Hausrat

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Erklärung zum Begriff Hausrat

Allgemeines

Unter Hausrat versteht man sämtliche Gegenstände, die im gesamten Haushalt zu finden sind und die zur Einrichtung, zum Gebrauch oder zum Verbrauch dienen.

Rechtliches

Eine juristische Bedeutung erhält der Hausrat im Falle einer Ehescheidung. Die Gegenstände, welche sich innerhalb der gemeinsamen Lebensführung befinden müssen nach näherer umfassenden Betrachtung der Hausratsverordnung zwischen den Ehegatten aufgeteilt werden (sog. Hausratsteilung), während das Eigentum an den übrigen Vermögensgegenständen den allgemeinen Grundsätzen folgt. Über die Gegenstände des Hausrats kann man eine Sachversicherung, die sog. Hausratsversicherung abschließen. Diese bietet Versicherungsschutz gegen u.a. Feuer, Leitungswasser, Sturm, Hagel, Frost- oder Rohrschäden, Einbruchdiebstahl, Raub und Vandalismus für das oben genannte Inventar. Somit wird zumindest im überwiegenden Bereich privat genutztes Eigentum des Versicherungsnehmers gegen potentielle Gefahren geschützt.

Überdies sind neben den Hauptkosten der Sachschäden auch zusätzlich verursachte Kosten der Folgeschäden wie beispielsweise Aufräumungskosten, Einbruchsreparaturkosten, Schutzkosten und Hotelkosten in der Versicherung mit inbegriffen. Die Hausratversicherung definiert sich als verbundene Sachversicherung, d.h. die einzelnen versicherten Gefahren sind nur als Kombination miteinander abschließbar und der Vertrag lediglich im Ganzen kündbar. Die Haftung der Versicherung ist in den meisten Fällen nach oben hin begrenzt, weshalb man exakt darauf achten sollte, welche Vertragsart man abschließt. Auch geliehene Sachen sind versichert, soweit sie sich in der versicherten Wohnung befinden.

Aufzählung von Versicherungserfassten Gegenständen:

Unter Einrichtung fallen beispielsweise:

  • Möbel
  • Teppiche
  • Bilder oder Dekorationen
  • Lampen
  • Elektrische Geräte

Zum Gebrauch einer Einrichtung gehören:

  • Geschirr
  • Bekleidung
  • Haushaltsgeräte
  • Werkzeuge
  • Bücher
  • CDs, DVDs, Schallplatten

Unter Verbrauchsgegenstände fallen:

  • Nahrungs- oder Genussmittel.

Weiterhin zum Hausrat gehören:

  • Rundfunk- und Fernsehantennen sowie Markisen, soweit diese nicht mehreren Wohnungen oder gewerblichen Zwecken dienen
  • Sachen, die der Versicherungsnehmer als Mieter in das Gebäude eingefügt und auf seine Kosten beschafft hat und für die er die Gefahr trägt (beispielsweise Sanitäranlagen, Leitungswasserabführende Installationen)
  • Musikinstrumente
  • Campingausrüstung

Ebenso sind auch nicht unmittelbar in den Wohnräumen versicherte Sachen einbezogen:

  • Kanus, Surfgeräte, Ruder- und Schlauchboote einschließlich mit Motoren
  • Rasenmäher
  • Motorbetriebene Krankenfahrstühle
  • Spielfahrzeuge

Für Wertgegenstände gelten vereinbarungsgemäße Entschädigungsgrenzen, wie z.B.:

  • Bargeld, Münzen, Wertpapiere
  • Sparbücher
  • Schmuck und sonstige Wertsachen aus Gold, Silber oder Platin
  • Pelze
  • Briefmarken
  • Teppiche
  • Antiquitäten (keine Möbelstücke)
  • Urkunden
  • Gemälde, Zeichnungen, Grafiken etc.

Grundsätzlich ist es möglich weitere Schadensfälle gegen einen Aufpreis abdecken zu lassen:

  • Fahrraddiebstahl
  • Glasbruchschäden
  • Überspannungsschäden durch Blitzeinschlag
  • Elementarschäden (bei Überschwemmung, Erdrutschen, Lawinen, Schneedruck, Erdbeben)
  • Sengschaden (Feuer, welches durch glimmende Zigarettenasche entstanden ist)
  • Einfacher Diebstahl, wie bspw. von Gartenmöbeln oder Kinderwagen
  • Implosion

Räumliche Eingrenzung

Zu den Versicherungsorten der Hausratsversicherung gehören nicht nur Haus oder Wohnung, sondern auch abschließbare Dachböden, Keller- oder Hobbyräume. Auch Gemeinschaftsräume wie z.B. ein Wasch- oder Trockenraum und sämtliche Nebengebäude, welche sich auf dem Grundstück befinden sind mit einbezogen sowie privat genutzte Garagen, die nicht unmittelbar am Grundstück angrenzen müssen, sondern sich lediglich in der Nähe befinden. Im Falle einer Reise kann eine sogenannte Außenversicherung abgeschlossen werden. Diese versichert bei u.a. Einbrüchen, Bränden in Hotels oder Ferienhäusern und liegt bei etwa 10 % der Versicherungssumme.

Umzug

Findet ein Umzug statt, so erweitert sich der Versicherungsschutz zum Zeitpunkt des Umzugs temporär sowohl auf die alte als auch auf die neue Wohnung des Versicherungsnehmers. Der Zeitraum der beiden geschützten Wohnungen beträgt meist etwa 2 bis 3 Monate. Allerdings muss der Umzug auch mitgeteilt werden, andernfalls liegt kein Versicherungsschutz vor. Schäden auf Transportwegen sind teilweise mitversichert, sofern sie durch eine der in der Versicherung genannten Gefahren verursacht wurden.

