Heranwachsender

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Erklärung zum Begriff Heranwachsender

Gemäß § 1 Abs. 2 JGG (Jugendgerichtsgesetz) gilt in Deutschland jede Person als Heranwachsender, welche zwar das 18. Lebensjahr, jedoch noch nicht das 21. Lebensjahr vollendet hat.

Neben der gesetzlichen Situation stellt die Zeit des Heranwachsens, die man auch als Coming-of-age bezeichnet, eine besondere gesellschaftliche und künstlerische Situation dar.

Inhaltsübersicht

I. Heranwachsende in Gesellschaft und Kunst

Coming-of-age bezeichnet im englischen Sprachgebrauch den Übergang eines Menschen zum Erwachsenen. Dabei kann sich je nach Gesellschaft das Alter und die Form des Übergangs unterscheiden. So gibt es neben dem Erreichen der gesetzlichen Volljährigkeit auch Rituale wie etwa Firmung und Konfirmation in christlichen Glaubensgemeinschaften. Da die Menschen ihre Persönlichkeit erst allmählich erreichen, vollzieht sich die Entwicklung im Allgemeinen in verschiedenen Stadien, wobei das Erreichen der sexuellen Reife (oder Eintritt in die Pubertät) als bedeutender Wendepunkt begriffen wird. In verschiedenen Gesellschaft wird von dem Heranwachsenden das Ablegen einer Prüfung oder Initiation verlangt als Beweis, dass ihre Entwicklung abgeschlossen ist. Hierzu zählt etwa der Walkabout der Aborigines.

Der Begriff findet häufige Verwendung bei Romanen und Filmen, um diese dahingehend zu charakterisieren, dass der Schwerpunkt der Geschichte auf der Entwicklung der (jugendlichen) Hauptperson liegt. Diese durchläuft einen Reifeprozess, der sie etwa ihr bisheriges Leben hinterfragen und reifen lässt. Dabei wird zumeist die Handlung eingesetzt, um diese Veränderung auszulösen oder zu unterstützen, sodass auf den Einsatz etwa von oberflächlichen Actionelementen zugunsten einer Dramatisierung und Psychologisierung verzichtet werden kann.

II. Juristische Hintergünde

Die Anwendung des Jugendstrafrechts auf Heranwachsende ist nach § 105 JGG begründet, wenn Reiferückstände in der Person des Heranwachsenden vorhanden sind oder die abzuurteilende Tat jugendtypische Züge aufweist. Grundsätzlich gelten dann die Vorschriften des Jugendgerichtsgesetzes als leges speciales zum Strafgesetzbuch. Höchststrafe ist dann eine 10-jährige Jugendstrafe.

Die Entscheidung, ob ein Heranwachsender nach allgemeinem oder nach Jugendstrafrecht zu verurteilen ist, entscheidet der Jugendrichter, das Jugendschöffengericht oder die Jugendkammer als gesetzlicher Richter, die im Jugendstrafverfahren beteiligte Jugendgerichtshilfe nimmt zu dieser Frage zuvor Stellung.

III. Praktische Bedeutung

Junger Volljähriger Im SGB VIII, § 7 (1) wird festgehalten, dass als "Junger Volljähriger" ein Mensch gilt, der 18, aber noch nicht 27 ist. Wohl wichtigste Konsequenz dieser Bestimmung ist der Zugriff auf Leistungen des "Kinder- und Jugendhilfegesetzes". Erzieherische Hilfen nach §§ 27 ff können gem. § 41 auch jungen Volljährigen (wenn überhaupt, dann faktisch aber nur unter 21-jährigen) gewährt werden als Hilfe zur Persönlichkeitsentwicklung und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung (vgl. auch M. Günther, "Hilfen für junge Volljährige nach SGB VIII § 41", in: Jugendhilfe, 31. Jg. Nr. 8 / 1993]. Die Betroffenen haben gem. SGB I, § 8 das Recht, solche Hilfen selbst für sich in Anspruch zu nehmen. Den Rechtsanspruch auf Hilfen für Kinder und Jugendliche besitzen gem. § 27 (1) die Eltern!

IV. Weiterführende Literatur




Mitwirkende/Autoren:
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Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von Wikipedia, 01.06.2013 00:00


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Entscheidungen zum Begriff Heranwachsender

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    Die Vorschriften über die Annahmeberufung (§ 313 StPO) sind im Jugendstrafverfahren anwendbar, wenn ein Heranwachsender unter Anwendung des Erwachsenenstrafrechts zu einer Geldstrrafe von nicht mehr als 15 Tagessätzen verurteilt wurde.
  • BildOLG-OLDENBURG, 12.07.2005, 1 Ws 351/05
    Werden in einem Jugendstrafverfahren dem Angeklagten Taten zur Last gelegt, die er teils als Jugendlicher und teils als Heranwachsender begangen haben soll, so ist auch hinsichtlich letzterer eine Nebenklage nicht zulässig.
  • BildHESSISCHER-VGH, 18.02.2000, 12 TG 2846/99
    1. Ein Heranwachsender, der im Bundesgebiet aufgewachsen ist und mit seinen Eltern in häuslicher Gemeinschaft lebt, darf nur aufgrund der Ist-Ausweisungstatbestände des § 47 Abs. 1 Nrn. 1 oder 2 AuslG oder aufgrund des Regel-Ausweisungstatbestands des § 47 Abs. 2 Nr. 1 AuslG ausgewiesen werden; dieser Ausweisungsschutz setzt nicht den...
  • BildOLG-HAMM, 17.11.2009, 3 Ss 447/09
    Eine Erstreckung der Aufhebung nach § 357 StPO kommt nur dann in Betracht, wenn die Revision für den Nichtrevidenten zulässig war. Das ist auch dann nicht der Fall, wenn ein Heranwachsender nichtrevidierender Mitangeklagter zunächst Berufung gegen das angefochtene Urteil einlegt, diese dann aber (nach Ablauf der...
  • BildVGH-BADEN-WUERTTEMBERG, 22.02.1999, 11 S 2312/98
    1. Die Vorschrift des § 48 Abs 2 S 2 AuslG (AuslG 1990) über den besonderen Ausweisungsschutz Heranwachsender erfaßt mit dem Tatbestandsmerkmal "im Bundesgebiet aufgewachsen" Ausländer, die als Minderjährige - vor allem während der für ihre Bildung und Erziehung außerhalb des Elternhauses entscheidenden Jahre - weitaus...
  • BildBGH, 23.05.2002, 3 StR 58/02
    Die Strafkammer, vor der die Jugendkammer gemäß § 209 Abs. 1 i. V. mit § 209 a Nr. 2 Buchst. a StPO ein bei ihr angeklagtes Verfahren eröffnet hat, ist, wenn sie in der Hauptverhandlung zu der Erkenntnis gelangt, daß der Angeklagte entgegen der Einschätzung der Jugendkammer bei Begehung der Tat (nicht ausschließbar) noch...
  • BildBGH, 25.02.1998, 3 StR 362/97
    StPO § 338 Nr. 6 JGG § 48 Abs. 1, § 109 Abs. 1 Satz 4 Sind Gegenstand der Anklage Taten, die der Angeklagte teils als Jugendlicher, teils als Heranwachsender begangen hat, so findet die Hauptverhandlung auch dann noch unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt, wenn in ihrem Verlauf das Verfahren wegen der Taten, die er als Jugendlicher...
  • BildVG-STADE, 10.08.2004, 3 B 1222/04
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  • BildOVG-BERLIN, 11.06.2002, OVG 8 N 27.01
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