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Heimkehrer

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Erklärung zum Begriff Heimkehrer

Deutsche Kriegsgefangene, die nach dem Zweiten Weltkrieg in ihr Heimatrland zurückkehrten wurden im Volksmund als Heimkehrer bezeichnet.

Die westlichen Alliierten hatten ihre deutschen Kriegsgefangenen im Wesentlichen bis Ende 1946 in ihre Heimat entlassen. Im April 1947 vereinbarten die Außenminister der Alliierten, dass auch die restlichen Kriegsgefangenen bis Ende 1948 in ihre Heimat zurückkehren sollten.

Schätzungsweise drei Millionen deutsche Soldaten waren von 1941 bis 1945 in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten. Ihre Freilassung begann erst am 22. Juli 1946. Ende 1948 befanden sich noch rund 1,5 Millionen deutsche Soldaten in sowjetischer Gefangenschaft. Die weitere Freilassung zog sich entgegen der Vereinbarung der Alliierten bis weit in die 1950er Jahre hinein. Die Sowjetunion begründete dieses Vorgehen mit den massiven Kriegsschäden, die ihr Territorium erlitten hatte und die die Kriegsgefangenen mit ihrer Arbeitkraft beheben sollten. Entsprechend dieser Doktrin wurden zunächst vor allem kranke und nicht mehr arbeitsfähige Gefangene freigelassen. 1949 änderte sich die Freilassungspolitik: Nicht mehr die Arbeitsfähigkeit war entscheidend, sondern die politische und ideologische "Belastung". Ab diesem Zeitpunkt wurden viele Gefangene in Massenprozessen zu Kriegsverbrechern erklärt.

Rund ein Drittel der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion starb in den Gefangenenlagern. Über eine Million Kriegsgefangene und Zivilinternierte aus den östlichen Gebieten wurden über das Heimkehrerlager Gronenfelde bei Frankfurt (Oder) geleitet[1].

Als Spätheimkehrer werden vom Gesetzgeber alle ehemaligen Kriegsgefangenen bezeichnet, die nach dem 31. Dezember 1946 entlassen wurden. Für diesen Personenkreis gab es gemäß Kriegsgefangenenentschädigungsgesetz eine Entschädigung von 30 DM je Gefangenschaftsmonat ab dem 1. Januar 1947; der Entschädigungsbetrag stieg für spätere Jahre nach 1949 immer weiter an.

Die Behandlung der Heimkehrer in Deutschland erfuhr einen Wandel. Während die ersten Freigelassenen aus der Sowjetunion noch meist feierlich empfangen wurden, ließ die Aufmerksamkeit schnell nach. In der DDR war den ehemaligen Gefangenen zudem verboten, über ihre Lagererlebnisse zu berichten, um kein schlechtes Licht auf die Sowjetunion zu werfen. In der Bundesrepublik wuchsen im Verlauf des Wirtschaftswunders die Schwierigkeiten mit Wiedereingliederung in Gesellschaft und Berufsleben.

Inhaltsübersicht

I. Heimkehr der Zehntausend ab 1955

Die Frage nach dem Schicksal der Gefangenen gehörte zu den drängendsten Problemen der deutschen Öffentlichkeit der Nachkriegsjahre. Mit zahlreichen Denkmälern und Demonstrationen wurde immer wieder auf dieses Schicksal hingewiesen.

Ein besonders emotionales Thema war damals die Heimkehr der Zehntausend (ab 7. Oktober 1955) aus sowjetischer Gefangenschaft nach Friedland und Herleshausen mit folgender politischen Vorgeschichte:

Im Juni 1955 hatte die sowjetische Botschaft in Paris mit der dortigen deutschen Botschaft Kontakt aufgenommen und eine Einladung an Bundeskanzler Konrad Adenauer nach Moskau übergeben. Angesichts Adenauers konsequenter, auch militärischer Westbindung war diese Einladung eine Sensation. Am 8. September 1955 flog Adenauer mit seiner Delegation zu einem Staatsbesuch in die Sowjetunion. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch knapp 10.000 deutsche Wehrmachts- und SS-Soldaten sowie rund 20.000 politisch inhaftierte Zivilisten in sowjetischer Gefangenschaft. Bereits vor seiner Abreise kündigte Adenauer an, die Heimkehr der Gefangenen werde das wichtigste Thema in Moskau sein. Allerdings hatte die sowjetische Führung dieses Problem in der Vorbereitung des Staatsbesuchs nicht offiziell erwähnt, sondern vor allem auf eine mögliche Aufnahme diplomatischer Beziehungen hingewiesen (siehe Alleinvertretungsanspruch). Vermutlich war auf sowjetischer Seite intern die Freilassung der Gefangenen bereits als Gegenleistung diskutiert worden. In der sowjetischen Bevölkerung war eine Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen äußerst unpopulär.

Die Verhandlungen zwischen der Adenauer-Delegation und der sowjetischen Seite war zunächst vor allem von der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg belastet. Dennoch kam es relativ schnell (am 12. September) zur Einigung über die 10.000 Kriegsgefangenen und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Die Freilassung der Zivilinternierten wurde kurz vor dem Ende der Gespräche persönlich zwischen Adenauer und Nikolai Bulganin vereinbart. In der Führung der DDR wurde die Einigung zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion kritisiert, da sie nicht mit der gewünschten Anerkennung des Landes durch die Bundesrepublik verbunden war.

Am 7. Oktober 1955 kamen die ersten 600 Heimkehrer der "Zehntausend" in Friedland an.

II. Weiterführende Literatur

  • So weit die Füße tragen von Josef Martin Bauer (Buch)
  • Adenauers Reise nach Moskau von Werner Kilian (Buch)
  • Das Wunder von Bern von Sönke Wortmann (Film)
  • Draußen vor der Tür von Wolfgang Borchert (Drama)
  • Heimkehrergesetz

III. Anmerkungen

  1. Rösch, Rückblick auf das Heimkehrerlager Gronenfelde bei Frankfurt/Oder, 15. Mai 1950, hier nach Abschrift von Historischer Verein zu Frankfurt (Oder), Mitteilungen Frankfurt (Oder), Heft 2 1998, S. 38



Mitwirkende/Autoren:
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Erstellt von , 01.06.2013 00:00
Zuletzt editiert von Wikipedia, 01.06.2013 00:00


Dieser Artikel stammt aus der Quelle Wikipedia und unterliegt der GNU FDL.

 
 

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