte Kapitalertragsteuer wird als Vorauszahlung angerechnet.

Die KapESt wird nicht erhoben, soweit ein Freistellungsauftrag reicht oder wenn eine Nichtveranlagungsbescheinigung vorliegt. Der Freistellungsauftrag ist dabei an die Höchstbeträge des Sparerfreibetrags gebunden und kann auf verschiedene Bankinstitute verteilt werden.

Die Bezeichnung „Zinsabschlagsteuer“, die sich bei Laien eingebürgert hat, wird im Einkommensteuergesetz nicht verwendet.

Die KapESt wurde 1993 in Deutschland eingeführt.

III. Zinssteuer in Europa

Die „Europäische Richtlinie zur Zinsbesteuerung“ (auch unter der englischen Bezeichnung European Savings Tax Directive, kurz ESD, bekannt) ist ein Rechtsakt der Europäischen Gemeinschaften, welcher neben den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in fünf weiteren europäischen Staaten (Schweiz, Liechtenstein, San Marino, Monaco und Andorra) und den sog. verbundenen Gebieten (wie z.B. den britischen Kanalinseln) gilt. Die Richtlinie ist am 1. Juli 2005 in Kraft getreten.

Ziel der Richtlinie ist eine ausnahmslose und gleichmäßige Besteuerung der Zinseinnahmen aller EU-Bürger mit EU-Wohnsitz, unabhängig davon, wo das Zinseinkommen erwirtschaftet wird. Generell werden alle Zinseinnahmen besteuert. Der Steuersatz beträgt 15% ab 2005, 20% ab 2008 und 35% ab 2011. Da die Definition des Begriffs „Zinsen“ von zentraler Bedeutung für diese Richtlinie ist, und die Definition bis zuletzt immer wieder verändert wurde, gelten folgende Bedingungen:

  • Verspricht ein Papier über seine gesamte Laufzeit 2% oder mehr Zinsen, fällt es unter die ESD.
  • Verspricht ein Papier jährlich 0,25% oder mehr Zinsen, fällt es ebenfalls unter die ESD.

Mit diesen Regelungen werden auch Zerobonds erfasst. Bei Investmentfonds gilt die folgende Regelung:

  • Wurde ein Fonds vor dem 1. März 2001 aufgelegt oder der Fondsprospekt vor diesem Datum genehmigt, fällt der Fonds nicht unter die ESD. Er gilt als "grandfathered". Einzige Ausnahme sind Staatsanleihen: Diese verlieren den "grandfathered"-Status, wenn der Emittent das Papier aufstockt.
  • Enthält ein Fonds weniger als 15 % zinstragende Wertpapiere, fällt er ebenfalls nicht unter die ESD.
  • Enthält ein Fonds mindestens 15 % aber weniger als 40 % zinstragende Wertpapiere, fällt die ESD nur auf den Verkaufsgewinn an.
  • Bei Fonds mit einem Anteil an zinstragenden Wertpapiere von 40 % oder mehr fällt die ESD sowohl auf Thesaurierung als auch auf Verkaufsgewinn an.

Zwei technische Größen bei Fonds in Zusammenhang mit der ESD sind:

  • TIS (taxable income per share): Der unter die EU-Zinssteuer fallende Betrag pro Anteil beim Verkauf. Dieser Wert ergibt sich aus den seit dem Kauf aufgelaufenen Zinsen (Marchzins).
  • TID (taxable income at distribution): Der unter die EU-Zinssteuer fallende Anteil einer Ausschüttung. Da ein Fonds verschiedene Arten an Wertpapieren enthalten kann, muss die Fondsgesellschaft für jeden Fonds berechnen, welcher Anteil einer Ausschüttung der ESD unterstellt ist.

Je nach Geltungsland müssen die Banken die EU-Zinssteuer entweder abführen ("Rückbehalt") oder der zuständigen Finanzbehörde melden ("Meldeverfahren"). Dazu müssen die Banken die Höhe des Abzugs berechnen. Sie nutzen dafür beispielsweise die o.g. Größen, die von Datenlieferanten (wie z.B. Reuters oder Bloomberg) laufend aktualisiert und bereitgestellt werden.

Die EU-Zinssteuer setzte eine neue Steuerflucht in Bewegung. Länder wie Norwegen, Island, Bermudas, Dubai, Singapur und Hongkong erheben keine Zinssteuern und werden so für europäische Steuerflüchtlinge zunehmend attraktiver.

IV. Verweise

  • §43 EStG Kapitalerträge mit Steuerabzug in Deutschland
  • EU: Steuern

 




Mitwirkende/Autoren:
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Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von Wikipedia, 01.06.2013 00:00


Dieser Artikel stammt aus der Quelle Wikipedia und unterliegt der GNU FDL.

 
 

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