Justiziar

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Erklärung zum Begriff Justiziar

Bei einem Justiziar (nach traditioneller Rechtschreibung Justitiar) handelt es sich um einen Rechtsberater, der entweder verbeamtet bei einer Behörde tätig oder der bei einem Unternehmen, einem Verband oder einer Bank angestellt ist. Man spricht insoweit auch von Hausjurist oder Syndikus bzw. Syndikusanwalt, wobei es sich dabei zwingend um solche Justiziare handeln muss, die auch die zweite juristische Prüfung erfolgreich abgeschlossen haben.

I. Die Aufgaben eines Justiziars

Ein Justiziar bzw. Justitiar ist ein Rechtsberater, der nicht selbstständig oder in einer (größeren) Kanzlei arbeitet, sondern in einer Rechtsabteilung, beispielsweise bei einer Behörde, eines Verbandes, eines Unternehmens oder einer Bank. Ein Justiziar kann deshalb entweder verbeamtet (wenn er für eine Behörde arbeitet) oder lediglich angestellt sein (wenn er für einen Verband, Unternehmen oder Bank arbeitet).

Zu den Aufgaben eines Justiziars als juristischer Berater rechtliche Probleme im Vorfeld zu erkennen und Lösungen hierfür zu entwickeln und umzusetzen, die er letztlich in einem Rechtsgutachten aufzeigt. Ziel dieser vorsorgenden Rechtspflege ist es also, Streitigkeiten zu vermeiden. Ein Justiziar setzt sich dafür mit vielfältigen juristischen Sachverhalten auseinander, um schließlich seine ihn anstellende Institution in allen rechtlichen Fragestellungen beraten zu können, etwa über wirtschafts-, marken- und urheberrechtliche Probleme, über Versicherungsverträge und -fälle, im Vertragsmanagement und -monitoring, bis hin zu haftungs- und kartellrechtlichen Fragen bei Unternehmenskäufen und -verkäufen.
Darüber hinaus gehört zu den Aufgaben eines Justiziars die klassische Rechtsvertretung vor Behörden und Untergerichten, wie dem Amtsgericht, Verwaltungsgericht, Finanzgericht, Sozialgericht oder Arbeitsgericht. Eine solche Rechtsvertretung darf ein Justiziar vor dem Landgericht oder einem höheren Gerichten nicht vornehmen, da sich der Dienstherr bzw. Arbeitgeber vor solchen Gerichten nur von einer postulationsfähigen Person, zum Beispiel einem Rechtsanwalt, vertreten lassen kann, die mit ihm nicht in einem ständigen Dienst- oder Beschäftigungsverhältnis steht. Daher ist es nach § 46c Absatz 2 BRAO [Bundesrechtsanwaltsordnung] sogar den Syndikusanwälten zum Teil berufsrechtlich versagt, für ihren Arbeitgeber in ihrer Eigenschaft als Rechtsanwalt vor Gerichten und Schiedsgerichten aufzutreten. Dies liegt daran, dass auch der Syndikusanwalt als eingetragener Rechtsanwalt gemäß § 1 BRAO ein „unabhängiges Organ der Rechtspflege“ ist. Etwas anderes gilt jedoch für verbeamtete Justiziare einer Behörde, die die zweite juristische Prüfung erfolgreich abgelegt haben und damit Rechtsassessoren sind. Sie gelten als sog. Mitarbeiter mit der Befähigung zum Richteramt als postulationsfähig, obwohl sie in Ermangelung einer Anwaltszulassung gar keine Rechtsanwälte sind. Daher können sie vor allen Gerichten in der Verwaltungsgerichtsbarkeit, Finanzgerichtsbarkeit und Sozialgerichtsbarkeit Rechtsvertretung leisten (vgl. zum Beispiel § 67 Absatz 4 VwGO, § 78 Absatz 2 ZPO, § 10 Absatz 4 FamFG).
 

II. Die Ausbildung zum Justiziar

In Deutschland gibt es keine eigens für die Tätigkeit eines Justiziars gesetzlich vorgeschriebene Ausbildung. Arbeitgeber verlangen in aller Regel zumindest ein erfolgreiches Bestehen der ersten juristischen Prüfung (Erstes Staatsexamen) bzw. einem dem ersten Staatsexamen gleichwertigen Abschluss als Diplomjurist, Wirtschaftsjurist oder als Master of Law (LL.M.). Möglich ist aber auch eine Einstellung als Justiziar mit dem akademischen Abschluss als Diplom-Rechtspfleger bzw. Diplom-Verwaltungswirt. Selbstverständlich ist ein Abschluss als stets Rechtsassessor (Volljurist) erwünscht.

Möchte ein Justiziar jedoch als Syndikus tätig werden, muss er zwingend als Rechtsanwalt in einer Rechtsanwaltskammer zugelassen sein. Dies erfordert in jedem Fall den erfolgreichen Abschluss der zweiten juristischen Prüfung (Zweites Staatsexamen).




Mitwirkende/Autoren:
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Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 09.03.2017 19:44


 
 

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