Jugendstrafrecht

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Erklärung zum Begriff Jugendstrafrecht

Unter dem Begriff Jugendstrafrecht versteht man besonderes Straf- und Strafprozessrecht für Jugendliche und Heranwachsende.

Diejenigen, die das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, sind strafrechtlich nicht verantwortlich. Ein Jugendlicher (14 bis einschließlich 17 Jahre) ist strafrechtlich verantwortlich, wenn er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung reif genug ist, das Unrecht der Tat einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln.

Heranwachsende (18 bis einschließlich 20 Jahre) sind grundsätzlich voll verantwortlich. Bei Ihnen kann das Gericht Jugendstrafrecht anwenden, wenn die Gesamtwürdigung der Persönlichkeit des Täters bei Berücksichtigung auch der Umweltbedingungen ergibt, dass er zur Zeit der Tat nach seiner sittlichen und geistigen Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand, oder es sich nach der Art, den Umständen oder den Beweggründen der Tat um eine Jugendverfehlung handelt. Die Praxis tendiert allerdings sehr oft zur Anwendung des Jugendstrafrechts.

Das Jugendstrafrecht unterscheidet sich vom Erwachsenenstrafrecht in erster Linie durch die Rechtsfolgen einer Straftat. Das Jugendgerichtsgesetz (JGG) ist in erster Linie an einem erzieherischen Gedanken ausgerichtet. Der Jugendliche soll in erster Linie nicht für seine Tat bestraft werden, sondern durch erzieherische Mittel wieder auf den Rechten weg gebracht werden. Zuvorderst sind daher vom Richter Erziehungsmaßregeln auszusprechen. Erziehungsmaßregeln sind die Erteilung von Weisungen und die Anordnung, Hilfe zur Erziehung in Anspruch zu nehmen. Nur wenn solche Maßnahmen nicht ausreichen können Zuchtmittel und Jugendstrafe verhängt werden.

Über Verfehlungen Jugendlicher entscheiden die Jugendgerichte. Jugendgerichte sind der Strafrichter als Jugendrichter, das Schöffengericht (Jugendschöffengericht) und die Strafkammer (Jugendkammer). Das Verfahren gegen Jugendliche findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.



Erstellt von , 04.05.2010 10:42
Zuletzt editiert von webmaster, 05.09.2011 11:18


 
 

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Entscheidungen zum Begriff Jugendstrafrecht

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    Zur Anwendung von Jugendstrafrecht oder von allgemeinem Strafrecht bei einem heranwachsenden Gewalttäter mit schwerer dissozialer und emotionaler Persönlichkeitsstörung und daraus entstehenden Zweifeln an weiteren Entwicklungsfortschritten.
  • BildOLG-HAMM, 22.10.2013, 2 Ws 228/13
    Die sofortige Beschwerde des Nebenklägers gegen die Kosten- und Auslagenentscheidung des Berufungsgerichts nach erfolgter Berufungsrücknahme ist unzulässig, wenn Jugendstrafrecht Anwendung gefunden hat.
  • BildOLG-HAMM, 03.02.2009, 4 Ss 1/09
    § 46 Abs. 3 StGB findet bei der Bemessung von Jugendstrafen keine Anwendung, weil das Jugendstrafrecht eine dem Erwachsenenstrafrecht vergleichbar enge Bindung an tatbestandsbezogene Strafrahmen nicht kennt.
  • BildOLG-HAMM, 17.09.2007, 2 Ss 380/07
    1. Zur Beiordnung eines Pflichtverteidigers im Jugendgerichtsverfahren. 2. Unter Berücksichtigung des § 54 Abs. 1 JGG sind an die Begründung der Rechtsfolgenentscheidung im Jugendstrafrecht besondere Anforderungen zu stellen.
  • BildOLG-DUESSELDORF, 04.04.2003, III-3 Ws 117/03
    Die Voraussetzungen für eine Strafaussetzung zur Bewährung richten sich auch dann ausschließlich nach materiellem Jugendstrafrecht, wenn die Vollstreckung der Jugendstrafe gemäß § 85 Abs. 6 JGG an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden ist.
  • BildBGH, 15.03.2001, 3 StR 61/01
    JGG § 105 Abs. 1 Die Anwendung von Jugendstrafrecht auf einen Heranwachsenden kann nicht Gegenstand einer Urteilsabsprache sein (im Anschluß an BGHSt 43, 195). BGH, Beschl. vom 15. März 2001 - 3 StR 61/01 - LG Hildesheim
  • BildOLG-HAMM, 20.03.2008, 3 (s) Sbd I. 7/08
    Sofern in einem jugendgerichtlichen Urteil lediglich auf eine Unterbringung erkannt wurde und es daher deswegen an sich keiner näheren Eröterung des § 105 JGG zur Anwendbarkeit des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende bedarf, ist erforderlich, dass sich aus dem Urteil selbst ergibt, dass bei einer Schuldfeststellung Jugendstrafrecht...
  • BildBVERWG, 19.05.2005, BVerwG 3 A 3.04
    Bei Verwaltungsvereinbarungen zwischen Ländern ist dem Schriftformerfordernis des § 57 VwVfG durch einen Briefwechsel genügt, wenn die Zusammengehörigkeit der beiderseitigen Erklärungen aus den Umständen zweifelsfrei ersichtlich ist. Es ist nicht darüber hinaus erforderlich, dass beide Vertragserklärungen in derselben Urkunde enthalten...
  • BildOLG-STUTTGART, 11.11.2002, 4 Ws 255/2002
    Die Anordnung von Führungsaufsicht nach §§ 7 JGG, 68 f Abs. 1 StGB im Jugendstrafrecht setzt voraus, dass bei einer zugrundeliegenden Vorsatztat mindestens eine Jugendstrafe von zwei Jahren (in den Fällen des § 181 b StGB von einem Jahr) verwirkt worden wäre (im Anschluss an OLG Hamm NStZ-RR 1998, 61; entgegen OLG München NStZ-RR2002,...
  • BildKG, 26.11.2012, (4) 161 Ss 226/12 (286/12)
    1. Für die Beurteilung der Notwendigkeit der Pflichtverteidigerbestellung im Jugendstrafverfahren gelten die Grundsätze, die auch bei der Bestellung eines Pflichtverteidigers im Strafverfahren gegen Erwachsene gelten; den Besonderheiten des Jugendstrafverfahrens ist jedoch Rechnung zu tragen. 2. Für die Gewichtung des Tatvorwurfs ist...

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