Abrechnung

Wie viele Schäden von der Versicherung abgedeckt werden, hängt von dem jeweiligen Leistungsumfang seiner Hausratsversicherung ab. Je mehr Leistungen inbegriffen sind, desto teurer liegt der jährliche Versicherungsbeitrag. Hierbei finden die Grundsätze über die Sachversicherung im Versicherungsvertragsgesetz (§§ 88 ff. VVG) im allgemeinen Anwendung. Grundsätzlich wird die Versicherungssumme pro Quadratmeter des Wohnraums berechnet. Die Versicherung bezieht sich dabei auf den vollständigen Inhalt des Wohnraumes.  Im Normalfall ersetzt die Versicherung den gesamten oder lediglich einen Teil des Wiederbeschaffungswertes, d.h. die Kosten, die entstehen würden, um die beschädigte oder zerstörte Sache der gleichen Art und Güte in neuwertigem Zustand wieder zu beschaffen. Bei Wertsachen gilt grundsätzlich eine Entschädigung in Höhe von etwa 20 Prozent der Versicherungssumme. Soll die Versicherungssumme möglichst gleich dem tatsächlichen Wert des Hausrats entsprechen, ist es ratsam eine Wertaufstellung des gesamten Hausrats aufzustellen um die jeweiligen Neuwerte festzustellen.

Beispiel eines Schadens

Durch einen technischen Defekt entzündet sich ein Fernsehgerät und setzt Teile des Raumes in Flammen. Durch den nachfolgenden Rauch werden weitere Räume verdreckt. Bei den Löscharbeiten der Feuerwehr wird die Wohnung unter Wasser gesetzt. Die Hausratsversicherung ersetzt hierbei den ursprünglichen Hauptschaden, der durch das Feuer entstanden ist, als auch die Folgeschäden durch den Rauch und die Löscharbeiten. Mögliche Aufräumkosten werden ebenfalls erstattet.




Mitwirkende/Autoren:
Erstellt von , 06.01.2017 08:50
Zuletzt editiert von JuraforumWiki-Redaktion, 06.01.2017 08:50


 
 

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Entscheidungen zum Begriff Hausrat

  • BildVG-HANNOVER, 25.01.2001, 7 A 5214/00
    Kochtöpfe zählen zum Hausrat mit geringem Anschaffungswert
  • BildOLG-ZWEIBRüCKEN, 16.11.2004, 2 AR 33/04
    Schadensersatzansprüche gemäß § 281 BGB aus einem familiengerichtlichen Titel auf Herausgabe von Hausrat sind vor dem Familiengericht geltend zu machen.
  • BildOLG-KOBLENZ, 07.07.2005, 9 WF 371/05
    Ein Pkw ist nur dann als Hausrat zu qualifizieren, wenn er überwiegend der Nutzung zu familiären Zwecken dient.
  • BildOLG-CELLE, 09.03.2009, 15 WF 44/09
    Sinn und Zweck des Hausratsteilungsverfahrens ist es nicht, den anderen Ehegatten von der Nutzung von Hausrat oder Tieren (hier: Papageien) auszuschließen.
  • BildOLG-NAUMBURG, 03.11.2008, 8 UF 119/08
    Der Hausrat ist, unabhängig davon, ob er sich noch in der ehemaligen Ehewohnung befindet, nach der HausratsVO zu verteilen. Denn bloße Besitzverhältnisse (§§ 854 ff BGB) können die eigentumsrechtlichen Verhältnisse (§§ 903 ff, 1008 ff BGB) nicht berühren, und über die Zuweisung in das Alleineigentum einer der Parteien ist noch keine...
  • BildOLG-NAUMBURG, 19.07.2005, 8 WF 89/06
    Für eine einstweilige Regelung der Benutzung von Hausrat beträgt der Wert im Regelfall 1.200 Euro nach § 24 Abs. 2 RVG, 53 Abs. 2 GKG. Auf die Höhe von Darlehensverbindlichkeiten aus Anlass der Anschaffung kommt es nicht an.
  • BildOLG-KARLSRUHE, 12.11.2002, 2 WF 93/02
    Bei dem Streit über die Durchsetzung bzw. Erfüllung eines seinem Inhalt nach unstreitigen und vollzugsfähigen Vergleichs über Hausrat handelt es sich um keine Familiensache; vielmehr ist die Zuständigkeit der allgemeinen Zivilgerichte gegeben
  • BildOLG-KOELN, 27.04.1999, 9 U 119/98
    Ein für die Hausratversicherung relevanter Wohnungswechsel liegt dann vor, wenn der Versicherungsnehmer seinen Lebensmittelpunkt in die neue Wohnung verlegt; ob der Hausrat ganz oder teilweise verlagert wird, ist nicht entscheidend.
  • BildOLG-KARLSRUHE, 10.04.2003, 2 WF 143/02
    Die alleinige Geltendmachung eines Ausgleichszahlungsanspruchs ist unzulässig. Der Ausgleichszahlungsanspruch gem. § 8 Abs. 3 S.2 HausrVO setzt voraus, dass einer der Parteien vom Hausrat durch den Richter überhaupt etwas zugeteilt wird.
  • BildOLG-KOELN, 12.01.1996, 6 U 63/95
    Bestimmungen über eine zehn- bzw. fünfjährige Laufzeit für Unfall-, Haftpflicht-, Hausrat- und/oder Glasversicherungsverträge in der nachfolgend wiedergegebenen Gestaltung stellen Allgemeine Geschäftsbedingungen dar, die mit § 9 Abs. 1 AGBG nicht vereinbar und daher unwirksam sind.

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